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Wirtschaft Karriere
12/07/2021

Langeweile im Job: Wenn man durch Boreout ausbrennt

Kann zu wenig Arbeit wirklich belastend sein? Arbeitspsychologe Andreas Fida-Taumer sagt ja und gibt Tipps, wie man der Spirale aus Unterforderung und Langeweile entkommt.

von Theresa Kopper

Es klingt  nach einem Luxusproblem: Christian verdient super, den größten Teil seines hohen Gehalts bekommt er praktisch fĂĽrs Nichtstun, weil oft einfach zu wenig Arbeit anfällt. Eigentlich will er sich auch nicht beschweren, doch in Wirklichkeit belastet ihn genau das sehr. 

Damit ist Christian nicht alleine. Dass sich Arbeitnehmer in ihren Jobs chronisch langweilen, kommt häufiger vor, als viele denken. „Aber natürlich belastet das nicht alle extrem. Es kommt immer auf die Persönlichkeit an. Manche können besser damit umgehen und andere macht es krank“, sagt Arbeitspsychologe Andreas Fida-Taumer.

Wenn zu wenig Arbeit krankt macht

Einen Namen fĂĽr die krankmachende Langeweile gibt es: Boreout.  â€žDabei brennen Menschen durch dauerhaftes Nichtstun aus“, sagt Fida-Taumer. Der Begriff wurde 2007 von den Unternehmensberatern Peter Werder und Philippe Rothlin in ihrem Buch „Diagnose Boreout“ geprägt. Eine offizielle, medizinische Diagnose gibt es allerdings bis heute nicht. Aber die Arbeitspsychologie weiĂź schon lange: Dauerhaft zu wenig Arbeit, ein hoher Grad an Monotonie und die intellektuelle Unterforderung tun niemanden gut. Auch eine als extrem sinnlos empfundene Arbeit kann ĂĽber einen längeren Zeitraum zum Boreout fĂĽhren. 

Betroffene haben oft Angst,  auf ihre Situation hinzuweisen, aus Angst noch mehr sinnlose Arbeit zu bekommen oder den Job zu verlieren. „Menschen beginnen  sogar, sich selbst und ihrer Umgebung etwas vorzuspielen, um den Eindruck zu erwecken, beschäftigt zu sein“, erklärt der Experte. Das sei nicht zu unterschätzen. 

Ist die KĂĽndigung der einzige Ausweg?

Zu unterschätzen – das sind auch die Folgen des Boreouts nicht: „Betroffene haben oft mit Antriebslosigkeit, und Angststörungen  zu kämpfen.“ Auch Nervosität, StressgefĂĽhl oder körperliche Auswirkungen wie Magenprobleme kämen vor. „Es kann sogar in der Depression enden.“

Doch was kann man tun, wenn man sich im Job chronisch langweilt? Ist man der Boreout-Spirale völlig hilflos ausgeliefert? Und ist die KĂĽndigung wirklich der einzige Ausweg? „Nein“, sagt Arbeitspsychologe Fida-Taumer ganz klar. „Das Wichtigste ist, die Thematik ernst zu nehmen und aktiv zu versuchen, eine Veränderung herbeizufĂĽhren.“ Das mĂĽsse nicht sofort die KĂĽndigung sein. Oft helfe es schon, sich mit Kollegen auszutauschen oder das Gespräch mit der FĂĽhrungskraft zu suchen. „Immerhin ist diese dafĂĽr verantwortlich, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.“ Die KĂĽndigung sollte wirklich der letzte Schritt sein.  

4 Tipps, um der Langeweile zu entkommen

Job-Crafting: Geben Sie Ihrer Arbeit wieder einen Sinn, in dem Sie sich neue Aufgaben suchen, sich in ein Thema, das Sie besonders interessiert, tiefer einarbeiten oder Ihre kreative Ader ausleben. Auch Weiterbildungen können neuen Schwung in den Arbeitsalltag bringen.

Den Sinn woanders suchen: â€žEs ist nie gut, wenn man seine persönliche ErfĂĽllung ausschlieĂźlich im Job sucht“, meint auch Experte Fida-Taumer. ErfĂĽllung können auch Herausforderungen in der Freizeit oder beim Sport bringen. Oder wie wäre es, wenn Sie ein völlig neues Hobby beginnen?

Offen ansprechen: Ein Problem löst sich gemeinsam oft leichter als alleine. „Auch beim Boreout kann es hilfreich sein, sich mit Kollegen, Freunden oder einem Psychologen auszutauschen. Und auch ĂĽber ein Gespräch mit der FĂĽhrungskraft sollte man in so einem Fall immer nachdenken.“ 

Konsequenzen ziehen: Ă„ndert sich die Situation auch durch neue Aufgabenfelder oder Gespräche nicht und wird der Status quo zunehmend belastend, ist es eventuell angebracht, die ReiĂźleine zu ziehen. Wir verbringen den GroĂźteil unserer Lebenszeit im Job, diese im chronischen Boreout zu verbringen, ist keine gute Idee. 

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