Uni-Ferien: Sommer, Sonne, Lernerei

© Bild: Sandra Bernhofer

Faule Studenten? Keineswegs. Manch einen treibt es auch in den Sommerferien an die Uni.

Es ist ein milder Augusttag. Der Aufgang zur Universität Wien liegt verwaist da. Nur Carina, 19, steht am Eingang, ihr Maturazeugnis in der Hand. Nachdem sie für den FH-Lehrgang Diätologie abgelehnt wurde, will sie sich heute für Ernährungswissenschaften inskribieren.
Bereits einen Schritt weiter ist Stefan (siehe unten), ein 20-jähriger Studienanfänger, der sich an einem Computer im Treppenhaus gerade einen Uni-Account bastelt, über den er sich später für Lehrveranstaltungen anmelden kann.
Gleich gegenüber sitzt die slowenische Austauschstudentin Kaja, 25, auf einer Bank und wartet auf ihren Deutsch-Sprachkurs: "Eigentlich wollte ich mir ja noch schnell mein Zeugnis im Erasmus-Büro abholen, aber es hat geschlossen." Ein Jahr lang hat sie in Wien den Studiengang "Middle European interdisciplinary master programme in Cognitive Science" belegt. Da der Studiengang auf Englisch gehalten wurde, konnte sie ihre Deutsch-Kenntnisse nur wenig vertiefen. Das möchte sie jetzt nachholen. In den Rest-Ferien will sie ihre Masterarbeit zum Thema Social Attention in Angriff nehmen.

Abgesehen von Stefan und Kaja ist der Eingangsbereich der Hauptuni menschenleer. Anders sieht es im Innenhof aus: Den haben freudig knipsende Asiaten mittleren Alters vereinnahmt. Sie sind hier wohl eher aus touristischen Motiven unterwegs als aus Wissbegier.

TU & WU

Im Vergleich zur Hauptuni präsentiert sich die Technische Universität in Wien ausgestorben: Am Eingang stehen ein paar Handwerker, die sich um die Lichtanlage kümmern. Vereinzelt irren ein paar angehende Erstsemester umher, die nach dem Inskriptionsbüro suchen oder sich mit den Computern in der Eingangshalle abmühen, über die man sich auch hier für Uni-Kurse anmelden kann.

Ganz anders das Bild an der Wirtschaftsuniversität: Hier schwärmen ganze Horden von Studierenden den Hochschultoren zu. In der Aula bilden sich Menschentrauben um die rund 25 Computer-Terminals, die ausnahmslos alle besetzt sind. Sommerkurse stehen zum Angebot. Über das Uni-Netzwerk hat man die besten Chancen, tatsächlich einen zu ergattern. WU-Student Martin Gundinger, 25, verdeutlicht die Situation: "Es ist jedes Mal ein Pokerspiel. Nach einer Minute sind die ganzen Plätze weg." Drei Kurse interessieren ihn, er sei aber schon glücklich, nur einen zu erwischen.

Sein Kommilitone Florian, 20 (siehe unten), ist aus demselben Grund an der Uni wie er selbst: "Die Sommeruni ist eine Chance mehr, in eine Vorlesung zu kommen. Vor allem für diejenigen, die endlich ihr Studium beenden wollten. Und die besonders Fleißigen."

Juridicum

Besonders umtriebige Studenten findet man auch am Juridicum: Die Stiegenaufgänge sind zwar fast leer, die Bibliothek dafür voll mit Lernwütigen, die hier ein ruhiges Plätzchen zur gezielten Prüfungsvorbereitung gefunden haben. Vorbereitung ist eben alles. Klar, dass so manch ein Student den Sommer nicht ungenutzt verstreichen lassen will ...

Inskribiert: Stefan Adler, 20, PoWi

„In der Bibliothek lernt es sich einfach am besten.“ Cosima Patek, Jus-Studentin
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Der 20-jährige Studienanwärter Stefan Adler, steht im Treppenhaus der Hauptuni vor einem Computer und ärgert sich: "Das Anmeldesystem ist echt umständlich. Zuerst die Online-Voranmeldung, dann die Zulassung an der Uni und dann muss man noch einen Account erstellen, über den man sich dann für die Kurse anmelden kann." Letzteres versucht er gerade relativ erfolglos. "Studieren will ich Politikwissenschaft und Französisch-Dolmetsch." Das werde aber nur als Masterstudium angeboten. Daher müsse er zuerst den Bachelor in transkultureller Kommunikation machen. Den Rest der Ferien wird Stefan übrigens endlich all die Bücher lesen, für die er bisher nie Zeit hatte.

Florian Zauner, 20, BWL meldet sich für die Sommer-Uni an

„In der Bibliothek lernt es sich einfach am besten.“ Cosima Patek, Jus-Studentin
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BWL-Student Florian Zauner, 20, hockt auf einem Kunststoff-Schalenstuhl, seinen Laptop auf den Knien: "Heute ist der Termin für die Online-Anmeldung zu den Kursen an der Sommeruni. Um 14 Uhr, also in einer halben Stunde, ist der Startschuss dafür. Da will man natürlich rechtzeitig da sein." Und dafür muss man wirklich vor Ort der Uni sein? "Von außerhalb ist die Serveranbindung viel langsamer, für die Kursanmeldung zählt aber jede Sekunde." Ihm schwebt ein Kurs in angewandter Mikroökonomie vor. "Die Sommeruni ist eine Chance mehr, in eine Vorlesung zu kommen. Vor allem für diejenigen, die endlich ihr Studium beenden wollen. Und für die besonders Fleißigen."

Cosima Patek, 22, studiert und lernt am Juridicum

„In der Bibliothek lernt es sich einfach am besten.“ Cosima Patek, Jus-Studentin
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Cosima Patek, 22, ist Jus-Studentin im elften Semester. Sie sitzt in der Bibliothek der Juridischen Fakultät und geht ihre Unterlagen für die Verfassungsrecht-Prüfung durch, die sie im Oktober hat: "Ich lerne eigentlich immer in der Bibliothek. Ich mag die Atmosphäre hier. Es ist angenehm ruhig. Außerdem kann ich mich einfach besser konzentrieren, wenn ich weiß, dass alle anderen auch hier sind, um zu lernen", meint sie und nickt in Richtung ihrer Kommilitonen, die wahlweise über Bücher oder ihre Laptops gebeugt sitzen und offensichtlich auch am Büffeln sind.

"Außerdem werde ich hier nicht immer von Computer, Internet oder Handy-Geklingel abgelenkt", meint die Jus-Studentin. Gearbeitet hat sie diesen Sommer bereits, auch das Reisen hat Patek hinter sich, nun will sie sich den Rest der Ferien voll und ganz aufs Lernen konzentrieren.

Erstellt am 05.12.2011