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Whistleblowing in Unternehmen: Zu wenige Vorbilder für integres Verhalten

Wie häufig Mitarbeitende in Österreich zu Whistleblowern werden und warum Führungskräfte zu mehr Meldungen ermutigen sollten.
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Wo stehen Österreichs Unternehmen beim Thema Whistleblowing? Der international tätige Anbieter von Risiko- und Compliance-Lösungen Navex hat einen Report für 2026 veröffentlicht. Die wichtigsten Erkenntnisse fasst Oliver Riehl von Navex zusammen.

KURIER: Wie weit verbreitet ist Whistleblowing in Europa?

Oliver Riehl: Die Nutzung interner Hinweisgebersysteme nimmt seit einigen Jahren stetig zu. Unsere Daten zeigen, dass 2022 noch 0,53 Meldungen pro 100 Mitarbeitende erfasst wurden. 2025 waren es schon 0,85.

Wie lässt sich dieser Wert einordnen?

In Nordamerika liegt das Meldevolumen bei 1,86 Meldungen pro 100 Mitarbeitende. Das ist mehr als doppelt so hoch wie in Kontinentaleuropa. Also die Nutzung in Europa nimmt zu, aber im direkten Vergleich mit Nordamerika haben wir noch Aufholbedarf.

Wie viele Meldungen sind erstrebenswert?

Wir sehen in der Praxis oft Firmen, die sagen: Sie haben im ganzen Jahr nur zwei Meldungen bekommen. Da muss man verstehen, dass die Technik nicht Hand in Hand mit der Kultur geht, die in einem Unternehmen herrscht. Wenn es eine Führungskraft nicht schafft, eine Kultur zu etablieren, in der sich Leute sicher fühlen, Meldungen abzugeben, oder das System überhaupt nicht bekannt geworden ist, dann wird es schwierig, Meldungen zu bekommen. Im Endeffekt liegt das aber im ureigenen Interesse. Je stärker die Speak-up-Kultur ist, desto aufgeklärter sind die Mitarbeiter und dann gibt es den natürlichen Prozess, dass auch die Zahl der Vorfälle womöglich sinkt.

Was muss ein Hinweissystem können? 

Viele denken dabei erst einmal an Software. Das ist aber nur ein Teil der Lösung. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende darauf vertrauen, dass Hinweise auch ernst genommen werden. Es kommt gravierend darauf an, ob Führungskräfte die richtigen Signale senden. Im Report sagen 63 Prozent der Unternehmen in Kontinentaleuropa, dass ihre Führungsebene Ethik und Compliance fördert. Dieser Wert liegt unter dem globalen Vergleichswert von 70 Prozent. Gleichzeitig werden nur 54 Prozent der Führungskräfte in Kontinentaleuropa als echte Vorbilder für integres Verhalten wahrgenommen.

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Nur 58 Prozent bringen laut Report Meldungen anonym ein. Aber ist Anonymität nicht die Basis für Whistleblowing

Ja, Anonymität ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Meldungen überhaupt abgegeben werden. Ein hoher Anteil an anonymen Meldungen kann darauf hindeuten, dass Mitarbeitende mögliche Vergeltungsmaßnahmen oder persönliche Nachteile befürchten, aber 58 Prozent sprechen auch eine deutliche Sprache, dass vielleicht ein großer Teil der Meldungen unentdeckt bleibt. Da schiele ich auch auf den österreichischen Mittelstand, der seinen Mitarbeitern vielleicht noch nicht die Möglichkeit geboten hat, Meldungen anonym abzugeben. Wichtig ist auch, was danach passiert. Hinweise müssen vertraulich behandelt und fair untersucht werden. Dauert die Bearbeitung eines Falles länger als 60 Tage, steigt die Gefahr signifikant, dass ein Missstand nach außen getragen wird, was wiederum Reputationsschäden für das Unternehmen zur Folge hätte.

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