Wirtschaft | Karriere
02.01.2012

Momente des Triumphs

Sie haben expandiert, Weltmeister-Titel geholt, ein Waisenhaus in Kambodscha gebaut: Drei herausragende Persönlichkeiten berichten von ihrem Erfolg.

Der Spitzenunternehmer: „Nur Entscheidungen bringen einen weiter“

Johannes Gutmann wurde von Ernst & Young zum Unternehmer des Jahres in der Kategorie KMU gewählt. Seine Firma Sonnentor beschäftigt 168 Mitarbeiter in der Zentrale in Großgöttfritz, nahe Zwettl. Sonnentor exportiert in 48 Länder weltweit.

KURIER: Was waren Ihre Ziele für 2011?

Johannes Gutmann: Dass wir alle begonnenen Investitionsprojekte fertig machen. Wir sind von 2008 bis 2010 hervorragend gewachsen, wir haben tolle Menschen eingestellt.

Eine schwierige Aufbauarbeit?

Das sind viele kleine Schritte – beruflich und persönlich. Dazu gehört auch der Aufbau meiner neuen Familie. Uns ist nichts Großartiges passiert, wichtig sind die kleinen Details, die uns zugefallen sind. Ich bin immer offen für neue Möglichkeiten. Ich glaube, wenn man die kleinen Dinge nicht wertschätzt, passieren die großen nicht.

Was mussten Sie geben?

Man muss immer zuerst anbauen. Nicht mit Gift, schnell schnell, sondern nachhaltig.

Wie haben Sie durchgehalten?

Ich habe mich nie verstellen brauchen, nie verzerren müssen. Wir sind konsequent unsere kleinen, wichtigen Schritte gegangen.

Und wenn`s nicht läuft, was tun Sie da?

Da konzentriere ich mich darauf, wo wir Fehltritte gemacht haben. Ich schaue mir an, was schiefgelaufen ist. Ich reflektiere.

Worauf mussten Sie verzichten?

Meine Beziehung ist gescheitert. Auch, weil meine Partnerin nicht mitgehen wollte. Aber: Reisende muss man ziehen lassen. Nur Entscheidungen bringen einen weiter.

Wer oder was hat Ihnen geholfen?

Meine neue Frau, meine Familie. Und die Sonnentor-Familie, die auch oft kritisch ist.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie etwas geschafft haben, Erfolg haben?

Das ist ein Hochgefühl. Das wird zelebriert. Wir müssen nicht nur feste arbeiten, wir müssen auch Feste feiern.

Wie soll es weitergehen?

Mit den Füßen fest am Boden, mit dem Kopf über den Wolken in der Sonne.

Die Weltmeisterin: „Da musst die Zähne zusammenbeißen“

And the Goldmedal goes to: Renate Lässer, Aaaauuuustria!“ Dieser Satz wird der jungen Malerin aus Riefensberg, Vorarlberg, für immer in Erinnerung bleiben. Am 9. Oktober gewann die 22-Jährige die Goldmedaille bei den Berufsweltmeisterschaften World Skills 2011 in London.

KURIER: Vor einem Jahr: Welche Ziele hatten Sie sich für 2011 gesetzt?

Renate Lässer: Ich habe letztes Jahr die Staatsmeisterschaft gewonnen. Danach gab es nur mehr ein Ziel: die WM gewinnen.

Wie lange haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ein halbes Jahr, 20 Stunden jede Woche, und am Wochenende.

Was muss man geben?

Es braucht intensives Training. Man muss mental stark und körperlich fit sein. Es ist hart, aber hat sich Gott sei Dank rentiert.

Wie haben Sie durchgehalten?

Mit meiner Willensstärke. Ich wollte das einfach. Da hab’ ich mir von Anfang an gedacht: Da musst die Zähne zusammenbeißen.

Und wenn’s mal nicht so gut läuft, was tut man da?

Ich hab’ immer wieder das Ziel vor Augen gesehen, wie es ist, die Goldene zu gewinnen.

Worauf mussten Sie verzichten?

Freizeit hast du halt keine mehr. Keine Freunde, kein Sport. Keine Partys ( lacht ).

Wer/was hat Ihnen geholfen?

Meine Familie und mein Chef und Trainer. Er hat eine motivierende Art. Er hat mich beim Tapezieren auf Zeitlimit trainiert – als Motivation hat er mir ein Champagner-Fläschchen auf den Arbeitsplatz gestellt.

Der Moment des Triumphs – wie haben Sie sich da gefühlt?

Da checkt man gar nix mehr. Da stehst auf der Bühne vor ein paar Tausend Leuten. Wenn dein Name aufleuchtet, da weinst und lachst gleichzeitig. Da kommen die Emotionen vom ganzen letzten Jahr herauf.

Ziel erreicht: Was kommt 2012?

Im Winter möcht’ ich nach Australien arbeiten gehen. Bis dahin heißt’s: Englisch lernen.

Die Helfer: „Es ist schön, nach Hause zu kommen“

Nach ihrer Reise hielten sie Vorträge über die Welt. So sammelten die FH Hagenberg-Absolventen Christoph Einfalt und Dominik Laister das Startkapital für ihr Projekt: ein Waisenhaus in Kambodscha. Sie verkauften Kalender und organisierten Benefizkonzerte, rund 70.000 Euro sind zusammengekommen.

KURIER: Ihre Ziele 2011?

Christoph Einfalt: Dass das Waisenhausgebäude fertiggestellt wird. Wir haben geglaubt, wir brauchen mindestens zwei Jahre. 30 Kinder leben seit November dort.

Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Ein bisserl über drei Jahre. Seit September 2010 sehr intensiv.

Was mussten Sie geben?

Viel Einsatz. Es war sehr zeitintensiv, und man muss bewusst Entscheidungen treffen.

Wie haben Sie auf dem Weg zum Ziel durchgehalten?

Wir haben das Projekt immer wieder besucht. Die Kinder geben einem die Kraft, das Ziel weiterzuverfolgen.

Und wenn`s nicht läuft, was dann?

Wenn es besonders anstrengend ist, ist es immer schön, nach Hause zu kommen und sich von der Mama und der Oma verwöhnen zu lassen.

Worauf mussten Sie verzichten?

Auf meine Hobbys. Ich habe mich selbstständig gemacht, insofern war es mit dem Beruf leicht zu vereinbaren.

Wer/was hat Ihnen geholfen?

Meine Freundin, Freunde, Familie und die Vereinsmitglieder. Vor Ort hat uns Savong, unser Projektpartner, unterstützt.

Wie geht’s im Moment, an dem es geschafft ist?

Unbeschreiblich.

Ziel erreicht – was jetzt?

Auf jeden Fall wollen wir das Volontärprogramm vorantreiben. Wir bekommen nächstes Jahr ein weiteres Grundstück vom Dorf. Da werden wir eine Feldbewirtschaftung aufziehen, um so die Kosten für die Verpflegung zu sparen. Außerdem ist der Bau einer frei zugänglichen Sprachschule geplant.