Sprich mit Dir selbst, rät Business-Coach Petra Ilic.

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Motivation
03/04/2016

Selbstgespräche in Du-Form

Nur etwas für Verrückte oder das Geheimnis hinter einer selbstbewussten Performance? Psychologen enthüllen einen einfachen Trick, wie man sich selbst ein innerer Mentor sein kann.

von Teresa Richter-Trummer

Vor der Projektpräsentation: "Du kannst das!". Nach der vermasselten Gehaltsverhandlung:"Ich Idiotin!". Vor dem Job-Interview:"Ich bin gaaanz cool". "Meiner Erfahrung nach führen die meisten Menschen Selbstgespräche. Manche erleben innere Diskussionen, bei anderen ist es ein leises Abwägen. Manche Menschen führen ihre Dialoge mit sich selbst laut, die meisten aber innerlich", weiß Business Coach Petra Ilic um den ständigen Strom an Worten, die wir an uns selbst richten. Daran ist per se nichts Schlechtes oder gar Verrücktes. Was den meisten aber nicht bewusst ist: Unsere stillen Selbstgespräche haben große praktische Konsequenzen: Sie entscheiden nämlich darüber, ob wir in stressigen Situationen souverän und überlegt bleiben, oder nicht.

Der US-Psychologe Ethan Kross hat nun herausgefunden, was das Geheimnis des erfolgreichen Selbstgespräches ist: Entscheidend ist, wie wir uns selbst ansprechen. Verwenden wir dabei ein "Du" oder unseren Vornamen, gibt das deutlich mehr Souveränität als ein "Ich" . Er konnte zeigen: Ein inneres "Du kannst das", wirkt stärker als ein "Ich kann das". Und es gibt einen Extrabonus: Wer mit sich selbst in der Du-Form spricht, schützt sich auch vor dem selbstzerstörerischen Grübeln nach einem Patzer.

Als Grund dafür nennt Kross die innere Distanz, die wir damit sprachlich zu uns selbst schaffen. Man schiebt den Fokus weg vom Selbst, nimmt sich Ängste und bleibt gelassener – vor allem wenn man gelernt hat, seine Selbstgespräche in einer nüchternen, aber motivierenden Art und Weise zu führen.

Eine kraftvolle Ressource

Der Grundstock für die Form unserer Selbstgespräche wird in der Kindheit gelegt. Aber: Kann man auch als Erwachsener lernen, sie in eine positive Richtung zu lenken – sich also eine Art innerer Mentor zu werden? "Bei anstrengenden sportlichen Leistungen erleben wir häufig, dass wir uns ganz unbewusst und automatisiert selbst anfeuern und motivieren. Diese Kompetenz tragen wir also in uns und können sie auch in anderen herausfordernden Situationen gut nutzen", meint dazu Ilic. So ist es zum Beispiel sehr hilfreich, sich vor einem wichtigen beruflichen Gespräch die eigenen Stärken im Selbstgespräch vor Augen zu führen und mit diesem Bewusstsein in die Situation zu gehen. Damit das gut funktioniert, muss es aber auch geübt werden, so der Coach. Dabei gilt: "Je häufiger wir uns unsere Stärken im Selbstgespräch bewusst machen, umso einfacher können wir dies auch in schwierigen Situationen abrufen und erlangen damit eine kraftvolle Ressource." Eine andere gute Übung, um die positiven Stimmen in uns zu stärken ist es laut Ilic, sich einmal pro Tag für etwas zu loben, das man gut gemacht hat.

Und wie gelingt es, den inneren Kritiker in Schach zu halten, der sich immer wieder zu Wort meldet und oft viel Selbstbewusstsein kostet? "Die inneren Kritiker sind meist gut bekannt, sehr aktiv und nicht besonders beliebt", so die Expertin. Ihr Schutz davor:"Es soll nicht unser Ziel sein, sie ruhig zu stellen. Auch sie haben wichtige Anliegen, wollen wahrgenommen und gewürdigt werden. Wenn wir das erkennen, können wir kritische Stimmen sogar für uns nutzbar machen."

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