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Wirtschaft Karriere
08/02/2020

Rückkehr ins Büro? Wenn der rechte Platz leer bleibt

Corona brachte auch eine turbo-digitalisierte New-Work-Debatte. Der KURIER hat recherchiert, wohin diese führt.

von Diana Dauer

Viele Wirkungsstätten großer österreichischer Schlüsselunternehmen sind bis heute nahezu verwaist. Denn auch wenn die meisten heimischen Firmen an einer "Rückkehr-ins-Büro“ arbeiten, sich dabei in der einen oder anderen "Comeback-Phase“ befinden, Homeoffice ist in zahlreichen Fällen die viel besprochene neue Normalität. Nur in Ausnahmefällen ziehen Angestellte den Schreibtisch im Büro dem eigenen Heim vor.

Das wundert nicht, hat doch die neue Flexible-Working-Studie von Deloitte, Uni Wien und Uni Graz, die dem KURIER vorliegt, gezeigt, dass Heimarbeit ungleich produktiver sein kann. Rund 80 Prozent der Befragten gaben an, dass konzentriertes Arbeiten zu Hause besser funktioniere als im Großraumbüro. Das bestätigen auch die Unternehmen Magenta, A1, Erste Group, der Dachverband der Sozialversicherungsträger und Microsoft Österreich, bei denen der KURIER nachgefragt hat, wo das Büro steht und wie dessen Zukunft aussieht.

Die Unternehmen arbeiten allesamt an neuen hybriden Arbeitsmodellen, an Mischformen aus Homeoffice und Präsenz. Mitarbeiter hätten bewiesen, dass sie mit der Ruhe und der Freiheit der Heimarbeit sehr gut arbeiten können. Daher soll das Homeoffice auch nach Covid ausgebaut und etabliert werden. Bereiche der Büroflächen würden umgewidmet: Mehr Platz für Teamwork und Meetings, weniger individuelle Arbeitsplätze. "Das alte Arbeiten wird es nie wieder geben,“ sagt Thomas Lutz, Mitglied des Corona-Krisenstabs bei Microsoft Österreich. Die obligatorische Dauerpräsenz ist vorbei, dabei sind sich alle befragten Key-Player einig. Auch die Arbeitskammer sagt über deren erklärten Langzeit-Feind: "Es zeigt sich jetzt noch deutlicher, wie überholt das Großraumbüro ist.“

„Rückkehr ist keine Option“

 Sabine Bothe, Magenta-HR-Direktorin über Phasen und neue Modelle: „Wir befinden uns mittlerweile in der dritten Phase, der Comeback-Phase, die bis 31.8 dauert. Nach der Phase des Lockdowns und des absoluten Homeoffice waren wir in Team A und B geteilt. Seit 15.6 können Mitarbeiter wieder freiwillig ins Büro kommen. Aber das wird nur maximal von einem Drittel genutzt. Wenn die Zahlen weiter steigen, können wir sofort wieder in Phase Zwei, der Teamaufteilung, wechseln,“ sagt Bothe. Parallel arbeitet das Unternehmen in Workshops an einem neuen Modell der Office- und Homeoffice Aufteilung. „Eine Rückkehr zur Anwesenheit im Büro von Montag bis Freitag wird es nie wieder geben.“ Im Bild: Andreas Bierwirth, Magenta-CEO in den leeren Büros Mitte April

„Wir sind eine Kleinstadt“

Sabine Mlnarsky, HR-Chefin der Erste Group: „Bei uns am Erste-Campus arbeiten 5.000 Menschen. Wir sind also quasi eine Kleinstadt. Diese Stadt haben wir geteilt in grüne Teams, die in den grünen Wochen ins Büro kommen und gelbe Teams, die in der Woche darauf im Campus arbeiten. Das ist  bereits aufgestockt worden, ursprünglich waren wir mit einem roten Team in drei Gruppen geteilt und daher war nur ein Drittel der Angestellten anwesend. Wo früher 60 bis 100 Leute gearbeitet haben, ist nur Platz für die Hälfte, Meetingräume wurden auf maximal drei Plätze beschränkt. Dieses Fünfzig-Fünfzig-Prinzip wird uns vorerst noch länger bleiben.“

„Wir sind zu Hälfte vor Ort“

 Alexander Burz, stv. Büroleiter Dachverband  Sozialversicherungsträger: „Das Homeoffice hat sehr gut funktioniert. Seit 18. Mai haben wir   eine  50-50 Aufteilung. Relativ fixe Teams wechseln  wöchentlich zwischen Büro und Homeoffice. Die  Teamchefs entscheiden, wer wann kommt, denn wenn es qualitätsmäßig funktioniert, gilt die Regel, dass sie teilweise im Homeoffice bleiben sollen. Nur für wichtige Meetings gibt es  Ausnahmen.  Unsere Homeoffice-Taskforce arbeitet  an neuen Modellen, um  Homeoffice auch nach Corona zu stärken. Noch hat jeder einen fixen Arbeitsplatz, aber wenn künftig  Mitarbeiter  nicht mehr  täglich im  Büro arbeiten, könnte man zehn bis 15 Prozent der Fläche einsparen.“

„Gelebtes Prinzip wird stärker“

Jochen Ohnewas-Schützenauer, A1-Unit-CEO externe Kommunikation: „Im Headquarter haben wir in Wellen gearbeitet. In der ersten Phase, bis Anfang Juni,  wurden 25 Prozent der Mitarbeiter ins Büro gelassen, das haben wir aber nie erreicht. Jetzt in der zweiten Phase erlauben wir 50 Prozent – auch davon sind wir weit entfernt. Wir werden nicht komplett auf Homeoffice umstellen, aber eine Taskforce arbeitet  an neuen Konzepten für New Work. Schon vor Corona hatten wir eine Betriebsvereinbarung, dass rund 50 Prozent in Absprache mit den Führungskräften tageweise von Zuhause arbeiten können. Das versuchen wir jetzt zu erhöhen. Das aber wird neue Führungsqualitäten brauchen.“

„Zugang wird von App geregelt“

 Thomas Lutz, Microsoft-Sprecher und Krisenstabmitglied: „Seit 18. Mai haben wir  mit der freiwilligen Wiederbevölkerung  begonnen. Zuerst durften 30 unserer 300 Mitarbeiter gleichzeitig kommen, jetzt 60  – aber wir sind noch weit davon entfernt  voll zu sein. Die Mitarbeiter melden sich  per App an, wenn sie ins Büro kommen wollen. In der App sehen sie, wo noch  Arbeitsplätze frei sind,  und reservieren einen.  Keiner muss ins Büro kommen, außer es gibt ein wichtiges Meeting. Diese Regel gilt bis Ende des Jahres, dann launchen wir eine hybride Workspace- Strategie und bauen die Büros um. Mehr Platz für Meetings, weniger Schreibtische.“

 Was geht im Büro

Auch wenn es immer wieder kontrovers diskutiert wird, in Österreich gibt es kein Recht auf Homeoffice.Vereinbarungen darüber sind zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu treffen.

Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer Wien gaben 52 Prozent der Befragten an, dass Homeoffice in ihrem Beruf prinzipiell möglich ist. 22 Prozent davon erklärten, sie hätten das Homeoffice vor der Krise nie genutzt, jetzt aber schon. Zehn Prozent meinten, sie würden Homeoffice jetzt selten nutzen, vor  Covid nie. Zehn weitere gaben an, auch jetzt nicht im Homeoffice zu sein. Jeder Fünfte sei in der Krise zum ersten Mal   im Homeoffice.

Durch die Corona-Krise sind Arbeitgeber aber verpflichtet, ausreichende Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter zu schaffen, sollten diese wieder aus dem Büro aus arbeiten. Das sind etwa Abstand, Lüftungen und Desinfektion.

 

 Quo vadis Büro?

Nach Corona: Büros werden andersDer japanische Technologiekonzern Fujitsu hat angekündigt, seine 80.000 Mitarbeiter künftig im Homeoffice zu beschäftigen, das neue Arbeiten heißt bei Fujitsu "Work Life Shift“. Bis 2023 gibt der Konzern die Hälfte seiner Büroflächen auf. Auch in Österreich hat die Pandemie zu ähnlichen Überlegungen geführt. Experten gehen aber davon aus, dass das Homeoffice hierzulande keinen kompletten Ersatz der Büroflächen zur Folge haben wird.

Obwohl Christian Traunfellner von der Immofinanz erklärt, dass Unternehmen zukünftig wahrscheinlich nicht mehr 100 Tische für 100 Mitarbeiter anmieten werden. Denn: „Zum modernen Arbeiten gehört, dass nicht jeder von neun bis fünf im Büro sitzt.“  Das bestätigen auch die Recherchen  des KURIER:  Die neuen Konzepte werden Platzeinsparungen nach sich ziehen: Mehr Teamwork und weniger Schreibtische.

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