Nicht nur ein Marketing-Gag: 1.890 Euro für den Designer-Sarg

Für den außergewöhnlichen Abgang hat die Bestattung Wien zwei Designer-Särge auf den Markt gebracht. Ob es dafür Abnehmer gibt?
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Schrille Vögel können sich jetzt angemessen bestatten lassen. Genauso wie all jene, die für ihren Abschied das gewisse Extra suchen. Denn die Bestattung Wien hat zwei knallbunte Designer-Särge auf den Markt gebracht – mit Vogel und Kapuzineräffchen oder in Graffiti-Stil. 1.890 Euro kostet das Stück. Es handelt sich um „exklusive Unikate“, teilt Geschäftsführer Jürgen Sild mit und ergänzt: „Auf Kundenwunsch wird es auch in Zukunft weitere Graffitisärge geben.“

Denn die Nachfrage nach Individualität ist groß – auch beim Sterben. Für gewöhnlich ist es die Trauerfeier, bei der sich die Kundschaft kreativ auslebt. Doch auch bei der Sarg- und Urnenauswahl würden sich viele Angehörige zunehmend für außergewöhnliche Exemplare entscheiden.

Vor vier Jahren ging Privatbestatter Himmelblau mit Zellulose-Särgen an den Start – unter Bestattern auch gerne als „Kartonsarg“ betitelt. Diese kommen nur bei Kremationen, sprich Feuerbestattungen zum Einsatz, sind umweltfreundlich und günstig zugleich. 2024 gab es auch im Bereich der Urnen ein Update: Die Bestattung Wien brachte die Pilzurne auf den Markt – das Gefäß für klimabewusste Verstorbene, das sich innerhalb von nur 45 Tagen nach der Beisetzung vollständig zersetzt. Für Natur und Börserl gibt es also bereits einige Angebote – mit den Graffitisärgen kommt jetzt etwas Neues fürs Auge.

Graffiti trifft Fichtensarg

Gestaltet wurden die Designer-Särge vom österreichischen Künstler Lucas Groeger, auch bekannt als Skribl. Dieser ist Vollzeit-Muralist und besprayt für gewöhnlich Hausmauern oder Räumlichkeiten quer über den Globus, unter anderem an seinem Wohnort Florida. Doch als die Anfrage aus Wien vom städtischen Bestatter eintrudelte, ob er Fichtenholzsärgen einen neuen Anstrich verpassen will, gab es „ein direktes Ja“, erzählt er dem KURIER. Und er würde es wieder tun.

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Designer-Särge der Bestattung Wien

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Designer-Särge der Bestattung Wien

„Ich war sehr aufgeregt, es ist auf jeden Fall etwas anderes“, sagt der Künstler, der offenbar keine Berührungsängste mit dem Thema Tod hat. Gedeckte Farben zu wählen, kam für ihn nicht infrage. Street Art und Graffiti sind nun mal bunt, erklärt er. „Nur weil das ein Sarg ist, muss man davon nicht abweichen.“ Übel nehmen wird man es ihm vermutlich nicht. Denn die Österreicher haben ohnehin einen Hang zum Morbiden. Und sind außerdem darauf trainiert, das Sterben mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Dafür haben Österreichs Bestatter Sorge getragen – mit gefinkeltem Marketing.

Schwarzer Humor

„Mit uns kratzen Sie besser ab“, steht etwa auf dem Eiskratzer der Bestattung Wien – ein Merchandise-Produkt von vielen. Weiters im Sortiment: Ein T-Shirt, auf dem steht: „Ich lese, bis ich verwese“ oder ein schwarzes Strandtuch aus der Sommerkollektion 2025, auf dem nicht nur ein Skelett gedruckt ist, sondern auch der Satz „Bei uns liegen Sie richtig.“ Die Sommerkollektion 2026 ist gerade in Ausarbeitung, verrät die Bestattung Wien. Erwarteter Launch: Mai/Juni.

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