KI braut jetzt auch Bier: Was Firmen davon lernen können

Zwei Österreicher sorgen mit Lobster Lager, das von einer Künstlichen Intelligenz entwickelt wurde, für Aufsehen.
Gerhard und Stefan Erschwendner prüfen Bier

Open Claw, der vom Österreicher Peter Steinberger entwickelte KI-Agent, kann Reisen buchen, Kalender verwalten oder E-Mails beantworten. Er kann aber auch Bier brauen. 

Vorgezeigt haben das Stefan Erschwendner und Alex Meyer von der auf intelligente Systeme spezialisierten Beratungsfirma Frontira. Sie wiesen den Agenten an, eine Biermarke zu entwickeln, das Bier zu brauen und auch zu vermarkten. Herausgekommen ist Lobster Lager, das derzeit in einem Braukessel in der Schweiz gärt. 

Wie hat das konkret funktioniert? Zunächst suchte Open Claw nach Möglichkeiten, sich über Bluetooth mit der Braumaschine von Erschwendners in der Schweiz lebenden Vater Gerhard zu verbinden. Die Software dazu programmierte die KI selbst. Dann bestellte sie die notwendigen Zutaten, kümmerte sich um die Rezeptur und entwarf eine Marketingkampagne samt Newsletter, Social-Media-Posts und Website, auf der das Bier beworben wird. 

Ganz ohne menschliches Zutun kam das KI-Bier nicht zustande. Erschwendners Vater überwachte die Prozesse und ging -  wo es notwendig war - der KI zur Hand. „Manuelle Tätigkeiten, etwa Hopfen reinhängen, Hopfen rausnehmen, Leitungen umstecken, das sind Dinge, die weiterhin Menschen machen müssen“, sagt Erschwendner.

Viele Möglichkeiten für Unternehmen

KI-Agenten  würden auch die Möglichkeiten von Unternehmen stark erweitern, sagt Erschwendner. Beschränkungen, die man zuvor in Organisationen hatte, etwa geringe IT-Ressourcen, fallen weg, weil sie von der KI erledigt werden können. „Es tritt ein unglaublicher Produktivitätshebel ein. Wir sehen, dass Dinge auf einmal 10 bis 20 Mal so schnell funktionieren wie davor.“

Davon würden kleine und mittlere Unternehmen, die früher durch budgetäre und personelle Einschränkungen gebremst wurden, besonders stark profitieren, sagt Erschwendner. Das betreffe Tätigkeiten, die mit Kommunikation zu tun haben oder administrative Aufgaben, aber auf absehbare Zeit auch physische Arbeit, weil das Robotikthema stark voranschreite. Menschen falle die Aufgabe zu, zu beurteilen, ob das Ergebnis den Vorstellungen entspricht. 

„Interessante Dynamik“

Erschwendner sieht eine „sehr interessante Dynamik“: „Viele glauben, dass die KI-Revolution von Uni-Absolventen ausgeht. Was wir aber sehen, ist, dass es eher Leute, die 20 oder 30 Jahre Erfahrung im Business haben, die größten Schritte nach vorne machen, weil die genau wissen, wo die “Pain-Points„ seien und wie man einen Mehrwert kreieren könne. “Das sind die größten Gewinner„, sagt er. 

Ist die Technologie sicher?

Aber sind solche Agenten, die wie viele Beispiele zeigen, auch großen Schaden anrichten können, schon für den Einsatz in Unternehmen geeignet? Kann man ihnen Zugriff auf mitunter sensible Firmendaten und Geschäftsprozesse geben? Die Einführung müsste  schrittweise passieren. Die Frage sei, auf welche Systeme man ihnen Zugriff gibt. Als Organisation könne man sich dabei langsam nach vorne arbeiten. Firmen sollten das Thema nicht ignorieren, sondern sich damit auseinandersetzen und mit der Technologie experimentieren, empfiehlt er.

“Die Technologie verbessert sich in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. Dinge, die vor sechs Monaten noch unmöglich waren, gehen leicht von der Hand„, sagt Erschwendner. Firmen sollten das Thema nicht ignorieren, sondern sich damit auseinandersetzen und mit der Technologie experimentieren. “Es finden sich in jeder Organisation Bereiche, wo heute schon Benefits erzielt werden können.„

Nvidia-Chef beeindruckt

Mit dem KI-Bier haben Erschwendner und seine Mitstreiter jedenfalls gehörig für Wirbel gesorgt. Nvidia-Chef Jensen Huang widmete dem Gerstensaft fast eine halbe Minute bei seiner Keynote-Adresse auf der Branchenkonferenz Nvidia GTC Mitte März im kalifornischen San Jose. Für ihn sei das wie ein Ritterschlag gewesen. 

Dass eine kleine Firma mit zehn Mitarbeitern bei der wohl wichtigsten Veranstaltung eines Billionen-Dollar-Unternehmens erwähnt werde, sei auch ein Beispiel dafür, was die Technologie möglich mache, wenn man sich mit ihr beschäftige, so der Berater.

Wie das Bier schmeckt, wird er in einigen Wochen erfahren, wenn die Fermentierung abgeschlossen ist. Ursprünglich war geplant, es einfach auszutrinken. Mittlerweile gibt es daran großes Interesse. “Man hat eine Idee, probiert Sachen aus und trifft damit vielleicht einen Nerv„, meint Erschwendner: “Auf einmal hast du ein Bier-Business.„

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