Künstliche Intelligenz wird in Österreich vernachlässigt

Künstliche Intelligenz wird in   Österreich vernachlässigt
Österreich ist beim Thema künstliche Intelligenz zu zögerlich. Das kostet Milliarden.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Industrie hat weltweit in den vergangen zwei bis drei Jahren dramatisch zugenommen. Während Länder wie die USA und China federführend sind, hinkt Österreich wie in vielen anderen Bereichen auch hier hinterher, ergibt eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Zwei Gründe identifiziert BCG-Partner Hannes Pichler, warum es zu dieser sprunghaft gestiegenen Bedeutung für die Industrie gekommen ist: 50 Prozent der Datenmenge auf der Welt wurden im vergangenen Jahr generiert und die Leistung von Computern ist in den vergangenen Jahren um den Faktor 50 bis 100 gestiegen. „Früher hatten Unternehmen viele Daten, aber keine Infos“, sagt Pichler. Nun könnten sie die Daten nutzen, was eine Umsatzsteigerung oder eine Kostensenkung mit sich bringen könne.

Neue Wege

Beispiele, was künstliche Intelligenz in Unternehmen bewirken kann, gibt es viele. Sind selbstfahrende Wagerl in Regallagern früher nur von A nach B gefahren, suchen sie sich heute ihre Waren und Wege selber und stellen die Kommissionierung zusammen, was Zeit und Geld spart. Oder wer weiß, was seine Kunden zu welcher Jahreszeit kaufen, kann diese zielgerichteter anschreiben, was zu Umsatzsteigerungen von bis zu 20 Prozent geführt haben soll.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig und betreffen unter anderem Fertigung, Instandhaltung, Logistik, Vertrieb, Marketing und Controlling.

Österreichs Unternehmen sind aus mehreren Gründen beim Einsatz künstlicher Intelligenz nicht vorne mit dabei, meint Pichler: „Es gibt eine Diskrepanz zwischen Ambition und Status quo.“ Fast 90 Prozent der in der Studie befragten Unternehmen wollen in drei bis fünf Jahren Pilotprojekte aufsetzen, nur zehn bis 15 Prozent haben derzeit ein solches. Dabei könnte künstliche Intelligenz in Österreich jährlich eine zusätzliche Wertschöpfung von fünf Milliarden Euro generieren, so Pichler.

Weitere Hindernisse sind Datensicherheit und der Mangel an kompetenten Mitarbeitern. Um künstliche Intelligenz in Unternehmen einzusetzen, bedarf es meist Algorithmen, die den Computern „intelligentes Verhalten“ ermöglichen. Dafür reiche nicht ein gewöhnlicher Programmierer, dafür brauche man Mathematiker oder Dateningenieure.

Auf die Spielwiese

Wer sich mit der Materie dennoch auseinandersetzen will, rät Pichler: „Ein Thema herausnehmen und auf einer Spielwiese ausprobieren.“ Wenn ein Pilotprojekt funktioniert, dann auf das ganze Unternehmen ausrollen. Es müssten aber auch geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, etwa Plattformen, auf denen sich Unternehmen vernetzen können. Eine landesweite Strategie sei von nationaler Bedeutung. Als Vorbild nennt Pichler China, weil es dort eine Strategie, konkrete Ziele und Kapital gebe. Oder die USA, wo Barrieren abgebaut werden und neue Prozesse zugelassen werden. Etwa erhält man dort eine Betriebsgenehmigung viel schneller als in Österreich.

Die Gefahr, dass eines Tages Maschinen über Menschen herrschen, besteht laut Pichler nicht. „Maschinen übernehmen einzelne Aufgaben, aber nicht währenddessen andere.“ Das sei – zumindest heute – noch nicht absehbar.

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