Wirtschaft
23.03.2018

Koralmtunnel: Zwei Jahre Verspätung aufgerissen

Wirtschaftskammer spricht von „enormem Schaden“, Minister schiebt Schuld auf Geologie

Sind „Mauli 1“ und „Mauli 2“ wirklich die Auslöser für die Verschiebung der Inbetriebnahme der Koralm-Bahnstrecke um zwei Jahre auf 2026? Oder ist es die Sparwut der Bundesregierung, wie die Opposition behauptet?

Die beiden Tunnelbohrgeräte „Mauli 1“ und „Mauli 2“ tragen jedenfalls einiges zur Verschiebung bei. Denn „Mauli 1“ hat sich im harten Gestein im November des Vorjahres „verbissen“ und steckt fest. Seine Bergung erfordert einen riesigen Aufwand: Es muss ein 40 Meter langer Quertrieb gegraben werden, um den Kopf dieser Bohrmaschine freizulegen. Und „Mauli 2“, das sich durch die Nordröhre des geplanten Koralmtunnels gräbt, muss einer monatelangen Wartung unterzogen werden. Verkehrsminister Norbert Hofer nennt daher „geologische Ursachen“, die für eine Verschiebung des Koralmtunnels bis Dezember 2025 verantwortlich sind. Tatsächlich stellt die Geologie die Baukonzerne beim Kor almtunnel vor unerwartete Herausforderungen. Für 2018 jedenfalls bringt die Verzögerung eine Reduktion der ÖBB-Ausgaben für diese Strecke um 200 Millionen Euro.

„Der höher als erwartete Gebirgsdruck führte dazu, dass der Maschinenvortrieb langsamer als prognostiziert vonstatten gehen konnte.

Aus den schwierigeren geologischen Verhältnissen resultierte also eine Bauzeitverzögerung“, betont man bei der Strabag, die einige Baulose der Koralmstrecke übernommen hat.

Süden bleibt abgehängt

Für die Kärntner ist die Aufschiebung der Koralm-Verbindung ein harter Schlag. Würde mit dem Tunnel doch die Fahrzeit von Graz nach Klagenfurt von derzeit zwei Stunden auf 45 Minuten verkürzt. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser ( SPÖ) will die Vorwände, die Geologie sei schuld, denn auch gar nicht gelten lassen. „Die Geologie ist seit Langem bekannt“, betont er und fordert die Einhaltung der Finanzierungszusagen. Die Koralm-Bahn sei für die Kärntner Wirtschaft von essenzieller Bedeutung. Firmenansiedlungen und Arbeitsplätze seien damit verbunden.

Auch in der Steiermark fühlt man sich durch die Budgetkürzungen für diese wichtige Bahnverbindung vor den Kopf gestoßen. Erst vor wenigen Wochen hatte der stellvertretende Landeshauptmann Michael Schickhofer (SPÖ) mit dem Wirtschaftskammer-Vertreter Manfred Kainz Ansiedlungsgespräche mit interessierten Firmen in der Weststeiermark geführt. „Die Verzögerungen sind ein schwerer Schlag für die Steiermark“, ärgert sich Kainz jetzt.

Bei den Ansiedlungen gehe es um mehrere Hundert Arbeitsplätze. Der stellvertretende Landeshauptmann appelliert an den Verkehrsminister „das gesamte wissenschaftliche Know-how im Bereich des Tunnelbaus in Österreich zu bündeln und alle Experten an einen Tisch zu holen, um diese Verzögerungen doch noch abzuwenden.

Die Bundesländer Steiermark und Kärnten fühlen sich seit Jahrzehnten in Sachen Bahn-Infrastruktur benachteiligt. „Jetzt muss einmal der Süden dran sein“, fordert der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ).

Besonders problematisch ist der Aufschub aus Sicht der Wirtschaftskammer für die regionalen Betriebe. Vielen von ihnen hätten Aufträge für die Zulaufstrecken zur Koralm-Bahn und hätten bereits Investitionen dafür getätigt sowie Vorarbeiten ausgeführt. Nun stünden deren Maschinen vor Ort, könnten aber nicht zum Einsatz kommen. „Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Sonst droht ein enormer finanzieller Schaden“, erläutert Kammer-Vertreter Kainz.