Businessman tired from crisis and working with hands over face

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Stimmung
02/28/2013

Manager-Umfrage: Gar nicht gut bei Laune

Wie geht’s uns derzeit? Manager und Experten sind pessimistisch, zeigt eine Umfrage.

von Sandra Baierl

Stimmung und Bauchgefühl spielen überall mit: Bei der morgendlichen Wahl unserer Kleider, bei jedem Gespräch, das wir führen, in der Politik und in der Wirtschaft sowieso: Wie Menschen ankommen, ist nicht nur eine inhaltliche Angelegenheit, es kommt auch stark darauf an, wie etwas gesagt wird, in welcher Tonlage, mit welcher Überzeugung, kurz: in welcher Stimmung.

Herbert Braunöck, seit vielen Jahren Kommunikationstrainer für Top-Manager, hat bei seinen Trainings folgende Beobachtung gemacht: „Ich habe festgestellt, dass viele Top-Manager etwas kommunizieren, zu dem sie in ihrer inneren Einstellung nicht stehen.“ Und wenn sie das tun, merkt das nicht nur der Kommunikationstrainer – die Sendung kommt beim Gegenüber einfach nicht stimmig an.

Braunöck wollte wissen, wie die Führungskräfte tatsächlich denken, vielmehr: was sie fühlen. „Mich hat die innere Einstellung interessiert, die wiederum die Grundlage des Handelns ist – wenn ich als Top-Manager pessimistisch eingestellt bin, kann am Ende des Tages gar nichts Positives bei meiner Arbeit herauskommen“, ist Braunöck sicher.

Neun Fragen

Braunöck entwickelte also einen Fragebogen, den er persönlich bei seinen Kunden zum Einsatz brachte. Die neun prägnanten Fragen mussten möglichst schnell, aus dem Bauch heraus, beantwortet werden. Etwa: Wird eines der gefährdeten EU-Länder pleitemachen? Wird die Arbeitslosigkeit in der EU steigen? Werden die Pensionen gekürzt werden? Mehr als 550 Personen, unterteilt in Experten (von IHS, Wifo, AK, IV, WKO), Top-Manager, Wirtschaftsdelegierte aus 15 europäischen Ländern und Unternehmer der österreichischen KMU, wurden so, über mehrere Jahre hindurch, zu ihrer inneren Einstellung, zu ihrer Stimmung befragt.

Miese Stimmung

„Die Stimmung derzeit ist tendenziell negativ und pessimistisch“, so Braunöck. „Schlecht schätzt man vor allem das Thema Arbeitslosigkeit und Pensionen ein. Viele rechnen damit, dass Sozialleistungen gekürzt werden. Auch, dass ein Land aus dem Euro aussteigen könnte, hält man für wahrscheinlich, ebenso die Gefahr sozialer Unruhen.“ Interessant sei, dass die Handelsdelegierten das Land, in dem sie stationiert sind, positiver sehen, als Menschen von außen. „Die Handelsdelegierten schließen eine Pleite ihres Landes dezidiert aus“, erklärt Braunöck. Weitere Auffälligkeiten: „Auf dieselbe Frage gibt es große Unterschiede bei den Antworten – selbst unter den Experten“, ist Braunöck erstaunt. Diese Bandbreite im Antwortverhalten zeige die große Unsicherheit der Befragten – und auch, dass die Antworten auf die brisanten Fragen nicht immer eindeutig sind.

Noch ein zutiefst menschliches Verhaltensmuster zeigt sich: Obwohl die Befragten pessimistisch antworten, bezeichnen Sie sich selbst als Optimisten. Eine innere Spaltung – wohl, um den eigenen Seelenfrieden zu erhalten.

Das Ifo sagt: Es wird besser

Hoffnungsvoll In der deutschen Wirtschaft geht es indes bergauf: Im Jänner hat sich die Stimmung im dritten Monat in Folge aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um 1,8 auf 104,2 Punkte, teilte das Münchner Institut mit. Das ist der beste Wert seit Mitte 2012. Ökonomen hatten nur ein Plus auf 103,0 Punkte erwartet. Drei Anstiege in Folge sollen eine Wende zum Besseren signalisieren. „Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsvoll ins neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Damit mehren sich die Hinweise, dass die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn wieder wächst.

Die 7000 befragten Manager bewerteten die Aussichten für die kommenden sechs Monate erneut besser: Das Barometer kletterte um 2,5 auf 100,5 Punkte, während Ökonomen nur mit 99,0 Punkten gerechnet hatten. „Der Optimismus kehrt zurück“, sagte Sinn. Die Unternehmen würden ihre Maschinen und Geräte wieder stärker auslasten. Auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ging es bergauf, im Groß- und Außenhandel hatten dagegen die Pessimisten Zulauf.“

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