Wirtschaft | Karriere
04.04.2018

Lebensphasen: Fünf Mal neu beginnen

Ausbildung, Berufsleben, Pension – so ist das Leben strukturiert. Da jeder Zweite 100 wird, brauche es neue Lebensphasen.

Leben ist Wachsen. Die Gesellschaft hat sich über die vergangenen Jahrzehnte ein System aufgebaut, das dieses Wachsen in drei Phasen teilt: Ausbildung, Berufsleben und Pension. Zuerst verlassen sich die Jungen auf die Alten, kriegen eine Erziehung und damit eine ungefähre Richtung, in die es gehen soll. In der Mitte des Lebens arbeiten sie, setzen die nächste Generation in die Welt. Die Pension klatscht schließlich das Berufsleben ab. Am Ende sind es wiederum die Jungen, die sich um die Alten kümmern. Diese drei Phasen des Lebens gibt es künftig nicht mehr. Das sagen zumindest die Zukunftsforscher Peter Zellmann aus Wien und Horst Opaschowski aus Hamburg. Was sie in ihrem neuen gemeinsamen Buch „Du hast fünf Leben“ beschreiben, leuchtet ein: Jedes zweite Neugeborene ist in 100 Jahren noch am Leben. Ein so langes Leben in nur drei Phasen teilen? Da geht weit mehr.

Lebenserwartung steigt

Basis dieser Idee ist ein simpler Gedanke: 1840 – das ist gar nicht so lange her – betrug die Lebenserwartung gerade einmal 32 Jahre. Bis 2038 – das ist gar nicht so lange hin – liegt unsere Lebenserwartung schon bei 80 Jahren. Die Autoren schlussfolgern deshalb: Den einen Beruf, den Bund oder die Freunde „fürs Leben“ werde es nicht mehr geben. Künftig könne man bis zu fünf Lebensphasen durchleben. „Jede hat ihren eigenen Sinn“, schreiben die Zukunftsforscher. Und in jeder habe man eine andere Rolle, in die man mit der Zeit hineinwächst. Es sei so, wie Hermann Hesse es beschrieben hat: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Man könne immer wieder neu anfangen. Die Zukunftsforscher unterteilen ein Leben in: U20 – Generation Zukunft; Ü20 – die Lebensplaner; Ü40 – Best Ager; Ü60 – die Lebenserfahrenen und Ü80 – die Generation der Beziehungsförderer.

Die U20er-Generation scheint alles, und das auch noch gleich, haben zu wollen. Sie ist verwöhnt und anspruchsvoll, was ihr Privat- und das Jobleben betrifft. Für fundierte Entscheidungen fehlt ihr die Geduld, was ihre größte Schwäche ist. Da sie aber in schnelllebigen Zeiten aufwächst, kennt sie es nicht anders. Dennoch ist sie optimistisch, was ihre Zukunft betrifft. Politisch mitgestalten will sie nur, wenn sie einen Vorteil daraus ziehen kann.

Bei den Ü20ern – die Phase geht bis 40 – dominiert der Wunsch nach beruflichem Erfolg. Arbeit muss Freude und Geld gleichermaßen bringen, Vereinbarkeit mit Kindern ist hier eine der schwierigsten Agenden in dieser Phase. Geheiratet wird, wenn überhaupt, spät.

Die Ü40-Phase nennen die Zukunftsforscher Mid- und Best-Ager-Generation. Sie will jetzt, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, vorrangig das Leben genießen. „Ein Hochgefühl von Freiheit kommt auf“, schreiben sie. Die Ich-Orientierung kehrt zurück, das Leben mit dem Partner rückt in den Mittelpunkt, es geht um Zeitwohlstand und Glück. „Beruflich hat man es dann geschafft – oder hat sich arrangiert“, heißt es im Buch. So oder so: Man wird abgeklärt.

Die Ü60er sind die Ausbalancierer, die Lebenserfahrenen. Sie haben sich den Ruhestand verdient und genießen es, nach ihrem Berufsleben selbst für ihr Tun verantwortlich zu sein. Sie suchen sich Beschäftigung und bleiben aktiv. Interessant: Das Älterwerden ist nicht mehr negativ konnotiert, es wird dann als „einfach schön“ gesehen.

Die Ü80er werden als Beziehungsförderer und Zusammenhalter gesehen. Da der Freundeskreis kleiner wird und die Gesundheit etwas schwächelt, rückt die Familie in den Vordergrund. „Es bleibt die positive Flucht nach vorne: körperlich und geistig beweglich bleiben und alles tun, um die Generationenbeziehung zu fördern und möglichst allen durch Ruhe, Ausgeglichenheit und Weisheit ein Vorbild sein.“