Wirtschaft
15.06.2017

Klimawandel in Österreich: Katastrophen werden teurer

Der Klimawandel mit Dürrephasen, Überschwemmungen und Frostschäden sorgt für höhere Schadenssummen. Die Prämien werden mittelfristig steigen.

Ende April war es wieder soweit. Mehrere Grade unter Null sind eine Gefahr für Wein- und Obstkulturen. Vor allem Bauern in der Steiermark, Kärnten und dem Südburgenland müssen mit Ernteeinbußen rechnen. Laut Schätzung der Hagelversicherung beträgt der Schaden bis zu 50 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtschaden allein in der heimischen Landwirtschaft 270 Millionen Euro. Vor allem wegen der späte Frost und Überschwemmungen haben dazu beigetragen. Zu den genannten Schadenssummen kommen nach jene dazu, die etwa in privaten Immobilien angefallen sind und nicht von der Hagelversicherung abgedeckt wurden.

Einige Wien- und Obstbauern hat es schlimm erwischt. Laut Statistik Austria betrug die Apfelernte der österreichischen Erwerbsgärtner 2015 rund 216.000 Tonnen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 60.800 Tonnen.

Plus 70 Prozent

Weltweit sind die Schäden aus Naturkatstrophen im vergangenen Jahr um 70 Prozent auf rund 170 Milliarden Euro angewachsen, berichtet Othmar Ederer, Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes. Auch wenn es derzeit keine Pläne für eine Anhebung der Versicherungs-Prämien in diesem Bereich gibt geht Ederer davon aus, dass es mittelfristig zu höheren Kosten für die Kunden kommen wird.

Die Versicherungswirtschaft wünscht sich mehr Prävention. Kaufinteressenten für Immobilien sollten sich etwa noch vor dem Kauf darüber informieren, ob Hochwassergefahr besteht. Versicherer bieten mittlerweile Gratis-Apps fürs Smartphones an, die vor Hochwasser warnen.

Beim Frost im April haben Obst- und Weinbauern versucht durch Maßnahmen wie das Entzünden von Strohballen Frostschäden zu verhindern. Die höheren Temperaturen sorgen dafür, dass die Vegetation früher einsetzt. Die Blüte von Marille, Apfel und Kirsche beginnt durchschnittlich zehn Tage früher als vor 20 Jahren. Daher sind massive Frostschäden deutlich wahrscheinlicher.

Ähnlich ist es auch mit Ernteausfällen wegen längerer Dürreperioden. Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien verweist auf die Statistik. Die fünf bisher wärmsten Jahre in der 250-jährigen Geschichte der Zentralanstalt für Meteorologie waren in dieser Reihenfolge die Jahre 2014, 2015, 1994, 2016 und 2007.

Hitzeresistent

Für die Landwirtschaft beuten die längeren Hitzephasen den verstärkten Anbau von hitzebeständigeren Sorten wie Mais oder Sonnenblumen und deren Züchtung durch die Saatgut-Produzenten. Die Fans von wärmeliebenden Weinsorten wie Chardonnay oder Pinot noir dürfen sie freuen. Die Anbauflächen für diese Sorten werden wohl steigen.

Auch die Rinder- und Schweinebauern sind vom Klimawandel betroffen. Bei Hitzestress verlangsamt sich das Wachstum von Nutztieren und die Kühe geben weniger Milch.