Giftspritze Lob: es kann manipulativ wirken

© Hong Li/istockphoto

Wirtschaft Karriere
07/30/2016

Lob, das Gift der Chefs

Mitarbeiter zu loben, gehört zum Leadership-Einmaleins. Doch oft steckt in den guten Worten eine Portion Gift.

von Teresa Richter-Trummer

Wer hört Lob nicht gerne: "Sie sind im Moment mein bester Mitarbeiter" oder "Das haben Sie wirklich gut gemacht" sind Sätze, die – aus dem Mund der Chefin kommend – guttun. Die für besonderen Arbeitseinsatz belohnen und motivieren.

Aber das Leadership-Tool Lob hat eine heimtückische Seite. Managementautor Reinhard K. Sprenger etwa warnt eindringlich davor. Lob, so schreibt er in seinem Buch Die Entscheidung liegt bei dir (Campus Verlag) schadet langfristig. Denn es manipuliert, bedeutet immer ein Urteil und macht dem Gelobten bewusst, dass er in der Hierarchie unten steht. Damit erniedrigt Lob, schwächt, führt zurück in eine Eltern-Kind-Rolle. "Ja, Lob ist eindeutig manipulierend, da dahinter oft die versteckte Absicht steht, jemanden nicht nur für die getane Arbeit zu bewerten, sondern weiterhin anzutreiben", stimmt Reinhilde Hört-Hehemann von der Trigon Entwicklungsberatung zu.

Nicht selten spüren Mitarbeiter auch, dass der Chef das Lob nur dann auspackt, wenn er etwas erreichen will. Sich dagegen zu wehren, ist aber kaum möglich. Wer wagt es schon, dem Vorgesetzen offen zu unterstellen, dass die guten Worte nicht so gemeint sind? Daher werden die verbalen Belohnungen auch weiterhin eingesetzt. "Führungskräfte spielen durch übergriffiges Lob mit der verbreiteten Sehnsucht nach Anerkennung", kritisiert Sprenger das Fehlen von Anstand, Respekt und Distanz im Management. Ob es moralisch zulässig sei, Lob als Leadership-Tool einzusetzen, müsse jeder selbst entscheiden. Doch Sprenger warnt: "Langfristig funktioniert Lob sowieso nicht: Man spürt die Absicht und ist verstimmt."

Wertschätzung statt Lobhudelei

Aber: Wie geht es nun besser? Welchen Ersatz für Lob können Führungskräfte einsetzen? "Interesse, Aufmerksamkeit und Mitfreuen sind geeignete Beziehungsformen", rät Sprenger. Was Mitarbeiter brauchen, ist Zeit, Wärme im Umgang und Herzlichkeit. Statt gelobt, wollen sie wahrgenommen werden – nicht nur als Leistungsbringer. Besser als ein urteilendes "Das haben Sie gut gemacht" ist ein schlichtes "Danke schön." Wenn man auf Augenhöhe kommuniziert, so Sprenger, "ist Lob weniger verhext".

Auch Reinhilde Hört-Hehemann empfiehlt Chefs, statt auf Lob auf Anerkennung zu setzen: "Wertschätzung kommt von Herzen, ist ohne Hintergedanken und daher eine wohltuende Form des Feedbacks, das auch viel besser angenommen werden kann."

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