Kriegsfolge: Weltwirtschaft wächst heuer nur noch um 3,6 Prozent

Kriegsfolge: Weltwirtschaft wächst heuer nur noch um 3,6 Prozent
Eurozone von Rückstufung besonders betroffen: Heuer nur 2,8 statt 3,9 Prozent BIP-Plus. Prognose für Weltwirtschaft sinkt von 4,4 auf 3,6 Prozent

Die Frühjahrstagung von Weltbank und Währungsfonds (IWF) in Washington, bei der ab Mittwoch auch die G-20 Finanzminister zusammen treffen, steht heuer angesichts des Wirtschaftskriegs mit Russland unter keinem guten Stern.

Schon die Frage ob Sitzungen akzeptabel sind, an denen russische Vertreter im Rahmen der G-20 teilnehmen, führte zu heftigen Debatten. US-Finanzministerin Janet Yellen kündigte an, solche Sitzungen zu boykottieren. Eine gemeinsame Abschlusserklärung wird es eben sowenig geben.

Abseits dieser politischen Fragen, sind auch die neuen Daten, die in der US-Hauptstadt präsentiert und diskutiert werden – zu Krieg, Inflation, Lieferkettenproblemen, drohendem Hunger und nötigen Hilfspaketen – nicht ohne.

Nach Weltbank-Chef David Malpass, der seine Prognose für das globale Wachstum in diesem Jahr von 4,1 auf 3,2 Prozent senkte, musste am Dienstag auch IWF-Chefin Kristalina Georgiewa die bisherigen Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nach unten revidieren.

Vor allem in Europa rechnet der IWF nun mit geringerem Wachstum (2,8 % statt 3,9% im Jänner) sowie schweren Rezessionen in Russland und der Ukraine. Der Krieg dürfte auch die hohe Inflation weiter anheizen. Die Weltwirtschaft wird laut IWF 2022 und 2023 um jeweils 3,6 Prozent zulegen, das ist rund der halbe Wert des Vorjahres.

Bei der Inflation erwartet der IWF für Industriestaaten einen Wert von 5,7 Prozent. Die Notenbanken müssten ihre Geldpolitik straffen, worunter normalerweise eine Zinsanhebung gemeint ist. Die Inflation sei zu einer „klaren und präsenten Gefahr für viele Staaten geworden“, sagte IWF-Ökonom Gourinchas.

Stagniert die Wirtschaft und bleibt die Inflation hoch, sprechen Fachleute von einer „Stagflation“. Sie gilt als wirtschaftspolitisch besonders heikel, weil schwer zu bekämpfen. Zuletzt hat Deutschlands Finanzminister Christian Lindner vor einer Stagflation gewarnt. Er wird in Washington ebenso erwartet, wie Österreichs Magnus Brunner.

Kommentare