cows on an alpine meadow

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Wirtschaft
11/06/2019

Warum man mit Milch fast nichts verdient

Gewinne der Molkereien heuer bei weniger als einem Prozent vom Umsatz. Viele Fragezeichen wegen des Brexit.

von Andreas Anzenberger

‚ÄěWir sind keine Branche, in der man sich eine  goldene Nase  verdient.‚Äú Der  Gesch√§ftsf√ľhrer der Molkerei Berglandmilch, Josef Braunshofer, spricht von einem ‚Äědurchwachsenen Jahr 2019‚Äú. Das bedeutet in der Praxis f√ľr die Molkereibranche einen Gewinn von weniger als ein Prozent des Umsatzes. Damit kann  man  lediglich  unbedingt notwendige Investitionen umsetzen.  In guten Jahren betr√§gt der Gewinn etwas mehr als ein Prozent.  

Butter wurde billiger

Dass die Preise f√ľr Butter zuletzt sp√ľrbar gesunken sind, wird die Konsumenten freuen. F√ľr die Molkereien und die Milchbauern ist das bei den ohnehin niedrigen Gewinnmargen ein Problem.  Aber es ist nicht notwendigerweise so, dass sinkende Erzeugerpreise auch automatisch an die Konsumenten weitergegeben werden.

Bei der gr√∂√üten Molkerei √Ėsterreichs, der Berglandmilch,  sind die Anliefermengen der Milchbauern verglichen mit dem Vorjahr um 1,5 Prozent zur√ľckgegangen. Braunshofer geht davon aus, dass es in den ‚Äěn√§chsten drei bis vier Monaten keine Preisausschl√§ge geben wird‚Äú.  Eine l√§ngerfristige  Prognose h√§lt er  allerdings f√ľr ‚ÄěKaffeesudleserei‚Äú.

Denn  beim  Brexit sind  f√ľr die heimische  Milchwirtschaft noch viele Fragezeichen offen. Vor allem in Irland und in Polen wurde seit der Aufhebung der Milchlieferquoten in der EU im April 2015 die Produktionsmengen deutlich gesteigert. Irland beliefert vor allem Gro√übritannien.  

‚ÄěWo kaufen die Briten nach dem Brexit ein?‚Äú, lautet eine der offenen Fragen.  Gibt es k√ľnftig ein Handelsabkommen mit der  EU und werden darin Z√∂lle festgelegt? Wenn ja, f√ľr welche Waren oder Warengruppen? Sind Milch, K√§se oder Joghurt gleichm√§√üig davon betroffen? Wird die irische Landwirtschaft k√ľnftig versuchen, mehr Produkte am Kontinent abzusetzen? Welche Produkte werden das sein?

Derzeit wird K√§se und auch etwas Butter vom Lebensmitteleinzelhandel importiert. Werden sich die Importmengen ver√§ndern? Wird k√ľnftig auch Rohmilch importiert? Das entscheiden die  drei gro√üen Lebensmitteleinzelh√§ndler.  Die  Molkereien sind da nur Zuschauer.

Produktstrategie

Bei der Berglandmilch werden derzeit 30 bis 40 Prozent der angelieferten Milch zu K√§se verarbeitet. Die Entscheidung, welche Lebensmittel aus Milch  produziert werden,  ist nicht so einfach. ‚ÄěWenn ich Butter produziere, entnehme ich der Milch viel Fett.  Was mache ich dann mit der Magermilch?‚Äú,  lautet die √úberlegung  von  Braunshofer.

Den heimischen Molkereien bleibt gar nichts anderes √ľbrig, als auf Qualit√§t zu setzen. Beim Preis  allein haben sie  aufgrund der strukturellen Nachteile der heimischen Milchwirtschaft keine Chance, im Bergland √Ėsterreich sind die Kosten f√ľr das Sammeln von Milch dreimal so hoch wie im flachen Norddeutschland.  In Irland steht eine Kuh 300 Tage im Jahr auf der Weide und muss daher nicht gef√ľttert werden. In √Ėsterreich m√ľssen die K√ľhe den Winter im Stall verbringen. Das sorgt f√ľr h√∂here Kosten. In √Ėsterreich hat ein Milchbauer durchschnittlich etwas weniger als 20 K√ľhe im Stall. In der Slowakei sind es fast 250 K√ľhe pro Bauer.

Ohne EU-F√∂rderungen g√§be es   in weiten  Teilen √Ėsterreichs keine Landwirtschaft.  Die heimischen Agrarpolitiker lehnen daher  eine  K√ľrzung der F√∂rderungen f√ľr die Landwirtschaft  strikt ab.
Die meisten Molkereien sind Genossenschaften und geh√∂ren daher den Milchbauern selbst. Die N√ĖM wurde einst von Raiffeisen √ľbernommen, um sie vor der Pleite zu bewahren. Raiffeisen will sie an die Milchbauern verkaufen. Zumal sich die Gewinne in Grenzen halten.

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