Drastische Management-Kürzung bei KTM: Sind weniger Chefs die Lösung?
Bei KTM wird weiter Personal abgebaut. 500 Mitarbeiter der noch verbleibenden 3.794 sind betroffen, teilt der Motorradhersteller vergangene Woche mit (der KURIER berichtete). Ein spannendes Detail: Diesmal ist es vorwiegend das mittlere Management, das gekürzt werden soll. Durch die Herausnahme einer kompletten Führungsebene wolle man Kosten sparen, aber auch „Komplexität reduzieren“, heißt es. Ein Ansatz, der sich in der Unternehmenswelt bereits seit Jahren durchsetzt. 2024 liest man in einem Medium sogar vom „Niedergang des Mittelmanagements“. Jetzt, zwei Jahre später, scheint die Situation besonders zu grassieren.
Das Handelsblatt schreibt vor wenigen Tagen, dass die Arbeitslosigkeit unter Managern in Deutschland ein Rekordniveau erreicht hat. Nicht zuletzt, weil quer durch alle Branchen ganze Leitungsebenen eingespart werden. Binnen eines Jahres ist die Zahl arbeitslos gemeldeter Führungskräfte um 14 Prozent hochgeschnellt, belegen Daten der Bundesagentur für Arbeit. „Firmen wollen sparen und schneller werden“, fasst es das Handelsblatt zusammen. Aber machen weniger Chefs eine Firma wirklich automatisch flotter und flexibler? Und wie lassen sich ganze Führungsebenen streichen, ohne dass alles im Chaos mündet?
Der wohl wichtigste Schritt: Rollen neu definieren, Entscheidungsmacht zuteilen
„Ein großer Fehler in Transformationen ist, einfach Personal rauszunehmen und davon auszugehen, die Organisation wird sich sozusagen wieder einrenken“, sagt Stefan Leber, Partner und Transformationsexperte der Managementberatung Horváth. „Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad“, sagt er, aber bei rigorosen Veränderungen müsse man einige Punkte beachten, um dem Unternehmen keinen Schaden zuzufügen. Der wichtigste Faktor? Die Rollen neu verteilen.
„Es muss eine Entscheidungsklarheit geben“, erklärt Britta Heissenberger, Unternehmensberaterin und HR-Expertin. Fällt eine Managementebene weg, müssten Unternehmen im Vorfeld analysieren: Welche Funktion hatte die Führungskraft und haben die Personen darunter die nötige Entscheidungskraft, um weiterarbeiten zu können? Oder stehen sie an und fluten dann die oberste Führungsetage mit Anfragen.
Britta Heissenberger identifiziert aber noch eine weitere Problematik, die sich beim Einsparen von Hierarchieebenen zeigt: „Was beim Herausnehmen des mittleren Managements häufig passiert, ist, dass die Strategie oben sehr klar ist – aber die Übersetzung nach unten nicht mehr funktioniert.“ Das Management wäre schließlich häufig ein Know-how-Träger und dafür verantwortlich, die Firmenziele voranzutreiben. Fällt diese Kompetenz weg, könnte das Überlastung in die ganze Organisation bringen, warnt Stefan Leber. Dennoch kann eine Ausdünnung des Managements nicht nur aus Kostengründen durchaus sinnvoll sein, sagen beide Experten. Leber empfiehlt sogar einen regelmäßigen „Frühjahrsputz“. Doch wie weit lässt sich kürzen?
Den personellen "Frühjahrsputz" sinnvoll angehen
„Ich sehe schon, dass es Unternehmen gibt, wo es zu viele Ebenen gibt und flache Hierarchien durchaus brauchbar sind“, sagt Heissenberger. Stefan Leber empfiehlt, die Funktion der Führungskräfte zu analysieren: Sind sie wertschöpfend oder koordinieren sie nur? Zweiteres könnte bei einer Neuausrichtung des Unternehmens obsolet werden.
„Durch optimierte Prozesse und KI lassen sich Dinge vielleicht anders abwickeln und koordinieren. Da braucht es nicht zwingend immer eine Funktion dafür. Sei es auf der mittleren Managementebene oder grundsätzlich“, erklärt der Experte.
Solange man durch das Entfernen von Managementebenen Komplexität entfernt und direktere Wege schafft, wäre ein Hierarchieabbau verkraftbar, beurteilt Stefan Leber. „Wird aber Wertschöpfung aus der Organisation genommen und es gibt keinen Ersatz dafür, ist es zu viel.“ Britta Heissenberger ergänzt: „Wir werden in Zukunft immer mehr mit Komplexität konfrontiert sein. Diese zu managen und zu bearbeiten, ist eine notwendige Fähigkeit. Deshalb würde ich beim Reduzieren immer vorsichtig sein.“ Dennoch ist die HR-Expertin überzeugt, dass moderne Organisationen insgesamt mit weniger Chefs gut auskommen: „Denkt man Organisationen modern, sind sie geprägt von selbstführenden Teams. Wo Entscheidungen, die früher auf einer oberen Ebene getroffen wurden, im Team auf unterer Ebene entschieden werden. Das macht Sinn und führt dazu, gewisse Ebenen nicht mehr zu benötigen.“
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