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Wirtschaft
09/03/2020

Kupfer für den Bio-Weinbau

Eine deutliche Reduktion der Pflanzenschutzmittel in der EU würde auch die Biolandwirtschaft treffen.

von Andreas Anzenberger

Die Anwendung von Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft soll deutlich verringert werden. Die EU möchte die Gesamtmengen um bis zu 30 Prozent nach unten drücken. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) sammelt im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums Daten über die Anwendung von Pflanzenschutzmittel in Österreich.

Das gilt auch für die Biolandwirtschaft. Dort werden Pflanzenschutzmittel beim Weinbau, Obstbau, Gemüseanbau sowie für Kartoffeln, Zuckerrüben, Kräuter und Hopfen eingesetzt.

Die Zahlen für heuer werden zu Jahresende vorliegen. Von 2018 auf 2019 ist der Anteil der chemisch-synthetischen Wirkstoffe in der Landwirtschaft laut Ages um 6,3 Prozent auf 2.137 Tonnen gesunken. Die im Biolandbau erlaubten Wirkstoffe sind um 14 Prozent auf 1.434 Tonnen gesunken. Wobei einige im Biolandbau eingesetzte Wirkstoffe auch in der konventionellen Landwirtschaft verwendet werden. Bei einem Anteil von rund 40 Prozent an Substanzen, die in der Biolandwirtschaft erlaubt sind, würde eine Reduktion der Gesamtmengen um rund 30 Prozent auch die Biobauern treffen.

Vier Kilo pro Hektar

Ein beliebtes Pflanzenschutzmittel der Biowinzer und der Bioobstbauern ist Kupfer. Derzeit dürfen maximal vier Kilo des Schwermetalls pro Hektar und Jahr verwendet werden. Das wären in zehn Jahren 40 Kilo. Die Genehmigung für die Aufbringung endet am 31. Dezember 2025. Dann muss neu über die Zulassung in der EU entschieden werden.

Kupfer wird seit 150 Jahren in der konventionellen Landwirtschaft verwendet, aber im Boden nicht abgebaut. Früher wurde es in hohen Mengen aufgebracht. „In Österreich herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Einsatz von Kupfer reduziert werden muss“, heißt es dazu auf der Homepage der Ages. Doch „ein gänzlicher Verzicht auf Kupfer würde derzeit bei vielen Kulturen hohe Ertrags- und Qualitätsausfälle bedeuten.“ Betroffen wären in der Biolandwirtschaft Wein, Obst, Hopfen, Kartoffel Gemüse und Zierpflanzen. Bioweinbau ohne Kupfer gibt es derzeit nur bei ganz wenigen Winzern, die nach deutlich strengeren Kriterien wie etwa Demeter arbeiten.

Weniger Ertrag

Experten des deutschen Julius-Kühn-Instituts gehen davon aus, dass ein Verzicht auf Kupfer im ökologischen Weinbau zu Ertrags- und Qualitätseinbußen von 50 bis 100 Prozent führen würde.

Die Ages hat auch Messungen durchgeführt. „Die Auswertung der Bodendaten im Bodenuntersuchungsprogramm zeigt erwartungsgemäß eine hohe Kupferbelastung von Flächen, die bereits seit langer Zeit weinbaulich genutzt werden. Deutlich geringer ist die Kupferbelastung in obstbaulich genutzten Flächen. In Ackerkulturflächen bewegen sich die Kupfergehalte mehrheitlich im Bereich der natürlichen Hintergrundkonzentration.“

Während die Obstbauern am Pflanzenschutz-Monitoring der Ages teilnehmen, sind die Biowinzer nicht dabei. Man weiß daher nichts Genaues über die Verteilung von Kupfer im Bioweinbau.

Offene Debatte

In Deutschland wird über das Problem offen diskutiert. Auf der Homepage von oekolandbau.de heißt es: „Kupfer ist nicht unproblematisch. Vor allem auf Mikroorganismen und Weichtiere kann das Metall bereits in geringen Konzentrationen toxisch wirken.“ In Österreich ist Kupfer derzeit kein Thema der öffentlichen Diskussion.

Wobei die Frage, was ist giftig, auch bei Kupfer von der Menge abhängt und nicht von der Substanz. Mediziner gehen von einem täglichen Kupferbedarf eines Erwachsenen von bis zu zwei Milligramm aus. Spurenelemente von Kupfer enthalten Nüsse, sowie einige Fisch- und Fleischsorten sowie Gemüsesorten.

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