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Wirtschaft
05/02/2012

Kraftwerke für windfreie Zeit

Die EVN will in Niederösterreich neue Gaskraftwerke errichten. Hintergrund ist der massive Ausbau der Windkraft.

von Markus Stingl

Vergangene Woche präsentierte die heimische E-Wirtschaft ihr 16-Milliarden-Euro-Ausbauprogramm bis 2020. Vor allem drei Gaskraftwerke stechen ins Auge, die die EVN errichten möchte. 2017 soll ein 400-Megawatt-Kraftwerk im Raum Hohe Wand/NÖ ans Netz gehen. Mit einem weiteren Kraftwerks-Block könnte die Leistung zwei Jahre später verdoppelt werden. Ferner ist im Raum Zwentendorf ein Gaskraftwerk projektiert, das 2020 starten soll.

Die EVN betont, dass es bei keinem Standort derzeit konkrete Planungen gebe. Hintergrund der Überlegungen sei der starke Windkraft-Ausbau, der in den kommenden Jahren das Energiesystem vor neue Herausforderungen stellen werde. Der Landesversorger will dafür gerüstet sein. Laut EVN-Sprecher Stefan Zach seien derzeit in NÖ rund 3000 zusätzliche Megawatt Windkraft angemeldet. Das wäre fast eine Verfünffachung der aktuellen Leistung. Auch wenn sicher nicht alle angemeldeten Windräder gebaut werden – für jene Phasen, in denen kein Wind wehe, brauche man in Zukunft entsprechende Ausgleichsenergie, die nur flexible Gaskraftwerke bieten können, argumentiert Zach. Die Gaskraftwerksprojekte seien „Optionen für die Zukunft, die nur dann errichtet werden, wenn die Windkraft so ausgebaut wird, wie geplant“.

Standorte

Das Projekt „Hohe Wand“ könnte auf einem EVN-Grundstück in Peisching errichtet werden. „Das ist ein zugelassener Kraftwerksstandort.“ Derzeit werde das Areal als Biomasse-Logistikzentrum genutzt. Auch am AKW-Gelände in Zwentendorf gebe es einen weiteren zugelassenen Kraftwerksstandort. Eine Biomasseanlage wäre dort aber sinnvoller, meint der Sprecher. Naheliegender wäre es, das alte Kohlekraftwerk in Dürnrohr durch ein neues Gaskraftwerk zu ersetzen.

Genau solche Abschaltpläne alter fossiler Kraftwerke sind für NGOs eine Grundvoraussetzung dafür, die Ausbaupläne der E-Wirtschaft zu billigen. Sonst würden, erläutert Global-2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller, die fossilen Kraftwerkskapazitäten bis 2020 um 50 Prozent steigen – und nicht, wie in der Energiestrategie der Bundesregierung vorgesehen, um 25 Prozent sinken.

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