Wingwave-Coaches versprechen durch Winkbewegungen vor den Augen berufliche Ängste und Blockaden in nur wenigen Sitzungen zu reduzieren.

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Wirtschaft Karriere
06/22/2016

Sag zum Stress winke-winke

wingwave-Coaches versprechen durch Winkbewegungen vor den Augen berufliche Ängste und Blockaden in nur wenigen Sitzungen zu reduzieren. Die ungewöhnliche Coaching-Methode im JOB-KURIER-Test.

von Teresa Richter-Trummer

Fünf Minuten, die Ihr Leben verändern können! Lesen Sie hier, WIE! wingwave Coaching, so lese ich ob der schreienden Werbung also weiter, ist eine Kurzzeit-Coachingmethode, mit der Ängste und Blockaden rasch neutralisiert werden. Die Erleichterung sei sofort spürbar.

Echt jetzt? Die Probe aufs Exempel findet am Montag im Studio der CTC Academy statt. Karl Wegmaier, Businesscoach und wingwave-Lehrtrainer führt mich in ein kleines Beratungszimmer. Psycho-Couch ist keine zu sehen. Nur zwei schwarze Business-Sessel, davor ein Glas Wasser und eine gelbe Wand. Alles gut.

Trotzdem bin ich nervös. Was erwartet mich? Wegmaier erklärt, wie wingwave funktioniert: Er nutzt eine Technik, die der Körper im Schlaf zur Verarbeitung verwendet, nämlich die schnellen Augenbewegungen, auch REM-Phasen genannt. Diese stellt er durch Handbewegungen im Wachzustand her. Ich verstehe – und doch nicht ganz. Ist das alles nur ein großer Schmäh? Für 120 Euro pro Stunde? Werde ich gar hypnotisiert? Stress kommt auf. Ich kichere nervös.

Ruhe jetzt

Wegmaiers sonore Stimme und Professionalität beruhigen mich wieder. Genau um Stress soll es ja gehen. Die Methode, so sagt er, hilft bei Schlafstörungen bis hin zu Präsentations- und Auftrittsängsten. Ich wünsche mir eine Stärkung von Ressourcen, mehr Ruhe und Gelassenheit. Ein wingwave-Coach, erfahre ich, braucht gar nicht viel Konkretes über das Problem zu erfahren. Trotzdem muss ich mir in die Karten schauen lassen: Ein, zwei Situationen aus dem beruflichen Alltag beschreiben, die mich zuletzt gestresst habe. Mittels Muskeltest – ich drücke Zeigefinger und Daumen zusammen, Wegmaier versucht, die Finger auseinander zu ziehen – testen wir, ob ich für das wingwave-Coaching bereit bin. Bin ich.

Mit den Muskeltests geht es auch weiter. Meine Aufgabe ist es, auf die gelbe Wand zu schauen, die Stress-Situation Revue passieren zu lassen und Wegmaiers Fragen zuzuhören: Ist der Stress körperlich? Finger zu. (Nein) Emotional? Finger auf. (Ja) Spüre ich Wut, Ärger, Traurigkeit, Gefangenheit ..? Viele Fragen. Die Finger geben dem Coach Auskunft. Dann folgt das erste "Winken": Wegmaier bewegt Zeige- und Mittelfinger vor meinem Gesichtsfeld, ich versuche, mit den Augen zu folgen. Ich fühle mich, als würde ich einem Tennismatch im Fast-Forward zusehen. Irgendwann werde ich müde. Entspannt? Auch. Zwischendurch besprechen wir meine Gefühlslage: Wo spüre ich den Stress? Wie will ich auf ihn reagieren? Wegmaier macht sich Notizen. Testet wieder die Muskelspannung. "Winkt" vor dem Gesicht. Erklärt. Dann ist das Coaching vorbei.

Wie fühle ich mich? Verstanden, dass auch die kleinen Stressoren zu großen Nervtötern werden können. Ernst genommen, dass auch sie behandelt werden sollten. Zuversichtlich, ihnen in Zukunft mit mehr Ruhe und Gelassenheit begegnen zu können. Am nächsten Tag plagen mich aber Kopfschmerzen und Muskelkater in Daumen- und Zeigefinger. Und der Stress? Der hat Pause.

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