Oliver Bahnasy (23), Architektur-Student aus Wien, gehört zur Gen-Praktikum

© KURIER/Gilbert Novy

Praktika

Sind Praktika Einstieg in den Job oder eher Ausbeutung?

Mit 18 Jahren Maturant, mit 21 Bachelor, mit 23 Master. In Mindeststudienzeit und mit Bestnoten. Danach ins Berufsleben einzusteigen, ist oft trotzdem schwer. Praktika sollen dies erleichtern. Aber tun sie das wirklich?

08/12/2017, 06:00 AM

"Generation Praktikum" wird sie gerne genannt. Das Schlagwort geistert schon lange durch die Medien. Der Mythos h√§lt sich hartn√§ckig: Ein Bachelor- oder Masterabschluss alleine scheint heute kein Garant mehr daf√ľr zu sein, direkt nach dem Studium einen Job zu finden. Minderbezahlte Praktika ersetzen heute zunehmend den herk√∂mmlichen Berufseinstieg.

Praktika und Volontariate sollen Studierenden die M√∂glichkeit geben, schon w√§hrend des Studiums Erfahrungen zu sammeln und den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern. Einige Fragen muss man sich dabei aber stellen: Wer profitiert wirklich von Praktika? Werden Praktikanten nur ausgenutzt, zu wenig entlohnt und d√ľrfen am Ende sowieso keine Verantwortung √ľbernehmen? Mangelnde soziale Absicherung, Umgehungsvertr√§ge, Ausbeutung als vollwertige Arbeitskr√§fte sind dabei die Hauptkritikpunkte. Vieles sei jedoch Schwarzmalerei und entspricht nur teilweise der Realit√§t. Eine Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) aus dem Jahr 2013 zeigt aber, dass 13 Prozent auch nach Studienabschluss noch mindestens ein Praktikum absolvieren. Ein Viertel davon ist unbezahlt.

Wie sieht das die Jugend?

Zu diesem Thema haben wir uns mit einem Architektur-Studenten aus Wien unterhalten. Oliver Bahnasy glaubt, man h√§tte ohne Praktika anfangs wenig Chance, sich am Arbeitsmarkt zu behaupten. Arbeitgeber wollen keine blutigen Anf√§nger, die nur theoretisch √ľber die Materie Bescheid wissen, sagt er. "Ich bin zwar immer gut behandelt worden, habe aber von Kollegen geh√∂rt, dass Praktikanten oft ausgenutzt werden, gerade wenn es um die Bezahlung geht. Trotzdem ist es der perfekte Einstieg und erm√∂glicht einem schnelle Aufstiegsm√∂glichkeiten zur Festanstellung", meint der 23-J√§hrige.

Und trotzdem ist Bahnasy der Meinung, dass eine geringere Bezahlung von Praktikanten gegen√ľber Festangestellten grunds√§tzlich gerechtfertigt ist.

Wie sehen das Unternehmen?

Dominik Gries, Pressesprecher der Wiener Linien, hat dazu Stellung genommen. F√ľr das Unternehmen ist es wichtig, Praktikanten die M√∂glichkeit zu geben, ins Unternehmen zu schnuppern, um junge Talente zu identifizieren. Die Wiener Linien m√∂chten sich dadurch auch als attraktiver Arbeitgeber pr√§sentieren. Keine Entlohnung f√ľr Praktikanten h√§lt er f√ľr unfair: "Sie sollten selbstverst√§ndlich nicht unbezahlt bleiben. Wir erwarten ja auch etwas von ihnen." Es sei aber branchenabh√§ngig, wie schwer es Uni-Absolventen h√§tten, aus ihrem Praktikums-Dasein in die Vollbesch√§ftigung umzusteigen.

Auch der Lebensmittelriese Hofer KG sieht in einem Praktikumsverh√§ltnis eine Win-win-Situation f√ľr beide Seiten. H√§ufig arbeiten ehemalige Praktikanten nach Beendigung ihres Studiums im Unternehmen sogar weiter. Wie uns Hofer schriftlich best√§tigt, werden Management-Praktikanten dabei mit einem Bruttomonatsgehalt von 2400 Euro √ľberdurchschnittlich entlohnt. Das Unternehmen betrachtet dies als Investition in die Zukunft.

Die Rechtssituationf√ľr Praktikanten ist laut Bundesministerium f√ľr Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz nicht immer eindeutig. Zumeist handle es sich dabei nicht um regul√§re Arbeitsverh√§ltnisse, sondern um ein freies Dienst- oder Ausbildungsverh√§ltnis. Diese unterliegen grunds√§tzlich nicht dem Schutz des Arbeitsrechts, was unter anderem kein Gehalt nach dem Kollektivvertrag beinhaltet.

Weder ein schneller Studienabschluss, noch Praktikumsnachweise im Lebenslauf sind ein Garant daf√ľr, nach dem Studium sofort in die Vollbesch√§ftigung einzusteigen. Gute Nachrichten gibt es f√ľr Studierende trotzdem: Dem AbsolventInnen-Tracking der Universit√§t Wien zufolge finden Studienabg√§nger je nach Studienrichtung durchschnittlich nach 3 (Bachelor) bzw. 2,5 Monaten (Master) eine Festanstellung.

- Barbara Heiss

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