Studie: Männer meinen, den Frauen geht’s eh gut

Familie
Foto: Eric Scherrer - Fotolia Und er? Nur 21 Prozent der berufstätigen Frauen bekommen von ihrem Partner Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Familiäre Verpflichtungen hindern 40 Prozent der Frauen am beruflichen Weiterkommen.

Gleichberechtigung ist für ihn kein Thema. Und: 79 % der Frauen bekommen vom Partner keine Hilfe bei der Kinderbetreuung.

Sechs Mal so viele Männer wie Frauen in Österreich glauben, dass Frauen in der Arbeitswelt gleich behandelt werden. 40 Prozent der berufstätigen Männer stimmen der Aussage zu: „Am Arbeitsplatz sind Frauen und Männer gleich“. Dieser Meinung sind nur sechs Prozent der befragten Frauen. Dafür kommt fast die Hälfte (48 %) zu der Einschätzung, bis zur tatsächlichen Gleichbehandlung sei es noch ein langer Weg in Österreich. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Managementberatung Accenture jedes Jahr zum Internationalen Frauentag veröffentlicht (befragt werden 3900 Personen in 31 Ländern).

Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für den Bereich Human Capital & Diversity, sieht darin nach wie vor einen Auftrag an alle Beteiligten: „Frauen müssen im Berufsleben immer noch viele Steine aus dem Weg räumen, bei allen Fortschritten der letzten Jahrzehnte. Ein besonders großer Brocken in Österreich ist der Glaube vieler Männer, dass die Chancengleichheit mittlerweile besteht oder so gut wie erreicht ist.“

Diese Wahrnehmung birgt die Gefahr für Arbeitgeber, nicht immer die optimale Personalentscheidung zu fällen. Arbeitet eine Frau zum Beispiel Teilzeit, weil sie Kinder hat, zieht ein Vorgesetzter sie oft aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht in Betracht für eine Position mit mehr Verantwortung – selbst wenn sie die beste Kandidatin dafür ist.

„Kein Arbeitgeber gesteht sich gerne ein, dass bei ihm keine Chancengleichheit herrscht. Das entspricht nicht der gesellschaftlich akzeptierten Meinung“, sagt Catrin Hinkel. „Es ist einfacher zu glauben, das Problem der Chancenungleichheit sei behoben, als eine Lösung dafür zu finden.“

Die Familie bremst (leider)

Immerhin 44 Prozent der berufstätigen Frauen in Österreich sagen, dass ihr berufliches Fortkommen gelitten hat, seit sie Mütter sind (Väter: 20 %). Nur 17 Prozent können auf Kinderbetreuung zurückgreifen, gravierend weniger als in Deutschland (50 Prozent). 21 Prozent der berufstätigen Mütter können auf den (Ehe-)Partner zählen, wenn es um die Betreuung der Kinder geht, jedoch 52 Prozent der Männer. Familiäre Verpflichtungen allgemein hindern 40 Prozent der Frauen am beruflichen Weiterkommen (Männer: 10 %).

„Viele Frauen steigen nach der Geburt ihrer Kinder nicht auf ihren vorherigen Positionen wieder ein und erreichen später nicht die Positionen, die sie von ihrer Qualifikation her bekleiden könnten“, sagt Catrin Hinkel. „Dieser Brain Drain wirkt schwerer als alle Ab- und Auswanderung. Arbeitgeber sollten sich das nicht länger leisten.“

Karrierechancen: Selbst ist die Frau

Aktiv sein Nur 40 Prozent der von Accenture befragten Frauen geben an, ihre Karriere auch wirklich aktiv zu managen (Männer: 54 Prozent). Doch tatsächlich spricht jede dritte nie oder selten mit ihrem Vorgesetzen über ihre zukünftige Entwicklung (Männer: 40 Prozent).
Positiv ist: Frauen werden selbstbewusster. Der Anteil der Frauen, die ihren Arbeitgeber auf eine Beförderung angesprochen haben, hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt (von 18 auf 32 Prozent). 63 Prozent waren damit erfolgreich, ebenfalls fast doppelt so viele wie im Jahr davor.

(kurier / s.b.) Erstellt am
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