Lenzing kauft schwedischen Faserhersteller

Das Lenzing-Logo prangt auf einem modernen Bürogebäude vor einem Fabrikkomplex.
Mit der Übernahme der Mehrheit an TreeToTextile will Lenzing die Entwicklung kostengünstiger und nachhaltigerer Fasern beschleunigen und bereitet den Ausbau zur industriellen Großproduktion vor.

Zusammenfassung

  • Lenzing übernimmt die Mehrheit am schwedischen Textil-Innovationsunternehmen TreeToTextile, um nachhaltige Fasern schneller zu industrialisieren.
  • Das TreeToTextile-Verfahren bietet laut Lenzing Kostenvorteile und ein besseres Nachhaltigkeitsprofil, die Produktion in Schweden soll ausgebaut werden.
  • Lenzing steht weiterhin unter Druck durch Stellenabbau und hohe Verluste, bleibt aber ein wichtiger Akteur in der Faserindustrie.

Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing hat die Mehrheit an dem schwedischen Textil-Innovationsunternehmen TreeToTextile übernommen. Durch den Zukauf solle die Industrialisierung neuer, nachhaltigerer Fasern beschleunigt werden, teilte Lenzing am Montag mit. 

Die Transaktion werde durch die Ausgabe neuer Aktien umgesetzt. Weitere Details wurden nicht genannt. Die bisherigen Partner H&M, Inter Ikea und Stora Enso blieben als Minderheitsgesellschafter an Bord.

In Schweden soll die Produktion angekurbelt werden

Das Verfahren von TreeToTextile bietet laut Lenzing Kostenvorteile und ein besseres Nachhaltigkeitsprofil als herkömmliche Methoden. Es handle sich um den nächsten großen technologischen Schritt nach der Entwicklung von Viskose und Lyocell. 

"Wir stehen klar hinter dem gemeinsamen Scale-up und der Kommerzialisierung", sagte Lenzing-Vorstand Georg Kasperkovitz. Geplant sei nun, die Produktion in der bestehenden Demonstrationsanlage im schwedischen Nymölla deutlich zu steigern und eine erste industrielle Großanlage vorzubereiten.

In Österreich werden Jobs gestrichen

Der Faserhersteller war zuletzt wegen einem angekündigtem Stellenabbau in den Schlagzeilen. Ende September war bekannt geworden, dass der Faserhersteller am Standort in Oberösterreich 300 Jobs in der Verwaltung abbauen will - davon 250 noch bis Jahresende. In den folgenden zwei Jahren sollen dann nochmals 300 weitere Stellen wegfallen.

Lenzing hat turbulente Jahre hinter sich. Im Geschäftsjahr 2023 hatte Lenzing einen Nettoverlust von fast 600 Mio. Euro geschrieben. Auch im Jahr davor gab es Verluste. Hinzu kam der FFP2-Maskenskandal um den Coronamasken-Hersteller Hygiene Austria - ein Joint Venture von Lenzing und dem Wäschehersteller Palmers. Hygiene Austria meldete Anfang 2024 Insolvenz an.

Lenzing verarbeitet Holz zu Zellstoff und stellt daraus Fasern für die Bereiche Mode, Handel, Industrie, Kosmetik und Hygiene her. Hauptaktionär der Lenzing AG ist die heimische Industrieholding B&C, die noch 37,25 Prozent hält. 2024 hatte der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano einen 15-Prozent-Anteil an dem Faserhersteller übernommen.

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