Kiffen zur Prüfungsvorbe­rei­tung

EPAepa02310452 A worker tends to cannabis plants at a growing facility for the Tikun Olam company near the northern Israeli town of Safed on 31 August 2010. In conjunction with Israels Health Ministry, the company currently distributes cannabis or Marijua
Foto: EPA Cannabis: wird von Studierenden auch mal gegen den Stress geraucht

Pharmakologisches Gehirndoping: Weil der Druck steigt, greift jeder 20. Student zu Drogen, sagt eine aktuelle Studie.

Der Kopf dröhnt. Ist voll und leer gleichzeitig. Noch zwei Tage bis zur  Prüfung. Die Angst, bis dahin nicht genug gelernt zu haben, wird zur Gewissheit. Konzentriert arbeiten?  Unmöglich.

Prüfungsstress, wie in jeder kennt. Was tun, wenn Traubenzucker und Red Bull nicht mehr helfen? Ritalin heißt das Mittel, das konzentriertes Lernen ohne Pause möglich machen soll. Studentenkoks nennt man die kleinen Pillen mittlerweile, denn das verschreibungspflichtige Präparat ist  an Unis beliebt. Wird da ein   Medikament  zur Gefahr für das Bildungssystem? Dopen Studenten regelmäßig? Gerüchte gibt es viele, verlässliche Daten kaum.

Aus Deutschland liegt nun eine empirische Untersuchung vor. Unter dem Titel "Formen des Stresskompensation und Leistungssteigerung" wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit 8000 Studierende befragt. Das eben veröffentlichte Ergebnis: Jeder zwanzigste Student betreibt pharmakologisches Hirndoping, nimmt verschreibungspflichtige Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel und Psychostimulanzien. 23 Prozent der Hirndopenden greifen zur Bewältigung studienbezogener Leistungsanforderungen zu  Cannabis. Fünf Prozent, doppelt so viele Frauen wie Männer,  sind "Soft-Doper": Sie versuchen, ihre Leistung mit  Vitaminpräparaten, Koffein oder homöopathischen Substanzen zu optimieren. 1,4 Prozent nutzen leistungssteigernde Mittel "oft".   

 

Dopingmotiv: Stress

Jeder Zweite dopt zur Prüfungsvorbereitung. Lampenfieber und Nervosität sollen in Schach gehalten werden. Fast genauso viele  greifen aber wegen  "generellem Stress" zur Pillenschachtel.  31 Prozent verspüren "sehr starken",  48 Prozent "starken" Leistungsdruck."

Das verwundert Franz Oberlehner, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) Wien nicht: "Der Druck ist sicher gestiegen. Jährlich wenden sich mehr Leute an uns, die schwere Probleme haben."   Die Studierenden, so der klinische Psychologe, reagieren je nach Persönlichkeit unterschiedlich – wie viele aus Stress zu Drogen greifen, kann er nicht sagen.

 Um aus der Überforderungs-Falle zu kommen, rät Oberlehner von allen Substanzen ab: "Auch bei sogenannten Natur-Artikeln bin ich sehr skeptisch. Mit Ritalin geht es scheinbar eine Zeit lang besser, auf lange  Sicht gibt es aber grobe Probleme."

Sein Rat: Strikte Freizeit einhalten. Lernen rund um die Uhr, so der Experte, ist schlicht unmöglich. Vor Prüfungen sollte man sich vor Augen führen, dass immer ein gewisser Prozentsatz durchfällt, ohne gleich "schlecht" zu sein. Doch Oberlehner weiß: Realistisch und milde gegenüber sich selbst zu sein ist gerade für die, am schwierigsten, die sich am meisten dem Leistungsgedanken verschrieben haben.

 

Ritalin: Lernen wie eine Maschine

Die Modedroge unter Studenten  heißt derzeit Ritalin. Ihr Wirkstoff, Methylphenidat, erhöht bei gesunden Menschen die Konzentration und stimuliert. Wegen Suchtgefahr fällt das Präparat unter das Betäubungsmittelgesetz.

 In den USA steigern Umfragen zufolge zwischen 16 und 25 Prozent aller Collegestudenten ihre kognitive Leistungsfähigkeit durch solche "Smart Pills". Die Pille zur Prüfungsvorbereitung soll helfen, bis zu 48 Stunden am Stück zu lernen.

(kurier / Teresa Richter-Trummer) Erstellt am
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