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Wirtschaft | Karriere
06/22/2019

Sinnloses Surfen im Netz: „Digitales Junkfood macht doof“

Gastkommentar von der Bestsellerautorin, Vortragsrednerin, Internetveteranin und Digital-Detox-Pionierin Anitra Eggler.

Kennen Sie das Sinnlos-Surf-Syndrom? Die Definition wird Sie vor Mausrutschern bewahren. Unter Sinnlos-Surf-Syndrom versteht man zielloses Surfen, das zu gravierendem Zeit-, Konzentrations- und Hirnverlust führt. Weil das Hirn von Sinnlos-Surfern in Reizüberflutung ertrinkt, scheitern Betroffene in kürzester Zeit auch an der Lektüre einfachster Texte, etwa auf Wahlplakaten.

Frustriert stimmen sie fortan allem ungelesen zu. Wenn sie etwas nicht verstehen, fragen sie Google und glauben, was ganz oben steht sei besonders wahr und relevant – dabei sind das Google-AdWords, bezahlte Anzeigen.

Je mehr Sinnlos-Surfer klicken, desto mehr Kick braucht der Klickreiz. Deshalb ist das Web inzwischen voller Klickköder. Essensfotos, Schminktutorials, Katzenvideos, Promiselfies, Spaaaaaaaaaß, Frontalcrashs, Hass, Häme, Hetze … – Social Media liefern digitales Junkfood in Klickgeschwindigkeit.

In kontrollierten Dosen ist digitales Junkfood wie ein Stück Schokolade bei Unterzucker – absolut o. k. In Überdosis wirkt es wie Pizza und Pommes als singuläres Ernährungskonzept. Möchten Sie wissen, wie die Frau aussieht, die sich jahrelang nur von Pizza und Pommes ernährt hat?

Nein? Bestens.

Das war ein Klickköder. Inhalte, die so reißerisch und Neugier stimulierend angepriesen werden, dass sie geklickt werden. Meist verbirgt sich dahinter nur heiße Luft: ein Dreizeiler, ein unappetitliches Foto oder Video. Weil das Monatsergebnis der meisten Seitenbetreiber am Klick hängt, werden immer mehr und immer krassere Köder ausgelegt, als Suchergebnisse gelistet, auf Medienseiten als Kleinanzeigen zweitplatziert und in Social Media menschenverstandsfrei geteilt.

Wahrheit? Relevanz? Hauptsache, es klickt! Der Existenzdruck diktiert das Niveau: Wer keine Klicks bekommt, kann keine Werbung ausliefern. Wer keine Werbung ausliefern kann, kann seine Seite nicht finanzieren und ist dann im wahrsten Sinne mausetot. Belohnen Sie das Blöde nicht mit Ihrem Klick. Nehmen Sie Ihre Maus an die kurze Leine. Konfigurieren Sie die Einstellungen von Google und Social Media. Lassen Sie sich Relevanz nicht von einem Algorithmus filtern, sondern von Ihrem kritischen Menschenverstand!

Kontakt: karriere@kurier.at

Anitra Eggler ist Bestsellerautorin, Internetveteranin und Digital-Detox-Pionierin. Als Vortragsrednerin zählt sie zu den gefragtesten Referentinnen unserer Zeit. Ihr aktueller Besteller "Mail halten! Die beste Selbstverteidigung gegen E-Mail-Wahnsinn, Handy-Terror und digitale Dauerablenkung" (erschienen bei Like Publishing, 4. Auflage, 24,95 Euro) hilft mit über 100 Tipps, das Beste aus der Digitalisierung rauszuholen. Das Internet-Ich der Autorin finden Sie hier: https://www.anitra-eggler.com.