© Bachhalm/Markus Wenzel

Interview
08/15/2021

Süße Lehre: Chocolatière wird zum Lehrberuf ernannt

Ausbilder Johannes Bachhalm über neue Perspektiven in der Welt der Schokolade.

von Theresa Kopper

KURIER: Herr Bachhalm, seit Jahren bilden Sie in Ihrem Betrieb junge Menschen zu Bonbon- und KonfektmacherInnen aus. Mit 1. August wurde der Lehrberuf aufgelassen und die Ausbildung zum Chocolatier/ zur Chocolatière neu eingeführt. Ein richtiger Schritt?

Johannes Bachhalm: Das ist definitiv ein wichtiger Schritt. Die Ausbildung zum/-r Bonbon- und KonfektmacherIn hat schon länger nicht mehr dem Zeitgeist entsprochen. Mit der neuen Ausbildung soll ein verstärkter Fokus auf das Produkt Schokolade und den Rohstoff gelegt werden. Aus meiner Sicht eine erfreuliche Entwicklung, da dies in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.

Was heißt das konkret?

Mir ist immer wieder aufgefallen, dass vor allem in der Berufsschule der Fokus sehr stark auf dem Konditorhandwerk lag, dabei ist das ein anderer Lehrberuf. Mit der neuen Ausbildung soll sich das ändern und der Fokus wirklich auf der Schokolade liegen.

Apropos ändern: Am Ende der dreijährigen Ausbildungszeit steht nun eine Meisterprüfung. Die Bonbon- und Konfektmacherlehre dauerte nur zwei Jahre, den Meisterabschluss gab es nicht. Will man durch die neue Perspektive mehr junge Leute von der Lehre überzeugen?

Ob dies das primäre Ziel ist, weiß ich nicht. Ich gehe aber schon davon aus, dass wir dadurch eine größere Zahl an jungen Menschen ansprechen können. Wir sind der erste Beruf, in dem der Meistertitel mit dem MBA gleichgestellt werden soll. Aktuell laufen die Verhandlungen. Wenn das durch ist, tun sich hier noch einmal völlig neue Perspektiven auf, die einen ungemein positiven Effekt auf das Image der Lehre haben könnten.

War es in der Vergangenheit denn schwer, Lehrlinge zu bekommen?

Zumindest in unserem Betrieb habe ich den Fachkräftemangel bis jetzt nicht drastisch gespürt. Was ich aber merke, ist ein Rückgang bei den Bewerbungen. Früher bekam ich auf eine Lehrstellenausschreibung rund 20 Bewerbungen, in den vergangenen Jahren waren es pro Ausschreibungen nur noch rund fünf. Ich hatte nie das Problem, überhaupt niemanden zu bekommen. Aber natürlich ist mir eine größere Auswahl lieber. Ich gehe schon davon aus, dass sich mit dem neuen Lehrberuf das Blatt hier wenden könnte.

Die Wirtschaftskammer nennt als Grund für die Einführung des Lehrberufs Chocolatier/ Chocolatière neue Entwicklungen innerhalb des Berufsfeldes, die die Ausbildung zum/-r Bonbon- und KonfektmacherIn nicht zur Gänze abgedeckt hätte. Welche neuen Entwicklungen sind das?

Es gibt mehrere. So wird beispielsweise dunkle Schokolade immer beliebter. Nicht falsch verstehen: Vollmilch-Schokolade wird nach wie vor am häufigsten verkauft. In den vergangenen Jahren merken wir aber einen starken Verkaufszahlen-Anstieg bei dunkler Schokolade. Und natürlich gibt es auch in unserem Bereich den Trend zur Nachhaltigkeit. Die Kunden sind heute aufgeklärter, verlangen Qualität auf allen Ebenen. Auch wenn das die Lehrlinge vielleicht nicht direkt betrifft, ihnen dieses Know-how und das Bewusstsein dafür früh zu vermitteln, ist essenziell.

 

Johannes Bachhalm liegt viel an der Ausbildung

Schon seit 1928 wird im Hause Bachhalm Schokolade hergestellt. Maître Chocolatier Johannes Bachhalm führt die Manufaktur im oberösterreichischen Kirchdorf in vierter Generation. Seit jeher spielt nicht nur Qualität und Nachhaltigkeit bei seinen Produkten eine wichtige Rolle, auch die Nachwuchsförderung hat im Betrieb einen hohen Stellenwert. Jahr für Jahr räumen seine Lehrlinge bei Landes- und Bundeslehrlingswettbewerben Preise ab. Der Betrieb ist zudem unter den Top Ten Lehrbetrieben Österreichs gelistet. Aktuell bildet Bachhalm drei Lehrlinge zum/-r Bonbon- und KonfektmacherIn aus. Sie machen im Herbst ihre Gesellenprüfung. Ab 1. September starten zudem zwei neue Lehrlinge ihre Ausbildung bei Bachhalm. Zum ersten Mal als Chocolatier/ Chocolatière.

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