Die ewig verspielte Jugend ist eine Herausforderung für Arbeitgeber

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Psychologie
10/14/2015

Werdet ihr nie erwachsen?

Junge Menschen werden immer später erwachsen – für Arbeitgeber ist das eine Herausforderung.

von Teresa Richter-Trummer

Mit 14 Jahren ist man in Österreich dem Gesetz nach mündig. Mit 16 darf man wählen. Mit 18 Jahren ist man volljährig. Aber erwachsen? Dafür gibt es keine konkrete Altersangabe. Und noch schlimmer: Für viele ist Erwachsenwerden nicht einmal eine erstrebenswerte Sache.

Warum auch? Man hat den Bonus des jungen Revoluzzers verspielt und der Ernst des Lebens ist nicht immer lustig. "Erwachsen sein wird von der jungen Generation oft als Belastung, als Mühsal empfunden. Bereits die Jugendlichen sehen, dass ihre Eltern arbeiten und arbeiten, dauernd unter Stress stehen, manchmal mit Erfolg, viele aber auch nicht", sagt Trigon-Berater Werner Leeb. Daher schiebt man den Zeitpunkt des Erwachsenwerdens möglichst nach hinten. Psychologische Studien belegen: Auf die Adoleszenz folgt heute nicht mehr direkt das Erwachsenenalter, sondern es schiebt sich eine Phase ein, die nach dem US-Psychologen Jeffrey Jensen Arnett "sich entwickelndes Erwachsenenalter" heißt. Laut Arnett ist dies eine Phase des Ausprobierens, Sich-Suchens und der Orientierungslosigkeit. Seinen Studien zufolge erleben junge Menschen die Zeit zwischen 18 und 29 Jahren heute völlig anders als ihre Eltern. Verantwortung zu übernehmen steht nicht weit oben auf ihrer Agenda, längere Ausbildungszeiten und unterstützende Eltern machen es ihnen möglich. Aber hier beginnt eine Art Teufelkreis: Denn Unternehmen wollen – wenn sie überhaupt jemanden neu anstellen – junge, billige Mitarbeiter, die sich einfügen und selbstständig arbeiten können.

Schwierige Bedingungen

Auch Werner Leeb meint: "Die tendenziell schlechtere Arbeitsmarktsituation für die junge Generation führt dazu, dass sie in einer Position von Abhängigkeit bleibt und auf den guten Willen der Eltern länger angewiesen ist. Alles nicht unbedingt dazu angetan, eine reife und selbstständige erwachsene Person entstehen zu lassen."

Aber wie kann man den Übertritt ins Berufs- und Erwachsenenleben dennoch schaffen? "Es braucht eine Phase des Hineinwachsens – allerdings auch unter klarem Aufzeigen, was die Rahmenbedingungen sind", rät Leeb. Schön gefärbte Zukunftsvisionen, die der konkreten Arbeitsrealität nicht entsprechen, helfen niemandem, meint er. Leeb: "Der Grundsatz Fördern und Fordern gilt nach wie vor. Es braucht klare Zielsetzungen, Vereinbarungen und Rahmenbedingungen – für beide Seiten."

Wie gehen Jugendliche mit neuen Medien um? Wie sehr nutzen sie Lernprogramme, welchen Stellenwert haben Bücher? Antworten auf diese Fragen liefert die vierte oberösterreichische Jugend-Medien-Studie, in der Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren, Eltern und Pädagogen befragt wurden.
Die Ergebnisse: Die Generation Smartphone – in 90 Prozent der Haushalte gibt es ein solches Gerät – setzt bei ihrer Freizeitaktivität noch immer auf Freunde-Treffen und Fernsehen, wobei die TV-Nutzung seit der letzten Untersuchung vor zwei Jahren um fünf Minuten auf 80 Minuten täglich gesunken ist. Der Grund: Die vermehrte Smart-Phone Nutzung. In bildungsnahen Haushalten wird deutlich weniger ferngesehen, in Bildungsfernen findet sich öfter ein TV-Gerät im Kinderzimmer. In drei von zehn Haushalten wird mit Jugendlichen über TV-Inhalte oft gesprochen.
Gleichzeitig nimmt die Lesefreude zu: 60 Prozent der 11- 18-jährigen lesen gerne, vor allem Jugend- und Sachbücher, Fantasy und Kriminalromane. Wie viel gelesen wird, hängt von der Bildungsnähe der Eltern ab. Drei Viertel der befragten Eltern geben an, gerne zu lesen.


Nicht ohne PC

Nicht mehr wegzudenken ist für Jugendliche der Computer: Er ist positiv besetzt und wird von Eltern wie Kindern als sehr wichtig für die Schule und den späteren Beruf angesehen. Wichtigste Info-Quelle in Computerfragen ist die Schule vor eigenen Erfahrungen – dann folgen Infos von Vätern und Freunden. Lernprogramme werden mehr, aber noch immer nicht begeistert genutzt: Ein Drittel nutzt sie wöchentlich, nur etwa ein Zehntel nutzt diese Programme gerne. Interessant sind sie vor allem, wenn die Inhalte der Programme die schulischen Hauptgegenstände betreffen. Ein Drittel der Eltern besorgt Lernprogramme selbst für die Kinder. Pädagogen stehen dem digitalen Schulbuch positiv gegenüber, das ideale Klassenzimmer enthält für sie Beamer und Computer für Lehrer und Schüler, WLAN und ein Whiteboard.
Die Studie wurde vom market Institut im Auftrag der Education Group durchgeführt.

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