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Wirtschaft
12/05/2011

Konjunktur bricht 2012 völlig ein

Die Experten halbieren ihre Wachstumsprognosen für 2012. Ein Schuldenerlass für Athen ist hier bereits eingerechnet.

von Simone Hoepke

Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), beschreibt die aktuelle Wirtschaftslage mit einem Flugzeug, das die gewünschte Flughöhe nicht erreicht. Nach einer Notlandung infolge der Finanzkrise 2008 sei der Aufwind zwar stärker gewesen als gedacht, aber auch kürzer. Dazu kamen weitere Turbulenzen und Seitenwind. Unterm Strich nimmt das WIFO seine Wachstumsprognose für das Jahr 2012 von 1,8 auf nur mehr 0,8 Prozent zurück. Das IHS revidiert von 2,1 auf 1,3 Prozent. Damit würde das Wirtschaftswachstum 2012 - mit Ausnahme des Jahres 2009 (-3,9 Prozent) - so schlecht ausfallen wie seit 2004 nicht mehr.

"Momentan ist der gefährlichste Zeitpunkt seit Krisenbeginn, aber er ist vielleicht die allerletzte Chance auf Reformen und Strukturverbesserungen", warnt Aiginger.
In den Szenarien gehen die Experten bereits von einem Schuldenschnitt für Griechenland aus. Sie rechnen damit, dass den Griechen 50 Prozent ihrer Schulden erlassen werden und es zu einem "geordneten Ausgleich" kommt. In den Modellen nicht berücksichtigt wurden mögliche Folgewirkungen wie ein Bankenrun in Griechenland, Auswirkungen auf das Bankensystem und europäische Staatspapiere sowie Kursabstürze an den Börsen.

Exporte

Vor allem Europas Konjunkturlokomotive Deutschland kommt ins Stottern. Im August hat der deutsche Einzelhandel den stärksten Umsatzeinbruch seit vier Jahren erlitten. "Obwohl im Juli und August die Industrieproduktion gut war, sind die Stimmungsindikatoren seit Februar negativ", sagt IHS-Chef Bernhard Felderer. Nachsatz: "Aber noch nicht so negativ, dass wir die Flinte ins Korn werfen müssen." Das WIFO nimmt seine Prognosen für die heimischen Exporte jedenfalls von heuer Plus 8,5 auf 4,5 Prozent 2012 zurück. Aiginger: "Das heißt, die Exporte überschreiten den Vorkrisenwert, aber sie tragen weniger zum Wirtschaftswachstum bei."

Mehr Arbeitslose

Mit der schwächelnden Wirtschaft werden auch die Arbeitslosenzahlen wieder steigen. Im August war Österreich das Land mit der niedrigsten Arbeitslosenrate in der Euro-Zone. Das WIFO rechnet aber damit, dass die nationale Quote im kommenden Jahr von 6,6 auf sieben Prozent steigen wird. Auch in Deutschland reden Arbeitsmarktforscher bereits von einem Ende des Jobbooms im kommenden Jahr.
Entwarnung gibt es auf der Inflationsfront. In Österreich gehen WIFO und IHS für kommendes Jahr von Raten um 2,1 Prozent (heuer 3,2 Prozent) aus. Ende Juli waren die Ökonomen noch von 2,6 Prozent ausgegangen. Beide Institute rechnen jetzt mit sinkenden Ölpreisen, die mit zeitlicher Verzögerung auch die Teuerungsraten im Zaum halten sollen.

Im September 2011 ist die Inflation in den 17 Euro-Ländern dagegen noch einmal auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Mit einem Wert von drei Prozent lag sie 0,5 Prozentpunkte über dem August. In Österreich wird der Defizitabbau laut Einschätzung von Aiginger bei 3,1 Prozent stagnieren. Denn die schwächelnde Konjunktur werde sich 2012 auch in sinkenden Steuereinnahmen und staatlichen Mehrausgaben widerspiegeln, erklärt er. Gelänge es der Politik, die Unsicherheiten aus den Finanzmärkten durch dringend nötige Reformen zu kompensieren, könne es gelingen, dass es nur zu einer "Konjunkturdelle" kommt. Die Hoffnung lebt.

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