Wirtschaft | Karriere
23.09.2017

Telekom Austria: Der Kulturwandler geht

Nach nur zwei Jahren verlässt Personalchef Jesper Smith die Telekom Austria. Ein Gespräch über mexikanische Einflüsse und den eingeleiteten Kulturwandel im Unternehmen.

KURIER: Herr Smith, nach zwei Jahren in Österreich, wie gut ist Ihr Deutsch?

Jesper Smith: Nicht so gut, wie es sein soll. Wir müssen das Gespräch bitte weiter auf Englisch führen.

Sie haben einmal Verhaltenswissenschaften studiert, haben im Mittleren Osten und den USA gearbeitet, waren jetzt bei der Telekom Austria für zwei Jahre. Wie würden Sie die Österreicher als Arbeitskräfte beschreiben?

Ich mag, dass die Österreicher freundlich sind. Und sie meinen es ernst, sind nicht cocktail-freundlich, oberflächlich: die Österreicher wollen wirklich involviert sein und helfen.

Ein Unterschied zu den nördlichen Ländern? Sie selbst kommen aus Schweden.

Ja, das würde ich so sehen.

Sie waren zwei Jahre bei der Telekom Austria. Wie hat sich das Unternehmen seither verändert?

Als ich hierher kam, war alles viel förmlicher. Es gab einen Kulturwandel, heute ist alles offener, mit mehr Kommunikation. Wir haben Wände niedergerissen.

Warum hat sich das geändert? Weil Sie Maßnahmen gesetzt haben oder weil sich die Firma natürlich weiterentwickelt hat?

Es ist schon eine gewisse Evolution in der Firma bemerkbar. Ich glaube auch, dass sich die Anforderungen geändert haben. Wir müssen offener sein und mehr in Teams arbeiten.

Sie wurden geholt, um einen Kulturwandel in der Telekom herbeizuführen. Wie lautete Ihr Auftrag?

Als ich begonnen habe, hatte ich darüber eine Diskussion mit Alejandro Plater. Es ging ihm um Kompetenz und Kultur, konkret: Wie können wir die Leute einladen, an der Veränderung aktiv teilzunehmen? Wir haben stark die Struktur geändert. Haben keine starren, hierarchischen Einheiten mehr. Wir arbeiten mehr in flexiblen Teams. Alejandro wollte eine offene, teamorientierte Kultur.

Wie hat die Belegschaft auf den Umbau reagiert?

Manche haben das nicht gemocht, speziell jene, die an Macht verloren. Andere wiederum haben den Wert für das Geschäft gesehen. Es war okay.

Ein Change-Prozess ist nie einfach. Was war Ihre Strategie, wie haben Sie die Mitarbeiter überzeugt?

Was wir wollten, war, dass die Leute stärker in Projekten zusammenarbeiten. Dafür haben wir eine Social Media Plattform geschaffen, wo sich Projekte und Menschen finden können. Das klappt ganz gut, muss sich aber noch besser entwickeln.

Auf welchen Erfolg sind Sie stolz?

Gute Frage. Ich bin stolz, dass die Leute froh waren, dass ich hier war.

Man hat also sogar einen Changemaker willkommen geheißen?

Ja. Überraschenderweise ja.

Ist es nicht schade, nach zwei Jahren zu gehen?

Ja, eindeutig. Wir müssen das auf meine Frau schieben. Es hat persönliche Gründe.

Die harten Aufgaben sind es also nicht, die Sie zum Gehen veranlassen?

Nein, es ist wirklich sehr schade. Denn im dritten Jahr könnte man die Früchte seiner Arbeit ernten. Das bleibt mir verwehrt.

Die Telekom Austria ist für die Österreicher speziell: ehemals staatlich, heute teilstaatlich, die Mehrheit gehört America Movil und dem Mexikaner Carlos Slim. Da treffen auch verschiedene Kulturen aneinander.

Einen Eigentümer wie America Movil zu haben, ist ein Gewinn. Für den Unternehmenserfolg und für die Kultur. Wir schaffen Möglichkeiten, Chancen – und streiten nicht mit Mitarbeitern. Es gibt eine Logik bei dem, was wir tun. Das wird von den Mitarbeitern auch verstanden. Auf der anderen Seiten verstehen die Mexikaner, dass das hier ein europäisches Modell ist, anders als das, was sie kennen. Das wird respektiert.

Sie haben die Österreicher schon beschrieben. Wie sind denn die Mexikaner aus Ihrer Sicht? Sie arbeiten eng mit CEO Alejandro Plater zusammen.

Das kann ich pauschal nicht sagen. Ich glaube, sie sind geschäftstüchtig, erfolgsgetrieben, hart. Einfach gute, solide Geschäftsleute.

Mit mehr Hire-and-Fire-Einstellung?

Das glaube ich nicht. Ich kenne viele America-Movil-Kollegen, die schon sehr lange dabei sind.

Glauben Sie, kann ein Weit-weg-Eigentümer überhaupt eine neue Kultur in eine Firma bringen?

Ich glaube, das ist schwierig – und auch nicht die Intention der mexikanischen Eigentümer.