Wirtschaft | Karriere
07.04.2017

Mangelberufe: Wo Lehrlinge dringend gebraucht werden

Karriere mit Technik: Viele Unternehmen suchen fieberhaft nach Mitarbeitern. Dabei eröffnen sich gerade in klassischen Lehrberufe wie Dreher, Fräser, Maschinenbauer oder Starkstromtechniker Chancen.

Kinderlachen in der Werkshalle? Was auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erscheint, ist für das Logistikunternehmen Knapp im steirischen Hart ganz selbstverständlich. Weil es nie zu früh ist, junge Menschen für technische Berufe zu begeistern, erhalten schon Kindergartengruppen und Schulklassen Einblick in das Unternehmen und erfahren, dass die Tätigkeiten eines Maschinenbauers, Drehers oder Fräsers heutzutage High-Tech sind – und alles andere als langweilig.

Vielleicht liegt es ein Stück weit auch an einem etwas verstaubten Image, dass solche Jobs auf der Liste der Mangelberufe des AMS ganz weit oben stehen. Noch im Februar trafen etwa bei den Fräsern 175 offene Stellen auf nur 88 Arbeitslose, bei den Drehern waren es 549 offene Stellen gegenüber 383 Arbeitslosen. Mit Starkstromtechnik ist ein weiterer klassischer Lehrberuf stark nachgefragt, während bei den Maschinenbauern vor allem solche mit höherer Ausbildung gesucht werden.Talente gesucht Wie viele andere Technologie-Unternehmen, sucht auch Knapp nach guten Fachkräften. Zwar mangelt es nicht an Anwärtern für offene Lehrstellen, doch gerade in einem wachsenden Unternehmen wird es in Zukunft wohl noch mehr brauchen. 50 Lehrlinge bildet man derzeit am Hauptstandort in Hart bei Graz aus, bei insgesamt 1900 Mitarbeitern.

Mangelberufe

Wenn es darum geht, junge Menschen für technische Berufe zu begeistern, sieht Ingo Spörk, Head of Human Resources bei Knapp, nicht nur Politik, Sozialpartner und Bildungsverantwortliche gefordert, sondern auch die Unternehmen selbst. So unterstütze man verschiedene Initiativen, kooperiere unter anderem mit Berufsschulen oder sei bei Schulmessen präsent. Dabei geht es nicht zuletzt darum, oft eher abstrakte Berufsbilder angreifbar zu machen, denn was zum Beispiel ein Dreher oder Fräser tatsächlich macht, ist vielen nicht klar. Auch gilt es, die Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, um Junge dafür zu interessieren, sagt Spörk: "Diese Berufe sind cool, spannend, wachstumsorientiert und vielfältig, man macht keinesfalls immer nur das Gleiche. Das muss man aber vermitteln."

Grundsätzlich gilt es, jungen Leuten zu erklären: "Mit technischen Berufen hat man heute die besten Chancen und das wird mit der Digitalisierung und der gesamten Entwicklung in diesen Bereichen sicher noch mehr werden."

Gar nicht verstaubt

Dass das Image des Facharbeiters allgemein nicht hoch genug ist, sagt Reinhold Felber, Direktor der Berufsschule Linz 3. Gerade Lehrberufe im Bereich Metalltechnik bezeichnet er als sehr zukunftsorientiert und attraktiv, auch durch die Möglichkeit, ihn mit anderen Metallberufen zu kombinieren. Da vor zwei Jahren der Lehrberuf des Drehers und Werkzeugmaschineurs auslief, beide Berufe gehören nun zur Ausbildung zum Zerspanungstechnikers, sei die Nachfrage nach diesem Lehrberuf sogar gestiegen. Den Facharbeitermangel erklärt sich Felber teils mit geburtenschwächeren Jahrgängen, wobei Industriebetriebe in den vergangenen beiden Jahren durch Mehraufnahmen entgegen gesteuert hätten. Dennoch bräuchte es mehr Vorzeigebeispiele, um Menschen für technische Berufe zu begeistern, sagt er auch. Vorzeigebeispiele, auf die eben auch Knapp setzt, um junge Leute zu begeistern.

Und wie erklärt man nun einem Kind, was in einer Firma für Lagerlogistik und Lagerautomation passiert? "Da beginnen wir mit der Situation, dass wir im Supermarkt Milch kaufen wollen oder ein Medikament aus der Apotheke brauchen", sagt Spörk: "Wir erklären, dass diese Produkte nur deshalb sofort verfügbar sind, weil es dahinter eine Technologie gibt, zu der wir mit unseren Intralogistik-Lösungen beitragen." Dann sehen die Kids die Maschinen, die Roboter mit ganz anderen Augen – und finden alles tatsächlich sehr angreifbar und cool. - Sabine Karrer