Wirtschaft | Karriere
05.12.2011

Zuwanderung: Top-Stürmer statt Forscher

Seit 1. Juli wurden bereits 259 Rot-Weiß-Rot-Karten für "qualifizierte Zuwanderer" ausgestellt. Die meisten davon an Eishockeyspieler.

Er kommt aus Regina, Kanada, ist 27 Jahre jung, höchst qualifiziert, wird von seinem Arbeitgeber dringend benötigt und nimmt keinem Österreicher einen Job weg: Stürmerstar Jeremy Williams vom Eishockeyclub Red Bull Salzburg ist einer der ersten Rot-Weiß-Rot-Card-Besitzer in Österreich. Der neue Top-Scorer, der erfolgreich für die Maple Leafs aus Toronto spielte, hat bei den Salzburgern im Sommer einen Ein-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Kein Einzelfall. "Wir haben für unsere Bundesligamannschaft und U-20 zehn Kanadier zugekauft und für sie Arbeitsbewilligungen beantragt", bestätigt EC-Red-Bull-Sprecher Guido Stapelfeldt dem KURIER. Dazu kämen Neuerwerbungen aus Kroatien, Japan und den USA, die sich ebenfalls die Rot-Weiß-Rot-Card holten. Dürfen sie auch, denn Profisportler und -trainer gelten als "Schlüsselkräfte" für den Arbeitsmarkt und fallen damit unter die seit 1. Juli erleichterten Bedingungen für den Zuzug aus Nicht-EU-Ländern.

Kein Wunder, dass vor allem Sportvereine die neue Rot-Weiß-Rot-Card beantragt haben, wie aus der ersten Zwischenbilanz des AMS hervorgeht. Demnach wurden bis Ende August bereits 259 Karten-Anträge positiv bewertet; weit mehr als ursprünglich erwartet. 205 Anträge betrafen allerdings Schlüsselkräfte, in erster Linie Profisportler. Lediglich sieben sogenannte "besonders Hochqualifizierte", vor allem IT-Spezialisten, ließen sich bisher von der Karte anlocken.

Kanadier

Die meisten Rot-Weiß-Rot-Karten-Inhaber kommen aus Kanada, wobei von den 27 Kanadiern 21 Eishockeyspieler und zwei -trainer sind. Dahinter folgen Kroaten, US-Amerikaner und Russen, ebenfalls vor allem Profi-Sportler.

Für Josef Wallner, Arbeitsmarktexperte der Arbeiterkammer, ist diese Zwischenbilanz zwar "saisonal beeinflusst", kommt aber nicht überraschend. Schließlich hätten sich die Sportvereine bei den Kriterien für die Schlüsselkräfte stark eingebracht. So müssen etwa Sportler für die einjährige Arbeitsbewilligung keinen formellen Bildungsabschluss aufweisen. Das Ziel, mehr Spitzenkräfte für die Forschung und Entwicklung ins Land zu locken, sei mit der Rot-Weiß-Rot-Card allein nicht zu schaffen, glaubt Wallner.

Die Wirtschaftskammer zieht dennoch eine positive Zwischenbilanz. "Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte wird es Uni-Absolventen künftig auch leichter gemacht, nach Studienabschluss in Österreich zu bleiben", sagt Margit Kreuzhuber, Beauftragte für Migration und Integration in der Wirtschaftskammer Österreich. Bisher haben 30 Uni-Absolventen eine Rot-Weiß-Rot-Karte. Sie sind damit nach den Sportlern die stärkste Gruppe.

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