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Wirtschaft Karriere
04/10/2021

Sprechtrainerin Diana Dressler über den Einfluss der Stimme auf die Karriere

Die Stimm- und Sprechtrainerin Diana Dressler im Interview über den Einfluss der Stimme und Sprache auf die Karriere

von Theresa Kopper

KURIER: Frau Dressler, Studien zeigen, dass Personalbetreuer Jobanwärter mit einer guten Stimme und Sprechweise anderen vorziehen. Determiniert unsere Stimme unsere Karriere?

Diana Dressler: Sie spielt definitiv eine wichtige Rolle. Besonders beim ersten Kontakt beurteilen wir den Menschen sehr stark nach dem Klang seiner Stimme. Das passiert ganz unbewusst. Man kennt das ja auch aus dem Privaten: Sie treffen jemanden zum ersten Mal, finden denjenigen attraktiv – so lange bis er oder sie zu sprechen beginnt. Oder natürlich andersherum. Erst die Stimme macht jemanden interessant.

Was sagt denn die Stimme über einen Menschen aus?

Sehr viel. Wir hören durch die Art und Weise, wie jemand spricht, wie er sich fühlt und wie überzeugt er von dem ist, was er sagt. Außerdem gibt es Studien darüber, dass Menschen, die hochdeutsch sprechen, öfter in höheren Gehaltsklassen agieren. Die Stimme ist zudem ein wichtiges Statussymbol. Denn wie viel Zeit wir uns beim Sprechen nehmen und wie viel Raum wir unserer Stimme geben, sagt etwas darüber aus, welchen Status wir als Sprecher haben. Dunkle Stimmen beispielsweise werden eher einem Anführer zugeschrieben.

Menschen mit einer Piepsstimme haben es also schwerer, die Karriereleiter hinaufzuklettern?

So würde ich das nicht sagen. Ich kann auch mit einer leisen Stimme sehr bestimmt sagen, was ich will. Die Indifferenzlage der Stimme kann man nicht ändern, sie ist genetisch angelegt. Was man allerdings steuern kann, ist, in welcher Stimmlage man spricht. Entspannt zu sprechen, wenn es darauf ankommt, souverän zu klingen, ruhig zu atmen und mit der Stimme zu führen - das passiert, indem man sich bestimmte Prozesse bewusst macht.

Was Sie sagen, ist, dass Menschen, die heiser oder nasal sprechen, nicht gleich weniger Chancen haben. Sie können ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Genau. Durch Training werden wir von Stimmbesitzern zu Stimmbenutzern. Wir können lernen, unsere Stimme flexibel einzusetzen und die Tonalität so zu verändern, dass wir beispielsweise motivierend klingen, auch wenn wir uns müde oder leidenschaftslos fühlen.

Wenn wir dann unseren optimalen Klang gefunden haben, nehmen wir unser Umfeld privat und beruflich für uns ein?

Es ist wirklich so. Wenn jemand seine Stimme trainiert, färbt das auf Ausstrahlung und Persönlichkeit ab. Das passiert über unser Nervensystem. Flüsterer etwa, die lernen, lauter zu sprechen, werden selbstbewusster. Einfach dadurch, dass sie sich der Kraft ihrer Stimme bewusst werden .

Und was kann man tun, wenn das Lampenfieber auf unsere Stimme übergreift?

Wenn wir nervös sind, sprechen wir automatisch höher. Wir können hier eingreifen, indem wir zum Beispiel während des Einatmens die Zehen anheben. Das sieht niemand, aktiviert aber sofort unsere Tiefatmung und bestimmte Kehlkopfmuskeln, sodass die Stimmlippen wieder besser schwingen. Wir spüren dann den Zugriff auf unsere Stimme ähnlich einem Formel1-Piloten, der in seinem Wagen die Bodenhaftung der Reifen spüren kann. Das gibt uns Sicherheit und wir sind der Situation nicht mehr so ausgeliefert.

Derzeit sitzen wir alle sehr häufig vor dem Computer und interagieren in Videokonferenzen mit unseren Kollegen. Worauf gilt es dabei zu achten?

Vor dem Bildschirm neigen wir oft dazu, unsere Körperhaltung diesem anzupassen. Viele Menschen sitzen gekrümmt und mit dem Kopf nach vorne geneigt vor dem Laptop. Dadurch verengen sich unsere Resonanzräume und unsere Stimme kann ihr volles Potenzial nicht mehr entfalten. Gut ist immer eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen, den Bildschirm nach Möglichkeit zu erhöhen und den Winkel zwischen Kinn und Hals nicht abzuknicken. Zudem sollte man sicherstellen, dass der Raum vor einem längeren Online-Meeting oder –Vortrag gut gelüftet ist. Und natürlich viel Wasser trinken. Das erspart in vielen Fällen das lästige Räuspern.

Haben Sie auch einen Tipp, wie man sich in einem unruhigen Meeting wieder Gehör verschaffen kann?

Unruhe ist immer ein Zeichen mangelnder Aufmerksamkeit. Am besten überlegt man sich deshalb schon vor einem Meeting, wie ich die Aufmerksamkeit der Teilnehmer gewinne. Das muss nicht ausschließlich über die Stimme sein, sondern kann auch durch Humor oder das Führen eines Dialogs passieren. Ich empfehle auch, Pausen beim Sprechen zu nutzen. Diese schaffen Aufmerksamkeit.

Wie würden Sie eigentlich die optimale Stimme beschreiben?

Die meisten Menschen bevorzugen eine weiche und warme Stimme mit einer deutlichen Aussprache. Ein Patentrezept gibt es aber nicht. Gut ist jedenfalls Flexibilität. Wenn ich meine Stimme den unterschiedlichsten Situationen anpassen kann, ist meistens schon sehr viel gewonnen.

Vorzeige-Rednerin

Michelle Obama rockt rhetorisch die Bühne 

Die ehemalige First Lady der USA weiß, wie man das Publikum in seinen Bann zieht. Sie gibt sich stets anmutig und nahbar, gleichzeitig sprudeln ihre Reden vor Emotionen. Sie schafft es, ihrem Publikum in kürzester Zeit etwas mitzugeben, das berührt und motiviert. Ihre Botschaften sind dabei  in knackige Aussagen verpackt. Eines der berühmtesten Beispiele ist  der Satz: „When they go low, we go high“ (frei übersetzt: Wenn die anderen sich nicht benehmen können, antworten wir mit Anstand). 

Authentischer Stil

Rhetorik-Regeln lässt Elon Musk links liegen

Die vielen lehrbuchmäßigen Aspekte, die einen guten Redner ausmachen, scheint Elon Musk in seinen Präsentationen konsequent zu ignorieren. Der Tesla-Chef verhaspelt sich beim Reden oft, setzt künstlerische Pausen an den falschen Stellen oder verliert sich in abstrakten Details. Trotzdem hängen die Zuhörer regelmäßig an seinen Lippen. Sein Erfolgsgeheimnis: Authentizität. Musk ist enorm überzeugt von seinen Ideen und vermittelt diese mit einer derartigen Leidenschaft, dass die Rhetorik in den Hintergrund rückt. 

 Keine Meisterin

Angela Merkel tritt staatsmännisch auf

 

Die deutsche Kanzlerin ist nicht als Meisterin der Rhetorik  bekannt. Ihre Reden klingen nicht elegant, sie neigt dazu, Füllwörter aneinanderzureihen.  Obwohl ihr staatsmännisches Auftreten kennzeichnend ist, wirken ihre Sätze aber keineswegs emotionslos. Sie bittet „herzlich“,  findet andere „lieb“ – alles häufig hervorgeholte Vokabeln. Und dann sind da noch Sätze, die aus Merkels Sprachfluss einfach herauspurzeln. Unter ihnen dürfte der Ausruf „Wir schaffen das!“ derjenige sein, der  ihr markantestes rhetorisches Vermächtnis bleibt. 

 Legendärer Verkäufer

Steve Jobs verstand es, Träume zu verkaufen

 

Der Apple-Gründer gilt auch Jahre nach seinem Tod als  Star der Rhetorik-Welt. Er überzeugte Kunden von seinen Produkten, in dem  er  den Traum der perfekten Welt gleich mitverkaufte.  Keine seiner Präsentation kam dabei ohne ein emotionsgeladenes Ereignis aus.   So sprach Jobs  2007 von „drei revolutionären Produkten“: ein iPod, ein Mobiltelefon und ein Internet-Kommunikationsgerät.  „Das sind nicht drei verschiedene Geräte“, so Jobs damals. „Das ist dasselbe Gerät!“ Die Zuhörer brachen in Beifallsstürme aus. 

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