Wirtschaft | Karriere
29.07.2017

Zeig mir deine Uniform und ich sag dir, was du machst

Seit Jahrhunderten repräsentiert Arbeitskleidung unseren Berufsstand – Uniform, Schürze und Blaumann sind Farbtupfer unseres Joballtags. Überraschend dabei: Kleider zeigen nicht nur, was wir tun. Sie wirken sich auch auf unsere Effizienz aus.

Ein weißer Kittel, eine Haube, Gummi-Handschuhe. Ein Blaumann, Sicherheitsschuhe und ein Helm. Oder: Eine rote Badehose. Wenn Sie jetzt an einen Arzt, an einen Arbeiter und an einen Rettungsschwimmer denken, bestätigt sich die These: Arbeitskleider machen Leute. Durch Berufskleidung kriegen wir einen Status, bekommen ein Image übergestülpt. Repräsentieren.

Hauptsache praktisch

Erst im Mittelalter,so zeigen es die Geschichtsbücher, begann man seine Alltagskleidung je nach Beruf um spezifische Kleidungsteile zu ergänzen. Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe war aber nicht der Grund. Es war viel simpler: Handwerker, Schmiede, Bergleute oder Bauern wollten schlicht ihre Kleider oder sich selbst schützen. "Man wollte vor allem sauber und praktisch sein", sagt Andreas Moitzi vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Uni Wien. Auch dem Koch, dem Metzger oder dem Arzt reichte oftmals eine schlichte, helle Schürze aus günstigem Leinen.

Für andere Berufsstände hingegen – jene, die viel verdienten – standen Stil und Farbe im Vordergrund. "Ratsmitglieder erhielten Gewänder auf Kosten der Stadt, um repräsentativ zu wirken. Man hat sich immer mehr über das Gewand definiert", so Moitzi. "Der Adel trug edle Brokatstoffe, das konnten sich Gesellen natürlich nicht leisten. Es galt: Je feiner der Stoff und je satter die Farbe, desto teurer der Stoff. "

Bei den normal arbeitenden Menschen etablierte sich die Farbe Blau. Ursprünglich Waidblau, später Indigo. Überspringen wir ein paar Jahrhunderte und kommen ins 19., waren Blaumänner und Blue Jeans bei der Arbeit in Fabriken und am Feld die vorherrschende Berufskleidung.

Dienstkleidung: Immer noch modern

Heute tragen immer noch viele Dienst- und Berufskleidung: Mitarbeiter in der Luftfahrt, der Bahn, Ärztinnen, Handwerker, Hotelangestellte, Arbeiter am Hochofen – die Liste ist überraschend lang. Aktuell etwa werden 12.000 Mitarbeiter der österreichischen Post neu eingekleidet. Nicht immer sehen die Modelle aber so adrett aus, wie jene von Designerin Marina Hoermanseder für die Post. Und dann? Könnte man seine Dienstkleidung auch ablehnen? Jein, sagt Sara Pöcheim, Abteilung für Arbeitsrecht in der Arbeiterkammer. Vielerorts sei Dienstkleidung – wie etwa bei Piloten oder bei Wachorganen – schon im Vertrag festgelegt. "Abgesehen von Vorschriften des Arbeitnehmerschutzes, also dass der Arbeitgeber Schutzkleidung bei gefährlichen Tätigkeiten zur Verfügung stellen muss, gibt es keine gesetzliche Regelung für Arbeitskleidung." Jede Branche habe aber ihre Outfit-Gepflogenheiten, an die sich Mitarbeiter halten sollten.

Kleidung kann aber viel mehr als nur den Berufsstand offenlegen. Sie beeinflusst auch unsere Arbeitsweise. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass man in formeller Kleidung eine bessere Leistungen abruft, als in Jogginghosen; Sportler in roten Trikots häufiger siegen, als jene in blauen; Und dass sich Ärzte durch das Tragen eines weißen Kittels besser konzentrieren, als ohne.