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Wirtschaft Karriere
10/30/2012

"Sicherheiten gibt es keine mehr"

Gesundheitsökonom Bernhard Rupp über die Gefahr der Erpressbarkeit im Job und das Finden von Alternativen für mehr Standfestigkeit.

von Sandra Baierl

Bernhard Rupp ist Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der Arbeiterkammer Niederösterreich sowie FH-Lehrbeauftragter (Thema: Gesundheitsökonomie). Er rät, sich eine Überlebenstaktik zuzulegen.

 

KURIER: Der totale Fokus auf den Job birgt Gefahren.

Bernhard Rupp: Ja,  die Gefahr der absoluten Erpressbarkeit bei Abhängigkeit von einem Job ist gegeben. Firmenchefs fordern Flexibilität,   immer stärkeres unternehmerisches Denken, die totale Hingabe.  Aber sie bieten keine Sicherheit mehr, das einzig Sichere in der heutigen Arbeitswelt ist die Unsicherheit.  Das sollte Arbeitnehmer dazu ermuntern, nicht mehr nur auf ein Pferd zu setzen, sondern – wie es ihre Dienstgeber ja verlangen – unternehmerischer zu denken und ihr Abhängigkeitsrisiko zu vermindern – gefühlsmäßig und ökonomisch.

Die meisten Dienstverträge schließen Nebenjobs aus. Das lässt sich auch  zeitlich schwer vereinbaren.

Das ist eine Frage der individuellen Gestaltung. Ich meine  nicht zwingend, dass man sich parallel in zusätzlichen Jobs zu Tode arbeitet, sondern nebenbei ein  kleines Standbein aufbaut – mit seinem eigenen Garten, künstlerischer Betätigung oder Nachbarschaftshilfe. Durch  diese Verbreiterung des Portfolios  mindere ich meine psychologische und teilweise auch die ökonomische Erpressbarkeit.

Kann man sich so tatsächlich gegen Krisen wappnen?

Man kann das lernen, sich auch geistig trainieren. Die Frage ist, wie man mit existenziellen Krisen umgeht. Das reicht von  Optimismus bis hin zur Einstellung ,Ich habe es in der Hand und verändere etwas’,  dass man sich nicht unterkriegen lässt. Netzwerken in der Familie und in der Gemeinde ist ressourcenstärkend. Wichtig ist auch, sich Verbündete zu suchen, die Krise verstehbar und bewältigbar zu machen.

Sich unabhängig von seiner Arbeit zu machen klingt so einfach, hängt davon doch die Existenz ab.

Das stimmt. Zum Glück haben wir  ein Sozialsystem, in dem niemand buchstäblich verhungern muss. Angesichts des sich stark wandelnden Arbeitsmarktes  mit immer häufigeren erwerbslosen Phasen bräuchten wir aber eine   innovative Arbeitsmarktpolitik, die Sicherheit und Förderung der persönlichen Weiterentwicklung gleichermaßen bietet. 

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