Happige Überziehungszinsen: Druck auf Banken steigt

Happige Überziehungszinsen: Druck auf Banken steigt
Erste deutsche Banken schaffen Strafzinsen ab und sorgen für Diskussion auch in Österreich.

Wird das Bankkonto einmal überzogen, wird es empfindlich teuer. Zu teuer, wie Konsumentenschützer kritisieren. Obwohl die Leitzinsen am Boden liegen und Banken sich so billig wie nie Geld ausborgen können, halten sie die Überziehungszinsen seit Jahren nahezu unverändert hoch.

Ein Blick in den Bankenrechner der Arbeiterkammer (AK) zeigt, dass die heimischen Institute je nach Kontopaket derzeit Sollzinsen zwischen 4,75 und 13,25 Prozent verrechnen. Überschreitet der Kunde den Überziehungsrahmen oder wurde gar kein Rahmen vereinbart, fallen zusätzlich Verzugszinsen von drei bis fünf Prozent an. Genau diesen "Strafzinsen" geht es in Deutschland nun an den Kragen. Die ersten Geldhäuser, darunter die ING-Diba und die Sparda-Bank in Baden-Württemberg, schaffen die Zinsen für die Überziehung des Rahmens ersatzlos ab. Ein solches System der Abschreckung passe nicht mehr in die heutige Zeit, begründete Sparda-Bank-Chef Martin Hettich.

Neuregelung

In Deutschland wird erwartet, dass bald weitere Institute dem Beispiel folgen. Hintergrund ist eine geplante Neuregelung, die Banken verpflichtet, Kunden mit einem überzogenen Konto automatisch zu warnen und günstigere Alternativen anzubieten. Eine solche Info- und Beratungspflicht sieht zwar auch das österreichische Verbraucherkreditgesetz vor, doch gäbe es zu viel Spielraum für die Banken, kritisiert AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. Sie begrüßt das Aus für die Zusatzzinsen und fordert auch in Österreich eine Beratungspflicht über günstigere Alternativen. "Die Banken verdienen sich mit den Überziehungszinsen ein Körberlgeld."

Die heimischen Banken halten sich noch zurück. Einzig die Linzer Sparda-Bank kann sich vorstellen, bei Überschreiten des Rahmens die Zinsen zu streichen. Es handle sich ja um keine großen Summen. Die großen Institute verweisen darauf, dass sie bei längerer Überziehung ohnehin Alternativen anbieten. Die Bawag hat bereits einen automatischen Warnanruf nach sechsmonatiger Ausnutzung von mindestens 70 Prozent des Einkaufsrahmens eingeführt. "Nichts ist in Stein gemeißelt. Das müssen die Banken selbst entscheiden", sagt Franz Rudorfer, Bankensprecher in der Wirtschaftskammer. Er verweist aber auf die höheren Kontogebühren in Deutschland. "Das Gesamtpaket muss stimmen."

Kommentare