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Zwischen Hörsaal und Laufsteg: Das Doppelleben eines Wieners

Oscar Schanda trifft man in der Uni und auf den internationalen Laufstegen. Ein Gespräch über sein lukratives Jetset-Leben, das nicht seine Zukunft sein soll.
Oscar Schanda Model

In Wien ist er Medizinstudent, trägt Brille, lächelt, lernt in der Bibliothek. In Paris und Mailand ist er gefragtes Model: Er trägt Make-up, einen strengen Blick, die Nägel sind manikürt, Stylisten zupfen an seinen Haaren und seiner Kleidung. Oscar Schanda – in der Modelszene Oscar Darden – lebt ein Leben zwischen Prüfungsstress und Laufstegluxus. Zweiteres soll nicht seine Zukunft sein.

Prada - Runway - Milan Fashion Week
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KURIER: Sie machen einen Job, bei dem es per Definition ums Aussehen geht. Wie ist das für Sie?

Oscar Schanda: Schon auch schwierig. Weil die Persönlichkeit ja dann meist etwas gespielt ist, wie etwa der strenge Blick. Es ist surreal und für mich auch manchmal schwer zu erkennen, was echt ist. Wenn ich aus Mailand oder Paris zurückkomme, freue ich mich immer, wieder Student zu sein. Das Modeln ist nur ein Teil meines Lebens.

Sie studieren Zahnmedizin in Wien – wie hat sich diese internationale Modelkarriere ergeben?

Mit 18 wusste ich, dass ich Medizin machen will. Gleichzeitig wurde ich via Instagram von einer Agentur gescoutet. Ich habe das zuerst nicht verfolgt, aber ein paar Jahre später doch. Das war im Winter 2024. Jetzt mache ich es gerne und versuche, es mit dem Studium zu vereinbaren. Wobei: Die Uni geht immer vor.

Sie wurden gefragt – das war also nicht der Lebensplan.

Definitiv nicht. Ich fand die Idee, das zu machen, aber immer interessant. Ich habe schnell gelernt, worauf es ankommt. Ich bin beim Modeln sehr extrovertiert, offen, rede gerne. Das kommt gut an. Ich wollte natürlich auch wissen, wie weit ich in dieser Branche komme.

Sie sind weit gekommen.

Ja, zu den großen Marken. Prada war sehr wichtig für mich, da passe ich auch gut hin. Dior auch, mit dem neuen Creative Director Jonathan Anderson. Auch Kent & Curwen oder Yohji Yamamoto.

In welche Welt taucht man da ein?

Es ist eine oberflächliche Welt. Einerseits wollen sie ein großes Ego, einen Charakter. Auf der anderen Seite fühle ich mich manchmal wie ein Kleiderständer. Dann wird hektisch an mir herumgezupft, das ist nicht immer angenehm. Es ist freundlich, aber nicht authentisch.

Spielen Sie selbst dort eine Rolle?

Ich spiele eine Variation von mir selbst. Noch immer ich, aber anders.

Wie schwierig sind die Anfänge?

Anfangs haben wir zu zehnt in einem Zimmer geschlafen – es war grauenhaft. Man lernt, mit Schwierigkeiten und Misserfolgen umzugehen. Bei Amiri stand ich letztens zweieinhalb Stunden fürs Casting an. Und nach dreißig Sekunden auf dem Laufsteg heißt es: Danke, nein. Aber das gehört dazu. Man muss das Schlechte machen, damit man auch das Gute machen kann.

Wie gut können Sie davon leben?

Es gibt drei Bereiche für Models. Editorials in Magazinen – die zahlen nichts, also etwa für Elle oder Men’s Health –, aber es schafft Bekanntheit. Die Arbeit am Laufsteg zahlt okay, das ist dann etwa bei den Fashion Weeks in Mailand, Paris oder London. Da fahre ich von Casting zu Casting und versuche, Engagements zu bekommen. Das rentiert sich schon, wenn ich eine Show bekomme. Diese Jobs macht man für die Sichtbarkeit. Was aber tatsächlich gutes Geld bringt, sind Shootings für Werbekampagnen und Firmen. Die Königsklasse in puncto Bezahlung wäre eine Werbekampagne für ein Parfum.

Wie viel verdienen Sie?

Ich kann gut davon leben. In den letzten zweieinhalb Monaten war ich sehr erfolgreich gebucht. Ich könnte für den Rest des Jahres und darüber hinaus damit auskommen.

Wie wichtig ist das perfekte Modelmaß und wie halten Sie es?

Ein Modelkörper ist genetisch ein Modelkörper. Es gibt unter den Models alle Persönlichkeiten, jede Herkunft. Was wir gemeinsam haben, sind die gleichen Maße und die gleiche Größe. Ich habe anatomisch breitere Schultern, meine Hüfte ist sehr schmal. Ich bin schlank, mache viel Sport, esse gerne und schlafe konsequent acht Stunden. Ich würde für den Job auch kein Gewicht verlieren, denn meine Gesundheit geht vor.

Wie geht sich das alles neben einem Vollstudium aus?

Es ist sehr unterschiedlich. Ich hatte jetzt ein Semester, in dem ich zweieinhalb Monate unterwegs war. Ich lerne überall, auch im Flugzeug. Manchmal komme ich direkt aus Mailand in der Früh an die Uni. Das macht mich anders als die anderen, ich glaube, viele verstehen mich auch nicht.

Ihr Berufswunsch ist definitiv Arzt.

Modeln ist ein Abenteuer, aber für mich keine Methode, um in Zukunft mein Geld damit zu verdienen. Ich freue mich, dass es jetzt gut klappt. Ich sehe mich als Zahnarzt in einer schönen Praxis mit meiner eigenen Kaffeemaschine.

Sie haben am Attersee die Opti-Segelwoche im UYCAS geleitet. 50 Trainer, 130 Kinder, täglich von 8 bis 17 Uhr, ehrenamtlich. Wie das?

Ich habe die Optiwoche selbst als Kind gemacht, war dann Trainer und bin jetzt Veranstaltungsleiter. Hier spiele ich keine Rolle, hier bin ich komplett ich selbst. Ich finde es schön, dass ich etwas, das ich selbst erlebt habe, zurückgeben kann.

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