Wirtschaft | Karriere
18.11.2017

Was tun, wenn die Belegschaft altert

Der demografische Wandel stellt Betriebe vor große Herausforderungen. Die Bäckerei Josef Schrott und der Leuchtenhersteller Zumtobel zeigen, wie mit klugen Maßnahmen ältere Mitarbeiter möglichst lange produktiv bleiben.

Alt? Was heißt schon alt? Bis 2030 werden in vielen europäischen Ländern 30 Prozent aller Arbeitnehmer zwischen 55 und 64 Jahre alt sein. Dass 50 langsam "das neue 30" wird, ist Eva Schrott schon jetzt bewusst. Wenn die Chefin der gleichnamigen Wiener Traditionsbäckerei neue Mitarbeiter sucht, achtet sie nicht auf das Geburtsdatum. "Wir stellen gerne Mitarbeiter über 50 Jahre ein, ich wäre ja dumm, wenn ich sie nicht nehmen würde", erzählt sie. Seit 2009 waren es immerhin 19 Mitarbeiter, die bei der Neuaufnahme den 50-iger schon überschritten hatten. Vorurteile gegenüber dem Alter kennt die Geschäftsfrau nicht. "Mein Mann und ich sind ja selbst schon über 50 und zählen uns noch lange nicht zum alten Eisen. Warum soll ich es bei anderen tun?"

Ältere Arbeitnehmer seien im Gegenteil "die loyalsten Mitarbeiter" und auch nicht öfters krank als jüngere. Letzteres ist sogar statistisch erwiesen. Für die Gesundheit der aktuell 48 Mitarbeiter wird auch viel getan im Unternehmen. "Vieles ist wie in einer Familie", verweist Schrott auf eine gute Altersdurchmischung, bei der langjährige Mitarbeiter ihre Erfahrungen an die jüngeren weitergeben. Körperliche Belastungen wie etwa das Tragen von Mehlsäcken oder der Transport von Rohstoffen wurden durch gezielte Maßnahmen minimiert, unterschiedliche Tischhöhen erleichtern den Konditoren ihre Arbeit. "Krankenstände sind bei uns generell selten", berichtet Schrott, auch Arbeitsunfälle gebe es nur wenige.

EU-Kampagne

Für ihr Engagement wurde die Bäckerei Schrott mehrfach ausgezeichnet. Im Rahmen der EU-Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter" gab sie ihre Erfahrungen anderen Unternehmen weiter. Die 1885 gegründete Bäckerei und Konditorei Josef Schrott hat vier Standorte in Wien. "Wenn es uns schon so lange gibt, dann machen wir wohl auch etwas richtig", meint Schrott.

Dass die Umsetzung gesunder Arbeitsbedingungen nicht nur kleinen Familienbetrieben gelingt, beweist der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel. Um die Herausforderungen einer alternden Belegschaft aktiv anzugehen, wurde sogar eine eigene Abteilung "Health & Age" eingerichtet. Abteilungsleiter Mario Wintschnig über die Beweggründe: "Die größte Gruppe von Beschäftigten bei uns ist zwischen 40 und 50, wir haben uns überlegt, wie wir ihre Arbeitsfähigkeit erhalten und verbessern können".

An Ideen mangelte es nicht, Vieles davon wurde aber auch strategisch umgesetzt. Die Palette an Maßnahmen reicht von ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen, Yoga-Kursen und Leihfahrrädern bis zum betrieblichen Eingliederungs-Management bei längeren Krankenständen. So konnten in den vergangenen Jahren 19 Arbeitnehmer nach längeren Fehlzeiten erfolgreich wieder in das Unternehmen eingegliedert werden. Um das gegenseitige Verständnis zu stärken und langjähriges Know-how im Unternehmen zu behalten, wurde die Zusammenarbeit zwischen Angestellten unterschiedlicher Altersgruppen gezielt gefördert. "Generationen-Management", nennt das Wintschnig.

Zumtobel wurde im Rahmen der EU-Kampagne mit dem "Good Practise Award" ausgezeichnet. Die vor zwei Jahren gestartete Kampagne sollte Betriebe für das Thema ältere Arbeitnehmer sensibilisieren und Tipps für einzelne Maßnahmen im Betrieb geben. In Österreich informierte die Unfallversicherung AUVA 35.000 Betriebe zum Thema Alter(n)sgerechtes Arbeiten. In rund 14.200 Betrieben wurden bereits erste Maßnahmen implementiert, resümiert AUVA-Generaldirektor Helmut Köberl. Als professionelle Berater stehen auch die Arbeitsinspektorate zur Verfügung.

Mehr Informationen im Internet unter: www.arbeitundalter.at und www.healthy-workplaces.eu/de