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Wirtschaft
01/05/2019

Klimaschutz: „Der Schlüssel ist Energiesparen“

Nur durch eine kräftig verbesserte Energieeffizienz seien die Klimaziele erreichbar, sagt Rexel-Manager Robert Pfarrwaller.

Robert Pfarrwaller ist ein Experte, wenn es um Stromverbrauch geht. Er war Chef von Philips Österreich und leitet jetzt Rexel, den größten Elektro-Großhandel des Landes.

KURIER: Der Energieverbrauch steigt generell und vor allem in der Industrie viel zu stark. Teilen Sie diese Meinung? Robert Pfarrwaller: Worauf wir achten müssen, ist der Energiemix. Hier beobachten wir, dass der Anteil des Stroms deutlich zunimmt. Wir können durchaus von einer Elektrifizierung der Wirtschaft sprechen. Die zentrale Frage ist: Wie vernünftig und intelligent können wir mit der Energie umgehen?

Was ist vernünftig?

Da geht es um Energieeffizienz und Energiequellen. Beim ersten Schritt muss man wissen, an welchen Stellen am meisten Energie verbraucht wird.

Wissen Sie, wo Rexel Energie sparen kann?

Ja, wir haben in unserem Logistikzentrum und Zentrallager in Weißkirchen (OÖ.) durch das gesetzlich vorgeschriebene Energiemanagementsystem 15 Prozent Energie eingespart. Wir dachten, unsere Industrie-Prozesse, also Kabelschneidmaschinen etc. verbrauchen am meisten Energie. Falsch: Die Analyse hat gezeigt, es ist das Büro – von der IT bis zur Beleuchtung. Nicht die Industrieanlagen waren das Thema, sondern unser Verhalten. Schalte ich das Licht ab, wenn ich nach Hause gehe? Lasse ich den Computer im Standby-Modus?

Gilt das auch für Private?

Da ist das natürlich schwieriger, da üblicherweise nicht gemessen wird. Es gibt aber schon viele Apps dafür. Im privaten Umfeld kommt das Thema Datensicherheit hinzu. Und es ist schwieriger, in Effizienzen zu denken – schließlich kann nicht verlangt werden, dass man sich dauerhaft überlegt, zu welcher Tageszeit man die Waschmaschine einschaltet, um möglichst energieeffizient zu sein. Es gibt aber Apps, die das automatisch lösen.

Ökostrom also verbunden mit totaler Vernetzung?

Ja, es geht in Richtung des intelligenten Hauses. Das wird ein Schlüssel in der Energieeffizienzstrategie und in der -Reduzierung.

Der einzige Schlüssel?

Nein. Auch das energetische Sanieren inklusive Dämmen von Häusern wird wichtiger. Die Sanierungsrate liegt aber derzeit bei unter einem Prozent. Um die Paris-Ziele zu erreichen, werden wir mehr als zwei Prozent benötigen. Das steht auch im Programm der Bundesregierung. Hier geht es nicht nur um Heizung, Dämmen und Fenstertausch, sondern auch um Themen wie Smart Home und Digitalisierung. Die Frage lautet also, wie ich mein Gebäude so steuern kann, dass es in erster Linie vom Energieverbraucher zum -produzenten wird.

Sie sagen: Die Technologien gibt es alle. Aber wo sollte man noch forschen?

Schwerpunkt der Energieforschung muss sein, noch konsumentenfreundlichere, energieeffizientere Technologien zu finden. Dafür müssen in der Regulierung Freiräume geschaffen werden.

Was meinen Sie damit?

Es geht um die Förderung von Ökostrom, die derzeit eher Technologie als systemische Ansätze fördert. Auch wenn ich es gut finde, dass Photovoltaik gefördert wird, denke ich, es muss eine Veränderung geben. Denn die Förderung unterstützt nicht den Eigenverbrauch.

Wie wollen Sie das ändern?

Das Schwierigste ist natürlich die Verhaltensänderung. Wir müssen bei der erneuerbaren Energie hin zu mehr Eigenverbrauch als Eigenproduktion.

Das Energieeffizienzgesetz soll die Menschen zum Energiesparen zwingen. Wirkt das?

Das Gesetz greift für Großunternehmen, zum Teil für Energieversorger und Private. Klein- und Mittelbetriebe sind allerdings ausgenommen. Insgesamt ist es notwendig, das Gesetz zu überarbeiten.

Ist ein neues Gesetz nötig?

Die Regierung arbeitet an einem neuen Energieeffizienzgesetz. Wir als Unternehmen sagen, es wäre wichtig, mehr zu fördern als zu strafen – zum Beispiel in Form von Steuererleichterungen, es müssen nicht gleich Subventionen sein. Für Private muss es in die Richtung gehen, dass zum Beispiel die Eigenheimbesitzer einen Vorteil haben.

Wie könnte das gehen?

Man muss vor allem darauf schauen, dass im neuen Gesetz der Energiemix richtig bewertet wird. Der Eigenverbrauch muss entsprechend berücksichtigt werden. Der Regulierungsbehörde E-Control zufolge erzeugt eine Kilowattstunde des in Österreich produzierten Stroms 61 Gramm . Das ist sehr nachhaltig. Aber wir importieren auch Strom und dieser Strom ist mit höherem -Ausstoß verbunden. Wenn ich den Eigenverbrauch steigere, bin ich möglicherweise 100 Prozent -frei. Das muss in den Gesetzen stärker berücksichtigt werden.

Ist Beleuchtung noch ein Thema beim Energiesparen?

Ja, auch wenn es ein Reizthema ist: Die Umstellung von Glühlampe auf LED hat 80 Prozent Einsparung gebracht. Der nächste Schritt sind tageslichtabhängige Beleuchtungsanlagen und Bewegungssensoren. Die technologischen Entwicklungen sind sehr vielversprechend.

Gibt es beim Heizen auch solche Einsparungen?

Ein Grad weniger Raumwärme bringt enorm viel. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings die automatisierte Steuerung der Temperatur. Strom wird zum Heizen wichtiger. Die Infrarotheizung bietet hier großes Potenzial.

Elektro-Dienstleister

Über Rexel

Rexel International (27.000 Mitarbeiter in 26 Ländern) erzielt 13 Mrd. Euro Umsatz. In Österreich ist Rexel seit 1996, zählt 15 Standorte und 640 Mitarbeiter und ist u.a. in der  Elektro- und Industrietechnik und Gebäudeautomation tätig.

Robert Pfarrwaller

Der frühere Chef von Philips Österreich ist seit 2014 Chef von Rexel Austria und für Zentraleuropa und Slowenien zuständig.  Er ist verheiratet und hat drei Kinder.