Wirtschaft
22.03.2017

Lebensmittel: Bequeme kurbeln das Geschäft an

Für Essfertiges wird gern mehr ausgegeben.

Die Österreicher schieben offenbar nicht mehr so oft ein Einkaufswagerl vor sich her. Im Vorjahr waren sie laut Statistik 127 Mal im Supermarkt oder beim Diskonter einkaufen, zehn mal weniger als ein Jahr zuvor. Das hat Konsequenzen.

"Es gibt weniger Spontankäufe", beobachtet Micaela Schantl, Marktforscherin der Agrarmarketing Austria (AMA). Eine unerfreuliche Entwicklung für alle, die klassische Mitnahme-Artikel produzieren. Etwa Fruchtjoghurt-Hersteller, die ihre Becher oft mit Hilfe großzügiger Aktionen in die Einkaufskörbe manövrieren. Konsumenten greifen übrigens verstärkt zu Naturjoghurt. 2011 hatte es einen Mengenanteil von 40 Prozent, mittlerweile kommt der Inhalt jedes zweiten Joghurtbechers ohne Fruchtzubereitung aus, so die Auswertung der Marktforscher von GfK. Diese haben die Einkäufe von 2800 Haushalten in Österreich unter die Lupe genommen.

Ihren Zahlen zufolge gibt ein durchschnittlicher Haushalt monatlich 140 Euro für Frische- und Fertigprodukte aus – Brot und Gebäck nicht mitgerechnet. Die Statistik zeigt, dass weniger eingekauft, aber mehr ausgegeben wird. Sprich: Kunden greifen verstärkt zu teurerer Ware. Auch, weil mehr Menschen Wert auf Bio-Qualität (siehe Grafik) legen. Im Vorjahr haben die Österreicher um 37 Prozent mehr für Bio-Artikel ausgegeben als noch im Jahr 2011. Zudem verkauft sich alles gut, was wenig Arbeit macht. Also Convenience-Food.

Am besten fixfertig

Die Palette reicht von vorgeschnittenem Obst bis zum abgepackten und portionierten Asia-Wok-Gemüse. 2016 haben die Österreicher beispielsweise um fast zehn Prozent mehr für vorgeschnittenes Gemüse ausgegeben als noch ein Jahr zuvor.

Aber auch der vorgeschnittene Käse oder Schinken steigt in der Beliebtheitsskala. Zum Vergleich: 1999 haben die Lebensmittelhändler noch knapp 80 Prozent der Käsemenge in ganzen Stücken an ihre Kunden abgegeben. Heute gehen rund 46 Prozent des Hart- und Schnittkäses fixfertig gerieben oder geschnitten über die Ladentheke – freilich zu relativ hohen Preisen. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei Wurst und Schinken.

Auch an der Fleischtheke lassen sich Trends ablesen. Gekauft wird, was schnell und einfach zubereitet werden kann – was nicht unbedingt auf steigende Kochkünste schließen lässt. Im Vorjahr wurden im Vergleich zu 2011 um 12 Prozent mehr Rindersteaks verkauft, der Schweinslungen- sowie Rostbraten weist dagegen ein mengenmäßiges Plus von weniger als einem Prozent aus. Die Zahlen der AMA zeigen auch, dass Konsumenten unter dem Strich zwar weniger Fleisch essen, dafür aber mehr auf die Qualität achten.