Wirtschaft | Karriere
22.08.2018

Surf-Lehrer: „Habe schon 60-Jährige ausgebildet“

Ist der Job des Surflehrers so lässig, wie er aussieht? Johnny Nesslinger gibt Antworten.

KURIER: Das Image des Surflehrers ist sehr cool. Ist es auch der Job?

Johnny Nesslinger: Man muss sich vorstellen: Das Büro ist das Meer und man hat es tendenziell mit glücklichen Menschen zu tun. Das ist schon ziemlich cool.

Kann man vom Surfen leben?

Heute ja. Früher gab es viel weniger Surfschulen und Camps in Europa, sie hatten meist nur in den Sommerferien geöffnet. Für viele war es also ein Studentenjob. Heute gibt es Camps von Mai bis Oktober, vielerorts auch ganzjährig.

Braucht es im Winter Nebenjobs?

Gar nicht. Man muss aber vielleicht die Location wechseln. Viele machen die Sommersaison in Frankreich und die Wintersaison in Marokko, auf den Kanaren oder Bali. Es gibt immer noch Möglichkeiten für Studenten aber auch für Surfer, die sagen: Das ist mein Traumberuf.

Ist das nicht ein kostspieliges Leben?

Man verdient ja auch etwas. Der Flug kostet ein paar Hundert Euro und die Lebenskosten vor Ort sind meist niedrig. Es kommt auch darauf an, welchen Deal man mit dem Surfcamp vereinbart. Es gibt einige interessante Entlohnungsmodelle.

Sie haben den Surf-Verband Austrian Surfing in einem Land ohne Meer gegründet. Warum das?

Den Wellenreitverband in Österreich kann man sich in etwa so vorstellen, wie einen Skiverband in einem Land ohne Berge – oder das jamaikanische Bobteam aus dem Film „Cool Runnings“. Wir organisieren die Österreichischen Meisterschaften und bilden Lehrer für die Surfschulen aus. Ich habe in Österreich Sportwissenschaften und Sportmanagement und in Australien Surfing Studies studiert und dann den Verband aufgebaut. Da ich der Zweite in Europa war, der ISA-Lizenzen vergeben durfte und viel Zeit in die Entwicklung eines auch an Binnenländer adaptierten Ausbildungssystems gesteckt habe, hat sich das sehr gut entwickelt.

Gibt es eine Surf-Karriereleiter?

Man beginnt mit der Level-1-Ausbildung, mit der Level-2-Ausbildung kann man Headcoach, Camp- oder Surfschulleiter sein.

Wann ist man zu alt für den Job?

Ich habe schon Leute ausgebildet, die an die 60 gingen. Ich glaube, man macht es, solange man Spaß hat.

Schon mal gedacht: Der lernt das nie?

Jeder Mensch hat ein gewisses Potenzial: Der eine wird Weltmeister, der andere reitet höchstens eine kleine Welle ab. Viele wollen es einfach eine Woche lang ausprobieren und Spaß in ihrem Urlaub haben.

Ist es immer angenehm, den ganzen Tag im Wasser zu verbringen?

Wenn die Wellen und die Gruppe gut sind: ja. Wenn das Wasser eiskalt und die Surfbedingungen schlecht sind, ist es schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten.

Wie oft sind Sie Haien begegnet?

Haiattacken passieren hauptsächlich im kalten Wasser, in Südafrika, Santa Cruz oder Australien. Ich bin schon oft mit Delfinen gesurft, aber Haie habe ich in 21 Jahren noch keine gesehen.