Lehre als Exportgut: Wie machen das die Österreicher?

Der Fachkräftemangel macht die Lehre in vielen Ländern zum Thema
Serbien forciert die duale Ausbildung made in Austria. Heimische Betriebe bilden im Ausland bereits 1500 Lehrlinge aus

Präsidialer „Tag der Lehre“ in Belgrad: Serbiens Staatschef Aleksandar Vučić und Bundespräsident Alexander van der Bellen besuchen am Mittwoch sieben heimische Logistik-Unternehmen, die vor dem Zollgebäude in Belgrad ihre Fachkräfte-Ausbildung vorstellen. Dabei werden die ersten 30 Lehrverträge zum Speditionskaufmann/frau feierlich unterzeichnet. „Unsere Firmen starten mit der ersten Klasse in einer Berufsschule und wir hoffen, dass in den nächsten Jahren weitere Klassen hinzukommen“, berichtet Mariana Kühnel, Vize-Generalsekretärin und zuständig für Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer (WKO), dem KURIER.

Serbien gilt als Vorzeigeland bei der Neu-Einführung der dualen Ausbildung „made in Austria“. Seit 2016 gilt ein neues Wirtschaftskammergesetz mit Pflichtmitgliedschaft und seit 2017 ein eigenes Berufsbildungsgesetz. Präsident Vučić höchstpersönlich treibt die Sache voran, heißt es. Nicht immer zur Freude vieler Unternehmen, die dem Thema reserviert gegenüberstehen, weil sie den zusätzlichen Aufwand und die Kosten scheuen.

Es herrscht die Meinung vor, dass der Staat für die Ausbildung der Jugend sorgen müsse und nicht die Betriebe. Lehrlingsentschädigungen wie in Österreich sind da schwer umsetzbar, Lehrbetriebe noch Mangelware. Österreichische Betriebe leisten hier „sehr viel Pionierarbeit“, weiß Kühnel. Die erste Lehrlingsklasse wird von der Austrian Development Agency (ADA) kofinanziert. Im Handel ist die im Vorjahr gestartete Lehre schon ein Stück voran gekommen. 50 Firmen bilden inzwischen 450 Jugendliche aus, neben der Telekom-Austria-Tochter VIP Mobile und dm sind auch erste serbische Unternehmen dabei.

Von der Slowakei bis China

Serbien ist nur eines von sieben Ländern, in die die WKO die duale Ausbildung in den vergangenen sechs Jahren erfolgreich exportierte. In der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien und China laufen ebenfalls Lehrlingsprojekte mit österreichischen Niederlassungen und ihren Partnerfirmen. „Mittlerweile sind mehr als 1500 Jugendliche in 20 national angepassten Lehrberufen in Ausbildung“, erzählt Kühnel stolz. Wichtig sei, dass die Qualifikationen dann auch anerkannt werden. In China haben zwei Jahrgänge schon ihre Lehrabschlussprüfung absolviert und sind jetzt Fachkräfte in der Metall- und Kunststofftechnik.

Abseits diverser Projekte ist die Einführung der Lehre in Ländern, die sie noch nicht haben, mühsam und langwierig. Das gesamte Bildungssystem muss umgestellt, die Betriebe motiviert und die Ausbildner selbst erst ausgebildet werden.

Angesichts der sich zuspitzenden Fachkräftekrise setzt sich die Erkenntnis, selbst auszubilden zu müssen, aber auch in der EU vermehrt durch. So war die Ausbildungsfrage wichtigstes Thema beim „Unternehmerparlament“ in Brüssel vergangene Woche. Vom 5. bis 9. November findet in Wien die „European Vocational Skills Week“ (Woche der berufliche Qualifizierung, Anm.) statt und auch beim EU-Afrika-Gipfel im Dezember steht die duale Ausbildung ganz oben auf der Agenda.

„Es gibt großes internationales Interesse an der dualen Ausbildung, allein heuer waren schon 60 Delegationen bei uns zu Gast“, schildert Kühnel. Erste „Exporterfolge“ in ferne Länder gibt es sowohl in Afrika als auch in Asien. Andritz etwa bildet Lehrlinge im Südsudan aus und die voestalpine startete ein Lehrlingsprojekt in Thailand.

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