So gelingt der Frühjahrsputz am Arbeitsplatz

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Foto: Getty Images/istockphoto/ExperienceInteriors/istockphoto Am Schreibtisch: Alles wieder in Ordnung.

Leere Flächen laden förmlich dazu ein, sich auszubreiten. Weshalb sich beruflicher und privater Kram oft bis über die Schreibtischkante hinaus erstrecken. Das ist nicht unbedingt schlimm, aber auch nicht sehr effizient.

Der perfekte Schreibtisch ist leer, sauber und hell. Kleine Details verschmelzen mit der frisch polierten Arbeitsplatte: pastellfarbene Boxen und Gläser mit zarten Rüschen und bunten Knöpfen, hübsche Notizbüchlein, ein dekorierter Stiftehalter. Dazu kommen eine Lampe in Edelmetall oder Weiß, ein Kaffeebecher mit Spruch (philosophisch), Kante auf Kante gestapelte Bücher (intellektuell), geometrisch ausgerichtete Fotos von sehr vielen Freunden an der Pinnwand, ein Designer-Laptop und eine Vase mit Tulpen.

So viel zu dem, was Instagram für den idealen Schreibtisch hält. Wenn wir ehrlich sind, sehen die meisten eher so aus: abgenutzte Tischplatte, Bücher-, Zeitschriften und Zettel-Berge, Werbegeschenk-Kulis, Ordner und Mappen. Der Kaffeebecher mit philosophischem Spruch ist dem Geschirrspüler zum Opfer gefallen und trägt nun eine lustige Aufschrift. Die Fotos auf der Pinnwand sind zufällig angeordnet. Es gibt keine Vase, keine Tulpen.

Orientiert bleiben

Das bedeutet noch lange nicht, dass wir im Chaos verschwinden, unstrukturiert sind oder keinen Sinn für Stil haben. Wir nutzen den Schreibtisch eben zum Arbeiten. "Meist ist es ja nur für andere chaotisch, die diese Ordnung bloß noch nicht verstanden haben", beruhigt Alexander M. Schmid alias Der Vereinfacher, der Freelancer und Unternehmer bei der Vereinfachung ihres Arbeitsalltages berät. Bedenklich wird es erst, wenn man selbst die Orientierung verliert. Hier versprechen einige Methoden Abhilfe, etwa eine namens 6S – sortieren, systematisch anordnen, säubern, standardisieren, Selbstdisziplin, Sicherheit – nach japanischem Vorbild oder das Eisenhower-Prinzip, bei dem der Tisch in vier Felder aufgeteilt und priorisiert wird. Angeblich das Geheimnis einiger US-Präsidenten.

Clean-Desk: Ja, aber...

Schmid selbst bevorzugt die Clean-Desk-Variante. Dadurch wird der Schreibtisch nicht gleich Instagram-tauglich, aber wir finden uns zurecht und bleiben konzentriert. In Griffweite liegen nur Unterlagen und Materialien, die für die jeweilige Aufgabe benötigt werden. Immer dabei ist vermutlich das Telefon, bei Rechtshändern auf der linken Schreibtischhälfte, und der Notizblock rechts. Alles, was ablenkt und ein unbehagliches Gefühl hervorruft, wird außer Sichtweite verstaut, unbezahlte Rechnungen etwa kommen in ein Ablagesystem auf oder neben dem Tisch. Ein wenig dauert das Hin- und Herräumen schon, sagt Schmid. Aber seiner Erfahrung nach kostet die Ablenkung am Arbeitsplatz weit mehr Zeit.

Adieu, Schlechte-Laune-Macher

Das Foto des Ex-Partners wird kaum jemand auf den Schreibtisch stellen, andere private Gegenstände haben aber durchaus ihre Berechtigung – auch auf der Tischplatte. Und natürlich auch eine Topfpflanze oder ein Strauß Frühlingsblumen. "So lange es ein gutes Gefühl in einem hervorruft, ist es sicher keine Ablenkung im eigentlichen Sinne", meint Schmid. Denn: "Ablenkung ist alles, was uns daran hindert, zu fokussieren und beim Thema zu bleiben." Die Clean-Desk-Methode muss allerdings nicht für jeden die richtige sein. "Wer mit der Leere eines Schreibtisches gar nicht zurechtkommt, wird ihn automatisch mit Dingen belegen. Trotzdem: Schlechte-Laune-Macher sollten vom Tisch entfernt werden." Zum Beispiel wirkt der Anblick eines Kabelsalates wohl ebenso wenig als Stimmungsaufheller wie es die Salatreste vom Mittagessen tun.

Bereit für einen Schreibtisch-Frühjahrsputz? Eine relativ einfache Methode ist die des Simplify-Your-Life-Experten Werner Tiki Küstenmacher, sagt Schmid: Was noch gebraucht wird, kommt in die Ablage. Was weg kann, wird sofort entsorgt. Über das Schicksal von allem, was vielleicht bleibt, wird im zweiten Durchlauf entschieden. Regelmäßig angewendet, schrumpfen so die Papierberge bzw. sie wachsen weniger schnell nach.

- Sabine Karrer

(kurier) Erstellt am
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