Wirtschaft 21.10.2015

Kleine Cent-Münzen schon bald überflüssig

Inmitten eines riesigen Münzberges leuchten am Dienstag (24.08.2004) in Frankfurt am Main eine Ein- und eine Zwei-Cent-Münze (Il… © Bild: APA/Boris Roessler

Zu teuer, zu lästig: Schon vier Euroländer rücken vom Ein- und Zwei-Cent-Geldstück ab, Österreich zögert noch.

Sie blähen die Geldbörse unnötig auf, bescheren den Händlern viel Arbeit und verursachen den Notenbanken hohe Kosten: Seit ihrer Einführung 2002 vermochten die Ein- und Zwei-Euro-Cent-Münzen nie wirklich zu begeistern. Finnland hat sie erst gar nicht eingeführt und ist sehr glücklich darüber.

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Die EU-Kommission hat vor zwei Jahren Pläne für eine sukzessive Abschaffung der Mini-Münzen vorgelegt. Die Entscheidung darüber obliegt den einzelnen Euroländern selbst. Immer mehr machen davon Gebrauch. Kommende Woche führt Irland als viertes Euroland per Gesetz eine Rundungsregel ein. Cent-Beträge können dann bei der Auszahlung von Wechselgeld auf die nächste Fünf-Cent-Stelle auf- oder abgerundet werden. Auf diese Weise wird der Bedarf an Ein- und Zwei-Cent-Münzen reduziert und die Notenbank muss weniger Kupferlinge herstellen. Laut irischer Zentralbank übersteigen die Produktionskosten den Wert der Münzen bei Weitem.

Rundungsregel

Die Auf- und Ab-Rundung ist freiwillig und betrifft nur den Bargeldverkehr, Konsumenten können sich Wechselgeld auch exakt auszahlen lassen. Die kleinen Cent-Münzen bleiben weiter gesetzliches Zahlungsmittel. Bei elektronischer Überweisung sollen auch weiterhin die exakten Cent-Beträge abgerechnet werden. Vor Irland haben bereits Belgien, Finnland und die Niederlande die Rundungsregel eingeführt.

Österreich zögert noch. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) kann sich ein Vorgehen wie in Irland durchaus vorstellen, allerdings müsste die Regierung die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Bisher gibt es jedoch keine politische Initiative dazu. Die Gefahr einer höheren Inflation durch unverhältnismäßiges oder einseitiges Aufrunden müsste jedenfalls verhindert werden, so eine OeNB-Sprecherin. Eine Studie der deutschen Bundesbank, die ebenfalls eine Abschaffung des Kleingelds erwägt, ergab nur einen minimalen Teuerungseffekt von einem Promille.

Mehrheit dafür

Die Österreicher selbst haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den Mini-Münzen. Laut einer Eurobarometer-Umfrage sprechen sich 55 Prozent für die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Geldstücke aus, wenn zugleich die Rundungsregel käme. 41 Prozent sind dagegen.

Gemäß dem Motto "Wer den Cent nicht ehrt ..." würden immerhin 84 Prozent ein auf der Straße liegendes Ein-Cent-Stück aufheben, ergab eine GfK-Umfrage zum Thema Sparen. 86 Prozent horten die Münzen in Sparschweinen oder -büchsen zu Hause – und entziehen sie damit dem Geldkreislauf. Die Notenbanken müssen daher immer mehr davon prägen. Im Euroraum sind inzwischen 53 Milliarden kleine Cent-Stücke im Umlauf, das sind fast zehn Mal so viele wie Zwei-Euro-Münzen.

( kurier.at ) Erstellt am 21.10.2015