Ein bisschen Lampenfieber muss sein - Perfektionismus ist kontraproduktiv

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Anleitung
03/05/2014

Wer hat Angst vorm Vortrag?

Souverän sein, mit Haltung und Esprit – aber wie? Die besten Speaker geben Tipps

von Magdalena Vachova

Wissenschaftlich Exzellentes kann durch amateurhaftes Vortragen zunichtegemacht werden. Damit haben oftmals nicht nur Professoren sondern auch ihre Studierenden zu kämpfen. Der Esprit einer Idee und der Wille, seine Materie überzeugend rüberzubringen, kann in einer Flut aus Nervosität und Unsicherheit untergehen. Kein Wunder, Präsentationstechnik und Überzeugungskraft stehen selten am Stundenplan der Studiengänge.

Vier erfahrene Redner und Coaches, die vergangene Woche bei den IIR-Awards zum "Speaker" und "Trainer of the Year" gewählt wurden, geben Tipps, wie man beim Präsentieren vor der Prüfungskommission souverän bleibt, den Faden nicht verliert, beim Vortragen brilliert.

Aufregung überwinden

Evelyn Summhammer, "Trainer of the Year", ist Psychologin und Therapeutin und seit 13 Jahren auf die Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert. Für die allererste Präsentation legt sie den Vortragenden eine Über-Vorbereitung ans Herz: "Nervosität schränkt die Konzentration und die Wahrnehmung ein. Weiß ich beim Vortrag mehr, als ich wissen müsste, wird mir – auch unter Druck – immer noch etwas zum Thema einfallen." Eine Visualisierung des Erfolg bevor man vor die Zuhörer tritt, wie etwa die Vorstellung eines klatschenden Publikums, entspannt zudem.

Till Hornung ist "Speaker of the Year" und Direktor der Vorarlberger Landeskrankenhäuser. Seit über zehn Jahren ist er als Redner zum Thema Krankenhausmanagement unterwegs. Eine Grundnervosität vor einem Vortrag spürt auch er immer noch. "Dagegen hilft nur eines: Lernen Sie die ersten zwei Vortrags-Minuten auswendig." Die Konzentration auf die Begrüßung, die Einleitung und die Agenda lassen die Aufregung verfliegen.

Zuhörer in den Bann ziehen

"Geben Sie zehn Prozent mehr, als normalerweise – aber seien Sie kein übertriebener Showmaster", so Hornung. Ein pfiffiger Einstieg, wie Tagesaktuelles, das gut zum Präsentations-Thema passt, ködert die Zuhörer. Diese in den Bann zu ziehen ist leichter gesagt, als getan. Mit dem Publikum muss stets – verbal oder mit Blicken – interagiert werden.

Komplexe Themen vermitteln

Auch graue Theorie will schillernd rüberkommen. Dass das nicht einfach ist, weiß Alexandra Terzaki. Die "Speaker of the Year" ist Juristin und berät Unternehmen seit 1996 im Bereich des Vergaberechts. "Holen Sie die Zuhörer ins Boot, stellen Sie fragen, finden Sie heraus, was Sie sich von Ihnen erwarten", so Terzaki. Es sei ein No-Go nicht zu wissen, was die Zuhörer bräuchten.

Auch Hubert A. Eisl’s Spezialgebiet ist komplex. Der "Trainer of the Year" ist Geschäftsführer der ELGA GmbH und spricht zum Thema Elektronische Gesundheitsakte. Ein Thema das polarisiert. "Wenn ich weiß, dass die Zuhörer eine besonders kritische oder negative Einstellung haben, bereite ich im Vorfeld Contra-Argumente vor, um für kritische Fragen gerüstet zu sein", so Eisl. Alexandra Terzaki relativiert die unangreifbare Rolle des Präsentators allerdings. "Man darf sich vorne nicht zu ernst nehmen. Man muss über seine Materie lachen können, die Leute wünschen sich auch Unterhaltung."

Sicherheitsnetz schaffen

"Man sollte immer ein Zettelchen im Sakko dabei haben. Ganz nackt und ohne Netz sollte man nie dastehen", sagt Till Hornung. Doch Reden können auch schief gehen. Hat man Pech, geschieht das vor vielen Menschen. "In dieser Sekunde sollte man menschlich genug sein, um einen Witz darüber zu machen. Der Anspruch auf Perfektion ist wunderbar, aber keiner von uns ist perfekt", plädiert Terzaki.

Evelyn Summhammer: "Hinterher muss man reflektieren, was dazu geführt hat." Sobald das herausgefiltert ist, kann daran gearbeitet werden. "Damit es beim nächsten Mal wieder gut läuft."

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