Wirtschaft
03.07.2017

Köche gesucht – und endlich gefunden

Eine AMS-Schulung bringt der Hotellerie und Gastronomie neue Top-Kräfte.

Jedes Jahr zu Saisonbeginn derselbe Aufschrei aus der Gastronomie: "Wir finden keine Köche." Petra Draxl, Chefin des AMS Wien, sah die Kehrseite dieser Medaille: Beim AMS sind Hunderte Köche arbeitslos gemeldet. "Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Wir haben die Arbeitslosen befragt und festgestellt, dass es zum Teil an den Qualifikationen liegt", sagt Draxl im Gespräch mit dem KURIER.

Daraus entstand das Programm "New Skills", das Arbeitslose in den neuen Anforderungen in der Küche schult. Die ersten 14 Teilnehmer dieses fünfwöchigen Qualifizierungsprogramms, das von der "ZIB Trainings GmbH" durchgeführt wurde, sind kürzlich fertig geworden und haben beim Abschluss-Event nicht nur ihre Kochkünste präsentiert, sondern gleich potenzielle Arbeitgeber getroffen. Hans-Jürgen Schauer, Küchenchef im Wiener Hotel de France , zum Beispiel. Er ist beeindruckt vom Können, vor allem aber dem veganen Angebot. "Das wird immer wichtiger. Wir haben seit Jahren ein großes vegetarisches Angebot und seit zwei Jahren auch vegane Speisen auf der Karte", sagt er.

Veganes Essen

Genau diese neuen Anforderungen standen im Zentrum des Qualifizierungskurses: veganes Essen und Kochen für Allergiker.

"Sehr engagierte Köche", lobt auch Christine Salchenegger, Chefin des Wiener Innenstadtlokals "Krah, Krah", die Kursabsolventen. Sie sucht gleich zwei Köche – "seit Langem", betont sie. Es sei wirklich nicht einfach, Köche zu finden.

Das klingt verwunderlich, wenn man die Statistik kennt: 150 offene Stellen für Köche in Wien, mehr als 700 arbeitslose Köche. Österreichweit werden gar 2500 Köche gesucht, 4200 sind arbeitslos gemeldet.

Doris Litschauer, Geschäftsstellenleiterin des AMS Wien und zuständig für den Bereich Tourismus, kann einiges zur Klärung beitragen: "Tatsächlich vermittelbar ist höchstens die Hälfte der gemeldeten arbeitslosen Köche", sagt sie. Viele hätten bereits eine Einstellungszusage, sind aber bis zum Arbeitsstart beim AMS gemeldet. Ein Teil sei über 50 und körperlich nicht mehr fit genug. Ein Teil sei in Umschulung. Die AMS-Statistik zähle den Beruf aber so lange, bis ein anderer ergriffen wurde.

Haubenkoch Siegfried Kröpfl, der jahrzehntelang in der Spitzengastronomie tätig war und im New-Skills-Kurs unterrichtet hat, kennt noch weitere Gründe, warum Restaurants oft keine Köche finden. "Das beginnt bei der Arbeitszeit, etwa den Teildiensten, also zum Beispiel von 8 Uhr bis 12 und dann von 18 bis 23 Uhr", sagt er. Die Spitzengastronomie habe diese Praxis zwar schon beendet – "sonst hätten sie gar keinen Koch mehr gefunden" –, in vielen Restaurants seien solche Arbeitszeiten aber noch üblich. Auch das Gehalt von 1500 Euro brutto sei ein Problem. "Wenn jemand davon in Wien noch eine Wohnung bezahlen muss, bleibt ihm zu wenig zum Leben", erklärt Kröpfl.

Und nicht zuletzt sei "die neue Offenheit in den sozialen Medien" eine Abschreckung für Jungköche. "Ist die Suppe zu heiß, wird das schon auf Facebook gepostet und der Koch hat eine schlechte Nachrede", sagt der Haubenkoch. Trotzdem empfiehlt er den Beruf: "Wenn man gut ist, steht einem die ganze Welt offen."

Privatkonkurs

Der gelernte Koch Richard Halper hatte sich mit der Arbeitszeit längst angefreundet, körperlich fit ist er auch. Dennoch ist er arbeitslos. Sein Schicksal ist nicht untypisch für einen Gastro-Beruf. Jahrelang führte er sein eigenes Lokal, bis er nach Streitigkeiten mit Behörden über Betriebsanlagengenehmigungen in den Privatkonkurs schlitterte. Jetzt ist er über 50 und hat sich oft beworben. Doch: "Die suchen alle Junge, am besten mit meiner Erfahrung", so sein Resümee.