Andreas Altmann im Gespräch. Er ist seit Anbeginn der Gründung des MCI vor 25 Jahren Rektor

© MCI

Interview
07/05/2021

MCI-Rektor Andreas Altmann: „Mit den Studis in einem Boot“

Rektor Andreas Altmann über 25-jähriges Bestehen des Management Center Innsbruck und Zukunftspläne.

von Diana Dauer

KURIER: Herr Altmann, das MCI hat quasi mit Ihnen als One-Man-Show begonnen. Heute haben sie 300 MitarbeiterInnen, 1.000 Lehrbeauftragte, 3.500 Studierende. Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Viertel Jahrhundert MCI?

Andreas Altmann: Es sind Dinge entstanden, die man kaum für möglich gehalten hat. Wir sind aus der Uni Innsbruck entstanden, mit dem Auftrag „Schnellboot der Universität“ zu sein und eine Brücke in die Wirtschaft zu schlagen. Das war im damaligen Universitätengesetz als quasi nachgelagerte Dienststelle des Bundes nicht möglich. Manche Pfaden mussten wir verlassen, aber wir sind zu einem umfassenden Anbieter akademischer Leistung in Forschung, Lehre, Weiterbildung, Innovation und Entwicklung gewachsen.

Die Uni Innsbruck ist mit ein Träger des MCI. Aber im Gegensatz zur Uni erheben Sie Studiengebühren. Warum sollte man sich als Studierender für das MCI bewerben?

Wir sind sehr international. Unsere Prozesse funktionieren und wir haben eine enorm hohe Serviceorientiertheit. Nehmen Sie unser Career Center. Wenn jemand zu uns kommt, hat er/ sie eine hohe Aussicht auf einen Job.

Wodurch?

Wir orientieren uns stark daran, zu sehen, wo der Bedarf in der Wirtschaft liegt. Wir sind eine hocheffiziente akademische Logistikmaschine mit etablierten Prozessen und starker Betonung von Leistung. Leistung ist bei uns nichts Verkrampftes, sondern etwas Lustvolles. Es ist eine Frage der Kultur. Wir sitzen mit den Studierenden gemeinsam in einem Boot.

Thematischer Bruch: Bereits 2002 wurde ein Neubau für das MCI beschlossen. Wir haben nun 2021 – woran hapert es?

An unserem Anspruch. Wir hätten hundert Mal in ein Gewerbegebiet ziehen können. Aber wir finden Infrastrukturprojekte müssen sitzen. Das muss in 50 bis 100 Jahren auch noch passen. Wir haben das perfekte Grundstück gefunden – allerdings gab es da ein Bauverbot. Schließlich haben wir im Nationalrat bewirkt, das aufzuheben. 2016 gab es einen Architekturwettbewerb, aber da hat man sich vergaberechtlich nicht darüber getraut. Im September werden dann neuerlich Entwürfe vorgelegt.

Blicken wir noch einmal auf die vergangenen 25 Jahre. Haben Sie in Forschung und Universitäten einen Paradigmenwechsel erlebt?

Die Forschung an der Uni ist unheimlich wichtig. Aber sie fokussiert stark auf Grundlagenforschung und richtet sich an eine Wissenschaftsgemeinschaft. Das sieht man schon an wissenschaftlichen Karrieren. Es zählt faktisch nur die Publikationsliste. Auch in der Forschungsförderung wird fast nur darauf geachtet, wo jemand publiziert hat. Dieser Fokus hat sich noch verstärkt. Auf der anderen Seite stehen wir, die Lösungen und Antworten auf konkrete Probleme der Wirtschaft und Gesellschaft geben. Diesen Paradigmenwechsel sehe ich jedenfalls.

MINT-Bereiche sind männerdominiert. Was muss eine Einrichtung wie das MCI tun, um Frauen in die Technik zu bringen?

Rollenbilder müssen verändert werden, da geht es auch um Bildsprache, Vorbilder und Namen von Studienfächern. Die Eignung dafür von Frauen muss unterstrichen werden und Frauen müssen sich stärker abgeholt fühlen. Das ist auch bei Infobroschüren für Studiengänge wichtig. Es ist zum Beispiel so , dass sich mehr Frauen bewerben, wenn ein Fach Technologie statt Technik heißt.

Wo müssen Bildungseinrichtungen wie das MCI ansetzen, um Herausforderungen, wie die Energiewende anzugehen?

Wir haben als Forschungs- und Bildungseinrichtung einen gesellschaftlichen Auftrag. Viele junge Menschen gehen durch unsere Hände, dadurch haben wir einen enormen Hebel, Menschen zu sensibilisieren und zu befähigen.

Sie sind seit 25 Jahren Rektor des MCI. Wie hält man sich so lange in einer Position. Haben Sie noch andere Karriereziele?

Es ist wohl eine Mischung aus Leidenschaft, Überzeugung und Unvernunft an etwas festzuhalten, woran man glaubt. Es ist nicht so, dass ich nicht ab und an einen Preis dafür gezahlt habe: Die Familie kam nicht selten zu kurz, ich hab meine Gesundheit ordentlich strapaziert. Aber ich habe daran geglaubt, deswegen habe ich auch das eine oder andere verlockende Angebot ausgeschlagen. Wenn man seine Leidenschaft gefunden hat, gibt man sie dann auf?

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