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Wirtschaft
06/24/2021

Keine Innovationen: „Ausnahmslos alle halten sich daran“

Warum Händler und Skiproduzenten vereinbart haben, heuer keine neuen Bretteln in den Markt zu pressen

von Simone Hoepke

Österreichs Händler haben heuer so viele Räder eingekauft wie nie zuvor – rund 500.000 Stück. Und damit um 100.000 mehr als in den Vorjahren. Klingt viel, ist aber zu wenig. Denn die Nachfrage ist in einem noch stärkeren Ausmaß gestiegen, sagt Holger Schwarting, Chef der Händlergemeinschaft Sport 2000. Er hat bereits die Räder für den Sommer 2023 bestellt – 12 Monate früher als in normalen Jahren. Aber seit Corona ist im Sportartikelhandel so gut wie nichts mehr normal.

Die Lieferketten stocken, weil so gut wie alles aus Fernost kommt. Selbst große Marken wie Nike, Adidas oder Puma haben Probleme, genügend Sportschuhe geliefert zu bekommen, ist aus der Branche zu hören. Fabriken waren wegen Corona geschlossen, Fertigungslinien wurden stillgelegt, um Abstandsregeln einhalten zu können. Container sind in den Häfen Chinas Mangelware. Mit einer Entspannung wird erst 2023 gerechnet.

Das einzige was sich derzeit in den Lagern stapelt, sind die Ski, die in Verleihstationen und Lagerhallen verstauben, weil der Winter ein touristischer Totalausfall war.

„Normalerweise sind unsere stärksten Verleihstationen im Zillertal oder Montafon, heuer war es Mönichkirchen in Niederösterreich“, sagt Schwarting. Ein paar Tagesausflügler machen aber noch keine Saison. Die Händlergemeinschaft, an der 237 Sport-2000-Händler mit insgesamt knapp 400 Geschäften in Österreich angeschlossen sind, ist westlastig und damit vor allem in Tourismusorten vertreten.

Neue Ski gibt es nicht

In den Wintersportorten sind die Lager voll und die Kassen leer. Händler und Vertreter der Ski-Industrie haben sich deswegen jetzt auf einen ungewöhnlichen Deal geeinigt: „Keine Innovationen im kommenden Winter, weil erst die Ware des Vorjahres verkauft werden muss“, sagt Schwarting. „Ausnahmslos alle halten sich daran.“

In anderen Kategorien (und Regionen) gibt es dagegen keinen Grund zu jammern. Bei Sport 2000 sind im Vorjahr trotz Lockdowns die Umsätze mit Bergsportartikeln um zehn Prozent gestiegen, jene mit Rad- oder Laufsport um 20 bzw. zehn Prozent. Und die Rabattschlacht war aufgrund der guten Nachfrage mehr oder weniger abgesagt. „Die zweistelligen Wachstumsraten werden aber nicht bleiben“, schätzt Schwarting. Schlicht, weil die Konsumenten jetzt wieder mehr Möglichkeiten haben, ihr Geld auszugeben – Stichwort Urlaub und Gastronomie.

Währenddessen überlegen Hersteller, wie sie ihre Lieferketten besser in den Griff bekommen. Sportschuh-Marken wollen mehr maschinell fertigen und weniger händisch nähen lassen. Anders formuliert: Es soll mehr Kapital in die Maschinen fließen und weniger künftig weniger händisch genäht werden.

Damit könnten Produktionen auch zurück nach Europa kommen. „Ein Wettbewerbsvorteil, weil die Ware so schneller auf den Markt kommt“, meint Schwarting. „Außerdem wird Treibstoff sicher bald viel höher besteuert werden, was den Transport aus Fernost verteuern wird.“

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