Lena Catarina Kratz kreiert „mit Handkuss“
 

© /Tony Gigov

Wirtschaft Karriere
08/06/2016

Weltreisende mit Geschäftssinn

Auf Weltreise mit ihrem kleinen Sohn hatte Lena Kratz in Bali eine Geschäftsidee - seither ist sie Modedesignerin.

von Sandra Baierl

Wie ich mich gerade fühle? Überwältigt. Freue mich jedes Mal riesig, wenn ich von euch Feedback erhalte, ihr meine Jumpsuits zu euren Lieblingsstücken erklärt. Danke! Ohne euch wäre mein Abenteuer erst gar nicht möglich. Love & happy Feierabend. Lena Catarina Kratz ist auf Facebook in regem Austausch mit ihren Fans. 10.282 Personen folgen hier ihren Geschichten, ihrem Blog, und jetzt auch der Entstehung ihres neuen Modelabels.

Lena Kratz sucht das Abenteuer. Oder anders: Sie lässt es passieren. "Früher war ich total geplant, penibel und sehr organisiert. Aber jetzt: Ich mache die Dinge einfach, ohne sie schon vorher zu zerdenken und zu zerreden." Das hat sie auf der Weltreise gelernt. Irgendwann, nach sechs, sieben, acht Wochen könne man auf Reisen lockerlassen. Würde das Hirn nicht mehr dauernd denken wollen. Eine Befreiung, nach einem privat und beruflich schwierigen Jahr 2015. Deshalb hatte sie am 23. Dezember den Entschluss gefasst, mit ihrem dreijährigen Sohn Emilian auf Weltreise zu gehen. Im Frühjahr ließ sie das Angestelltenleben als PR-Managerin hinter sich, überhaupt das ganze Leben in Österreich. Ein paar Monate sollten sie unterwegs sein, Japan, Thailand und Bali. Nach Australien haben es die beiden dann nicht mehr geschafft, sind hängen geblieben auf der indonesischen Insel, die so gut zu Kindern ist, so gut tut, weil dort das Leben ruhiger und gelassener läuft. Zwei Monate sind die beiden in Bali geblieben. Haben die Ruhe genossen, gespürt, wie es ist, ein bisschen Aussteiger zu sein. "Emilian wollte keine Schuhe mehr tragen, wir sind mit dem Scooter über die Insel gefahren, waren völlig frei", erzählt Lena Kratz. Sie sei dafür mit Mails und Postings zum Teil harsch kritisiert worden. Auf Weltreise mit einem Dreijährigen: da wollen sehr viele Menschen wissen, dass man so etwas nicht macht. Dass so etwas unverantwortlich sei. Aber für sie und ihren Sohn war es die schönste Zeit im Leben. Lena Kratz hatte den Gedanken, für immer dort zu bleiben.

Ein Einfall und ein Schneider

Zehn Tage vor der geplanten Rückreise dann ein Einfall. Eine Idee aus heiterem Himmel. Sie designte ein Kleidungsstück, einen Einteiler mit weiter Hose, sieht aus wie ein Kleid, praktisch und bequem. Die Jumpsuits könnte man hier produzieren lassen und in Österreich verkaufen.

Sie hat die Umsetzung mit Hochdruck vorangetrieben, Stoffe ausgesucht, Meterware eingekauft, eine Agentin engagiert, hat Schneidereien besichtigt und Preise diskutiert. "Ich kann gut verhandeln, sonst wäre man auf Bali aufgeschmissen", erzählt Kratz, die schon früher in Asien gelebt hat. Letztlich hat sie sich für eine kleine Schneiderei entschieden. Dort näht nur eine Person in Handarbeit, was die Designerin in Auftrag gibt: Jumpsuits in mehreren Stoffvarianten und zwei Größen. "Ich musste viel erklären, viele Details besprechen, immer wieder korrigierend eingreifen." Letztlich wurde aus dem "Maybe" (das Lieblingswort der Balinesen) tatsächlich eine Lieferung: dreißig Kleidungsstücke, die sie mit nach Wien nahm. Beim Firlefanz-Markt – sie ist die Organisatorin dieses Designer-Verkaufs – hat sie fast alle Stücke unter dem Label "mit Handkuss" verkauft. Auch über den Online-Store kamen die Anfragen – aber die Ware ging allmählich aus.

Wieder Bali

Vor ein paar Wochen flog Lena Kratz wieder nach Bali, diesmal rein geschäftlich, ohne Sohn und mit dem Ziel, eine größere Menge produzieren zu lassen. Dazu Blusen und Armbänder. Sie war drei Wochen täglich von früh bis spät unterwegs, fuhr mit dem Scooter von Termin zu Termin. "Dann kommt die Bürokratie hinzu", erläutert sie. Sie zahlt Umsatzsteuer in Bali und in Österreich, braucht Steuernummern, muss die Logistik organisieren, den Zoll einberechnen. "Ich kalkuliere das alles genau durch, zum Glück kann ich mit Geld umgehen", lacht sie. Sie habe immer gespart, Geld schon als Ferialpraktikantin für später angelegt. "Das kommt mir jetzt zugute, weil der Beginn eines Geschäfts viel Investition bedeutet. Ich hole mir nichts heraus, investiere, was ich einnehme, in die nächsten Projekte", sagt sie.

"Schwierig ist, dass ich mich allein um so vieles kümmern muss. Das ist herausfordernd", sagt sie. Wohin das Projekt gehen soll, ist offen. Sie hat aufgehört, groß zu planen. Sicher ist: Für Herbst ist wieder eine Reise nach Bali geplant, alles Weitere soll langsam wachsen, sich langsam entwickeln.

www.mithandkuss.com

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