Wirtschaft | Karriere
30.01.2013

„Säcke voller Ideen zu Haus“

Axl Schreder mischt mit seinen Konzepten jetzt das Café Français auf

Die Nacht war lang. Der Wein für die neue Weinkarte musste verkostet werden. Axl Schreder wirft seinen verschlafenen Blick über die Tische des Lokals. Es ist Mittwochmorgen und das noch nicht einmal offiziell eröffnete Café Français vis à vis der Votivkirche ist voll. Er begrüßt die Gäste mit festem Handschlag, einem offenen Lachen, Küsschen links, Küsschen rechts. Den 44-jährigen Kreativen hat es in die Gastronomie verschlagen. Und weil er einfach das macht, was ihm Spaß macht, ist er jetzt Geschäftspartner von Langzeitgastronom und Eigentümer Rene Steindachner.

„Ich brauch’ Bewegung. Mir liegt das Entwickeln, das Aufbauen einer Idee. Ich sehe mich hier als Konzeptionist, nicht als Gastronom“. Sein neues Café-Projekt ist ein Full-Time-Job. Er spricht von Lichtdesign, der französischen Musik, alten Sofas im Eingang. „Wiener Schmäh und französische Leichtigkeit“ will er in die Stadt bringen, das würde sie brauchen. Ein unruhiger Geist hat sich in eine neue Idee verbissen.

„Zu kreativ, nochmal bitte“ Der Oberösterreicher fühlt sich nach seinem HTL-Grafikdesign-Abschluss von der Werbung nach Wien gerufen. Mit 20 Jahren startet er seine Karriere bei den Werbegrößen Patrick Schierholz und Hanns-Georg Saxer in der Agentur DDM Needham. Mit 22 wird er Art Director und betreut Drehs und Fotoshooting rund um die Welt. „Das war eine irrsinnig tolle und kreative Zeit damals. Wir konnten alles machen“, schmunzelt Schreder. Nach neun Jahren bei DDM Needham und einem kurzen Abstecher bei Barci & Partner fand seine Werber-Karriere bei Lowe GGK ein Ende. „Da gab es eine Abteilung, die unsere Präsentationen abgenommen hat. Wenn wir zu kreativ waren, hieß es: ,Nochmal bitte und gediegener!‘. Wenn du als Kreativer nicht mehr genau das sein kannst, musst du was ändern.“ Also macht er sich selbstständig. „Ex-US Präsident Bush hat nach 9/11 gesagt, er würde jetzt für den Frieden bombardieren. Das hat mich umgehauen. Das war das absurdeste, das ich je gehört hab. Dem Schwachsinn wollte ich entgegenwirken.“ Schreder fängt an, Ideen zu entwickeln, wie er aus Design-Sicht darauf reagieren kann. „Mitten in der Nacht dann, da hatte ich’s.“ Er beginnt mit einem Freund Kerzen in Cartoon-Bomben-Form zu entwickeln. Diese schlagen ein. Sie werden von Japan über New York bis nach L.A. in renommierten Museen ausgestellt und verkauft. „Nur in Wien ist es nichts geworden. Hier ist nicht das Pflaster für so eine Kunst.“ Als sie vor der Entscheidung stehen, investieren und Massenproduktion oder nicht, kommt Alex Wiederin, Chef der Design Agentur Buero New York mit dem Relaunch des Seitenblicke Magazins auf ihn zu. Dietrich Mateschitz würde sich für das Format genieren und die Kreativen mögen es bitte neu herrichten. „Wir haben das Magazin in drei Wochen komplett neu auf die Beine gestellt. Geniale Zeit – die lustigste, die ich je hatte“, erinnert sich Schreder. Nach dem Relaunch bleibt er beim Magazin als Art Director. Doch so, wie für ihn die Werbung stumpf geworden ist, ist auch der Verlag in seinen Augen schwerfällig und bürokratisch geworden. Kein Platz für eine freie Seele. „Ich möchte sicher kein Magazin mehr exekutieren. Ich bin ein Entwickler, kein Inhaltebefüller. Das ist fad“. Als Rene Steindachner ihn fragte: „Und, machen wir was?“ war klar: „Ja! Ein französisches Café.“ Jetzt haben sie zusammen eins eröffnet. Axl Schreder hat zwar „Säcke voller Ideen zu Haus“, im Moment aber keine Zeit sie zu verwirklichen. Auch seine „Peace Bombs“ liegen noch in Kisten daheim abgepackt. „Vielleicht kommt die Zeit für sie ja wieder“. Was seine nächsten Schritte sein werden, weiß er selbst nicht. Er lebt so, wie das Leben spielt. Und im Moment spielt es Chansons.

Als Kind wollte ich ...
... vieles.
Erfolg ist für mich ...
... wenn ich zufrieden bin.
Die größte Herausforderung ...
... generell das Leben an sich.
Ein Fehler war/ist ...
... auf seinem Weg nicht auf seinen Bauch zu hören. Wenn der Bauch sagt „Change it“, musst du was ändern.
Mein Führungsstil ...
... flach. Man ist ein Team.
Mein Luxus ...
... der allergrößte Luxus für mich ist Zeit für schöne Dinge zu haben. Hauptsächlich für Freunde. Business ist nett und schön, aber wichtig ist Zeit mit Freunden zu haben.