Wirtschaft | Karriere
24.12.2011

„Man kauft uns nichts ab, nur weil wir sympathisch sind“

Christoph Leitl über US-amerikanische und österreichische Universitäten.

KURIER: Sie haben vor Weihnachten Lecture an amerikanischen Elite-Einrichtungen gehalten. Ihr Eindruck?

Christoph Leitl: Man geht mit einer gewissen Ehrfurcht heran und lernt, dass die Amerikaner sehr stark an Europa interessiert sind. Und man lernt auch ihren Optimismus kennen. Die verzweifeln nicht wegen ihrer Probleme, sondern krempeln die Ärmel hoch.

Wie wird Österreich dort gesehen?

Österreich wird in den USA noch immer sehr stark mit Musik und Skifahren verbunden. Man fährt gerne nach Wien, in die bedeutendste Kongressstadt der Welt. Darauf können wir stolz sein. Aber mit Technologie und Innovation verbindet man uns nicht. Am MIT gibt es eine Energie-Intiative. Die Amerikaner bereiten sich gerade für eine Klimastrategie vor.

Und Österreich könnte dazu Green Technology beitragen?

Ja, da könnten wir uns einklinken. 2013 wird es dazu einen gemeinsamen Kongress von MIT und Wirtschaftskammer in Wien geben. Eine Riesenchance für Österreich.

Was lernt man fürs Bildungswesen an solchen Institutionen?

Harvard ist die tollste Universität der Welt. Andererseits können wir mit Stolz unsere berufliche Aus- und Weiterbildung präsentieren. Da ist Österreich Weltspitze.

Bemüht sich die österreichische Regierung genug um Spitzenforschung?

Ich war kürzlich auch in Singapur. Dort hat man vor 20 Jahren überlegt, was 20 Jahre später wichtig sein wird und hat 600 Millionen Euro in den Aufbau einer tollen Universität für Biotechnologie investiert. Die ist heute unter den Top 100 weltweit. Wenn man überlegt, dass diese 600 Millionen nur ein Drittel dessen sind, was uns jährlich die Hacklerregelung kostet, dann sieht man die strategischen Fehler im Land und welche Zukunftschancen wir vergeigen.

Angesichts des rasanten Wachstums in Asien: Sind auch die USA bereits „alte Welt“?

Nein, das Niveau der Amerikaner ist ungleich höher. Und auch Asien ist an Grenzen des stürmischen Wachstums angelangt. Die Chinesen haben hohe versteckte Staatsverschuldung, Facharbeitermangel, große Umwelt- und Infrastrukturprobleme. Ein kleines Land wie Österreich, das 60 Prozent seines Wohlstandes außerhalb seiner Grenzen verdient, muss ständig auf der Suche nach bester Qualifikation und Innovation sein. Man kauft uns nichts ab, nur weil wir sympathisch sind.

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